UBS: Totales Versagen oder war es Profitgier?

UBS-Banner, Singapur (Bild: Keystone)

In Anbetracht der sorgsam gepflegten Reputation der UBS mutet ihre Verwicklung in den 1MDB-Skandal unglaublich an. Die Grossbank muss sich unangenehmen Fragen aussetzen. Das sind sie.

1. Wie stark ist der Geruch von Geldwäscherei?

Sehr stark: Die UBS Singapore akzeptierte innnerhalb von fünf Wochen sechs Transkationen von der Tessiner BSI und zwei von der Deutschen Bank für einen Kontoinhaber, der auf den Britischen Jungferninseln sein Domizil hat.

Gestückelte Transaktionen, Kontoinhaber in einem Offshore-Steuerparadies, enorme Summen und die offensichtliche Verwicklung politischer Kreise eines Staates wie Malaysia, der bezüglich Korruption kein unbeschriebenes Blatt ist. Kurzum: Einfach alles an diesen Transaktionen riecht nach Geldwäscherei.

2. Warum gingen bei der UBS nicht die Alarmglocken los?

Nachdem die UBS mit dem US-Steuerstreit ein Nahtod-Erlebnis hatte, gilt beim grössten Vermögensverwalter der Welt: Kein Geld mehr ohne Steuernachweis oder aus undurchsichtigen Quellen.

Es sind die obersten Manager wie CEO Sergio Ermotti und Wealth-Management-Chef Jürg Zeltner, die mit ihrem Wort gegenüber den Stakeholdern dafür einstehen.

Mit enormem Aufwand betreibt die UBS ein Compliance- und Überwachungssystem, in welchem alles hängen bleibt, was nicht lupenrein ist. Doch dem ist offenbar nicht so. Die insgesamt acht Transaktionen gingen durch – obwohl alles an ihnen nach Geldwäscherei roch.

3. War es reine Profitgier?

Dass die Scheinfirma Aabar Investments ein Konto bei der UBS in Singapur unterhielt, spricht nicht unbedingt für wirksame Kontrollmechanismen bei der Schweizer Grossbank. Besonders nicht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sie in der Vergangenheit nicht müde wurde zu betonen, ihre Kunden genauestens zu prüfen.

Umso mehr überrascht es, dass nun auch noch die UBS in den Sumpf dieses riesigen Geldwäscherei- und Korruptionsskandals geraten ist. Regierte bei der Entgegennahme der Gelder am Ende doch nur die Profitgier? Der Wettbewerb im Wachstumsmarkt Asien ist zwar knüppelhart, doch auch hier wird klar, dass sich Nachlässigkeiten über kurz oder lang rächen.

4. Verspätete Vorsicht bei der UBS?

Im Jahr 2015 verzeichnete die UBS ein flacheres Wachstum bei den Nettoneugeldern in Asien-Pazifik – in den Emerging Markets war es teilweise sogar rückgängig. CEO Ermotti erklärte, dass die Bank vermehrt nur hoch «high-quality assets» annehme.

In Singapur liess Asien-Chef Edmond Koh im Gespräch mit finews.ch ebenfalls durchblicken, dass die Bank restriktiver in der Annahme von Kundengeldern geworden sei. Die 1MDB-Transaktionen hatte die UBS im Jahr zuvor getätigt. Es ist gut möglich, dass die UBS im Nachhinein zu grösserer Vorsicht umschwenkte und bei den Kundengeldern Wachstum hinter Qualität stellte.

5. Eine Personalie in neuem Licht?

Fast dreissig Jahre lang (von 1987 bis 2015) verantwortet Kathryn «Kathy» Shih das Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS in Asien. Dann Ende 2015 gab die Schweizer Grossbank bekannt, Shih rücke in die Konzernleitung auf, während der Singapurer Koh ihre Nachfolge im asiatischen Wealth Management per Anfang 2016 übernehme.

Diese an sich banale Personalie erscheint nun in einem anderen Licht, sofern sich die schlimmsten Befürchtungen rund um den 1MDB-Skandal bewahrheiten sollten. Was wusste Shih, und hätte es nicht an ihr gelegen, die Notbremse zu ziehen? Muss sie die Verantwortung für die potenziellen Probleme der UBS übernehmen?

6. BSI, zu Unrecht der Sündenbock?

Die BSI war für die Singapurer Finanzaufsicht MAS ein ideales «Opfer», um in der Affäre ein Exempel zu statuieren. Die Tessiner Privatbank war verhältnismässig klein und würde ohnehin verschwinden – nach dem Kauf durch EFG International. Die BSI jedenfalls sieht sich in der Rolle eines Sündenbocks. Womöglich bestand die Hoffnung der MAS darin, mit ihren Sanktionen gegen die BSI den 1MDB-Skandal nicht ausufern zu lassen.

Mit der Verwicklung der UBS nimmt die Geldwäscherei-Affäre eine neue Dimension an und bringt die MAS zusätzlich in die Bredouille. Denn der Singapurer Staatsfonds GIC hält 6,4 Prozent an der UBS und ist damit der grösste Einzelaktionär. Insofern darf man durchaus gespannt sein, wie sich die staatliche Finanzaufsichts-Behörde Singapurs gegenüber der Schweizer Grossbank verhält.

7. Vom Bankenskandal zum Skandal der Wachhunde?

Die neuesten Enthüllungen um die UBS sind eine Katastrophe für die Aufsichtsbehörden, vor allem für die MAS. Die Singapurer Finanz-Aufsicht hatte bisher sorgsam das Saubermann-Image des fernöstlichen Finanzplatzes gepflegt – und sieht dieses nun einmal mehr demontiert. Zudem zeigt sich: Nach dem Exempel, das an der Tessiner Privatbank BSI statuiert wurde (siehe oben), ist der Skandal um den malaysischen Staatsfonds für Singapur noch längst nicht zu Ende.

Unangenehm ist die Lage auch für die Eidgenössische Finanzmarkt-Aufsicht (Finma). Schon beim Eklat rund um die BSI musste sich die Behörde zögerliches Vorgehen und mangelhafte Koordination mit der Bundesanwaltschaft vorwerfen lassen. Nach der Abstrafung der Tessiner Privatbank bringen die Vorfälle bei der UBS die Finma nun erst recht in die Zwickmühle.

Packt die Behörde die Grossbank nicht hart genug an, bestätigt sie den gängigen Vorwurf, dass sie die kleinen Fische fängt, aber die grossen Brocken schwimmen lässt. Gleichzeitig muss die Finma behutsam vorgehen, da es sich bei der UBS um ein für die Schweiz systemrelevantes Institut handelt.

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