«Machen wir uns nicht schlechter als wir sind» Teil 2

Die Schweiz hat die Finanz und Weltwirtschaftskrise mit am besten gemeistert. Die Analyse von CS-Präsident Hans-Ulrich Doerig. (Teil 2)

Hans-Ulrich Doerig ist seit April 2009 Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group. Er arbeitet seit mehr als 35 Jahren bei der Schweizer Grossbank.

Ein Grund für die bessere Position des Finanzplatzes Schweiz scheint mir besonders wichtig zu sein: Die Branche steht gut da, weil sie sich frühzeitig ausdifferenziert, spezialisiert und konsolidiert hat. Heute haben wir einen der am besten entwickelten Bankensektoren der Welt, erstklassig ausgebildete Fachleute, einen austarierten Banken-Mix und einen effizienten Kapitalmarkt.

Die Bedeutung der Grossbanken ist dabei nicht zu unterschätzen. Sie, die global tätigen Häuser, sind die tragenden Säulen dieses Bankenmix. Ihr Geschäftsmodell, das international wegweisend ist, kombiniert Private Banking, Investmentbanking und Asset Management unter einem Dach.

Nicht alle Eier im gleichen Korb

So können sie ihre Ertragsquellen und dadurch auch ihre Risiken international besser verteilen. Umgangssprachlich ausgedrückt: Nicht alle Eier liegen im gleichen Korb. Das ist einer der Gründe, weshalb sich die amerikanischen Institute Morgan Stanley und Goldman Sachs im Zuge der Finanzkrise entschlossen, ihren Status als reine Investmentbanken aufzugeben und Universalbanken zu werden: Sie verbesserten so ihre Finanzierungsstruktur.

Universal ausgerichtete Grossbanken können zudem die Bedürfnisse von höchst anspruchsvollen Kunden bedienen – insbesondere dank des Know-hows, der weltweiten Präsenz und dem Marktvolumen des Investmentbanking.

Nicht alles kommt vom Bankgeheimnis

Das heutige Niveau im Private Banking wurde nämlich nicht einfach dank dem Bankkundengeheimnis erreicht. Die hohe Qualität hängt – neben den traditionellen Schweizer Stärken wie Zuverlässigkeit, Stabilität, Rechtssicherheit, Gewissenhaftigkeit – massgeblich auch vom integrierten Geschäftsmodell der Grossbanken, von der Expertise der ganzen Bank ab. So erwirtschaftet die Credit Suisse rund 1,5 Milliarden Franken pro Jahr allein dank der Zusammenarbeit vor allem von Investmentbanking und Private Banking.

In der öffentlichen Diskussion geht eine weitere wichtige Rolle der Grossbanken oft vergessen: Sie erteilen über die Hälfte aller Betriebskredite an Unternehmen in der Schweiz. Dass Firmen mit Krediten versorgt werden, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gedeihen einer Volkswirtschaft.

Drei Säulen schaffen Stabilität

Gerade die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen mit Bankkrediten ist auch auf Kapital aus dem Ausland angewiesen. Solches ausländisches Kapital aber, dank dem wir in der Schweiz im Endeffekt auch relativ geringe Zinsmargen haben, können praktisch nur die Grossbanken aufnehmen. Eine Zahl dazu: Die Kreditvergaben der beiden Grossbanken an hiesige Kunden übersteigen die Einlagen aus dem Inland um über 30 Milliarden Franken. Die Differenz refinanzieren die Grossbanken im Wesentlichen im Ausland.

Starke, international ausgerichtete Grossbanken mit ihren drei Säulen Private Banking, Investmentbanking und Asset Management schaffen so Stabilität und nützen dem Werk- und Finanzplatz als Ganzem. Sie erfüllen eine Scharnierfunktion zwischen den unterschiedlichsten Finanzierungsund Anlagebedürfnissen von Firmen, vermögenden Privatkunden, Sparern und der öffentlichen Hand.

Sezierung der Grossbanken

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise werden immer wieder Stimmen laut, die quasi eine Sezierung der Grossbanken verlangen. UBS und Credit Suisse seien «too big to fail» oder «zu gross für die Schweiz», wird argumentiert, und stellten darum ein unwägbares Systemrisiko dar.

So wird zum Beispiel gefordert, dass das Investmentbanking abzuspalten sei. Dabei wird allerdings übersehen, dass auch für die Grossbanken gilt, was Aristoteles einst bemerkte: «Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.»

Fatale Folgen

Es wäre wegen den erwähnten Synergien und Dienstleistungen auch für KMUs falsch, das Modell der Universalbanken zu beschneiden, um das uns viele Konkurrenten weltweit beneiden. Das würde nicht nur den Finanzplatz, sondern den ganzen Wirtschaftsstandort Schweiz nachhaltig schwächen. Ohne das Know-how der Grossbanken zum Beispiel im Investmentbanking würden sowohl die Exportwirtschaft wie auch die Attraktivität des Standorts Schweiz für international orientierte Unternehmen massiv leiden.

Solche nationalen Sonderregelungen für unsere Grossbanken hätten fatale Folgen, wäre doch das fundamental wichtige Auslandskapital schnell weg.

CS-Eigenkapital: 80 Prozent ausländisch

Vergessen wir nicht: Rund 80 Prozent des Eigenkapitals der Credit Suisse stammt aus dem Ausland. Extreme Liquiditätsvorschriften würden die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen verteuern, limitieren oder gar verunmöglichen. Die neu verlangte Verschuldungsquote beschränkt Grösse und Flexibilität der Bilanz bereits drastisch. Mehr Eigenkapital erhöht indes die Kosten und verteuert je nach Marktumfeld die Dienstleistungen, die eine Bank anbietet, und die Kredite, die sie vergibt.

Überdies: Wie die Krise gezeigt hat, ist nicht die schiere Grösse einer Bank entscheidend dafür, ob sie ein Systemrisiko darstellt oder ob sie krisentauglich ist. Entscheidend ist ihr Geschäftsmodell, ihre Risikodiversifikation, ihre Reaktionsfähigkeit und ihr Management.

Es herrscht ein Verdrängungskampf

Der Finanzplatz Schweiz hat beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft. Entscheidend wird sein, dass neue Regulierungen – etwa betreffend Kapitalbasis, Vergütung, Liquidität, Risikomanagement, Insolvenzverfahren für Grossfirmen – international einigermassen abgestimmt werden. Die Schweizer Banken unterstützen alle vernünftigen Bemühungen mit Kosten/Nutzen-Überlegungen.

Man darf sich aber auch nichts vormachen: Der internationale Wettbewerb ist ein Verdrängungskampf um relative Konkurrenzfähigkeit und komparative Vorteile. Wenn der künftige Konkurrenzkampf über die Kompetenz entschieden wird, dann ist das für den Schweizer Finanzplatz positiv. Harte Arbeit und Innovationskraft, Zuverlässigkeit und Professionalität können vom Ausland nicht attackiert werden.

Eine einzigartige Chance

Augenmass, Realitätssinn, weder unternehmerische noch regulatorische Übertreibungen: Wenn wir das Richtige tun – und das Falsche unterlassen –, haben wir die riesige Chance, dass die Schweiz und ihr Finanzplatz nach der Krise besser dastehen als vorher. Und ich wage abschliessend noch eine zweite Voraussage: Es wird uns gelingen diese Chance zu nutzen. Nicht zuletzt dank den Grossbanken.


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Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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