Laurent Gagnebin: «Das warf einen ausserordentlichen Gewinn ab»

Laurent Gagnebin, CEO Rothschild Bank

Laruent Gagnebin, CEO Rothschild Bank

Laurent Gagnebin, der neue CEO der Rothschild Bank, spricht in seinem ersten Interview über den Rücktritt seines Vorgängers, nennt seine geschäftlichen Prioritäten und sagt zudem, was er von seinem berühmten Vater gelernt hat.


Herr Gagnebin, was sind die Gründe für den markanten Gewinneinbruch der Rothschild Bank (-65,8 Prozent) im Geschäftsjahr 2015/2016?

Der Gewinnrückgang ist primär auf einen Sondereffekt aus dem Vorjahr zurückzuführen. Wir haben damals eine Immobilie verkauft, die einen ausserordentlichen Gewinn abwarf. Unser operativer Gewinn ist im Vergleich zum Vorjahr sogar um zwei Prozent gestiegen.

Damit sind wir angesichts des sehr schwierigen Umfelds mit Negativzinsen, einem sehr starken Franken und unberechenbaren Finanzmärkten sehr zufrieden.

Warum ist der langjährige CEO Veit de Maddalena zurückgetreten?

Veit de Maddalena hat die Bank zehn Jahre erfolgreich durch schwierige Zeiten gelenkt. Vor rund zwei Jahren hat er den Wunsch geäussert, seine Nachfolge rechtzeitig zu regeln.

«Ich bin froh, dass Veit de Maddalena bei Rothschild bleibt»

Wir haben in dieser Zeit hervorragend zusammengearbeitet, und ich konnte viel von ihm profitieren. Ich bin froh, dass er bei der Rothschild Bank bleibt und sich vor allem um einige grosse Kundenmandate kümmert.

Kann man von einer Reorganisation der Rothschild Bank in der Schweiz sprechen – es kam ja auch im Executive Committee zu personellen Veränderungen?

Nein. Es gab zwar Mutationen. Aber die Maxime war immer, die Kontinuität sicherzustellen. So wurde Juan Carlos Mejia Perez als Head of Investments zusätzlich in die Geschäftsleitung der Rothschild Bank Schweiz aufgenommen. Kontinuität war auch der Hintergrund des CEO-Wechsels, der seit über zwei Jahren geplant war.

Was waren Ihre Motive, den CEO-Posten zu übernehmen?

Es ist eine grosse Ehre, CEO einer derart gut positionierten Bank zu sein. Sie steht für eine langfristige Ausrichtung dank der Rothschild-Familie, die aktiv involviert ist und das Geschäftsmodell mit dem Fokus auf unabhängige Beratung passt mir sehr.

«Er pflegte immer zu sagen, dass wir Marathonläufer und nicht Sprinter seien»

Wir können so immer im besten Interesse unserer Kunden handeln und müssen nicht irgendwelche Produkte aus dem eigenen Haus verkaufen. Mir gefällt es, in diesem Umfeld Verantwortung zu übernehmen, und ich wusste dank der Arbeit der letzten vier Jahre, dass ich ein gutes Team um mich herum haben würde.

Ihr Vater, Georges Gagnebin, hat eine grosse berufliche Vergangenheit im Swiss Banking? Was konnten/können Sie von ihm lernen?

Er pflegte immer zu sagen, dass wir Marathonläufer und nicht Sprinter seien. Es geht also darum, die langfristige Perspektive nicht aus den Augen zu verlieren und nicht den kurzfristigen Erfolg zu suchen.

«Ab und zu stehen die beiden Banken miteinander im Wettbewerb um Kunden und Kundenberater»

Das gilt insbesondere im Umgang mit den Kunden. Zudem hab ich von ihm gelernt, hart zu arbeiten, mich voll auf die Kunden zu konzentrieren und mit ihnen immer transparent zu sein. Schliesslich legte er viel Wert darauf, dass man seine Mitmenschen mit Respekt behandelt.

Ist er, als Präsident der Banque Pâris Bertrand Sturdza ein Konkurrent von Ihnen?

Ja, ab und zu stehen die beiden Banken miteinander im Wettbewerb um Kunden und Kundenberater. Er ist allerdings Präsident und somit nicht in die operativen Belange involviert.

Wo setzen Sie Ihre geschäftlichen Prioritäten?

Zuerst einmal muss ich festhalten, dass wir über eine sehr gute Strategie verfügen, die ich in den vergangenen Jahren schon mitgeprägt habe. Daran wird sich also vorerst nichts ändern, da wir damit ja auch erfolgreich sind. Wir legen den ganzen Fokus auf die bestehenden Kernmärkte und auf die Synergien aus der Rothschild & Co Gruppe.

Persönlich bin ich sehr stark auf die Kunden ausgerichtet. Wir werden also weiter in die Verstärkung unserer Betreuungs-Kapazitäten und in Systeme investieren, die uns dabei unterstützen.

Hat der Brexit einen Einfluss auf die strategische Ausrichtung der Rothschild Bank?

Nein. Wir glauben zudem auch nicht, dass dies längerfristig ein wirtschaftliches Problem für Grossbritannien darstellt. Kurzfristig ist die damit verbundene Unsicherheit aber sicher schlecht. Uns betrifft dies im Moment vor allem über das schwächelnde britische Pfund.

Wie positioniert sich die Bank gegenüber der Konkurrenz?

Zuvorderst steht sicher die Stabilität des Hauses in allen Belangen, die wir dank der Rothschild-Familie auch haben. Deshalb sind wir für unsere Kunden ein langfristiger Partner in allen Vermögensangelegenheiten. Das Ziel dabei ist es, das Vermögen der Kunden real zu erhalten und zu vermehren. Deshalb ist unser Investment-Ansatz langfristig ausgerichtet.

«Besonders stark war das Geschäft mit Schweizer Kunden in Zürich und Genf»

Wir sind als Gruppe sehr international ausgerichtet und ein grosser Vorteil ist die Zugehörigkeit zur Rothschild & Co Gruppe. Sie ist weltweit führend im Bereich M&A und Unternehmensfinanzierungen und verfügt über ein wichtiges Private-Equity-Geschäft.

Aus dieser Positionierung ergeben sich insbesondere für Unternehmer und internationale Familien grosse Vorteile. Diese gehören denn auch zu unserer wichtigsten Kundengruppe.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist das Netto-Neugeld deutlich auf 1,4 Milliarden Franken gestiegen. Aus welchen Ländern stammte das Net-New-Money?

Alle unsere Kernmärkte haben zu diesem Wachstum beigetragen. Besonders stark waren das Geschäft mit Schweizer Kunden in Zürich und Genf sowie unser Lateinamerika-Geschäft.

Wie wichtig ist das Onshore-Banking-Geschäft in der Schweiz für die Rothschild Bank?

Es ist für uns absolut zentral. Wenn wir zehn Jahre zurückschauen, verfügte die Rothschild Bank über kein Schweizer Onshore-Geschäft, und heute ist es der wichtigste Teil unseres Schweizer Geschäfts.

«Wir sind Konkurrenten im Markt»

Insgesamt verwalten wir von der Schweiz aus derzeit 11,7 Milliarden Franken Kundenvermögen. Allein im abgelaufenen Jahr haben wir 1,2 Milliarden Franken Neugelder angezogen, was einem Wachstum von 12 Prozent entspricht.

Welches Verhältnis besteht zur «verwandten» Edmond-de-Rothschild-Gruppe in Genf?

Wir sind Konkurrenten im Markt, genau wie dies mit anderen Banken der Fall ist. Beide Bankengruppen sind auch sehr unterschiedlich positioniert und sprechen andere Kundensegmente an.

Bestehen Pläne, diese beiden Banken zusammenzuführen?

Nein.

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