Millionen der Privatbank Wegelin für einen Geldwäscher

Privatbank Wegelin (Bild: Keystone)

Stefan Seuss ist ein Mann mit wahrer Hingabe. So steht es auf einer – wohl veralteten – Internetseite, die den deutschen Anwalt in hohen Tönen anpreist.

Erste juristische Erfahrungen bei Baker & McKenzie in Frankfurt, dann bei Le Boeuf, Lamb, Greene & MacRae in Jacksonville im US-Bundesstaat Florida, dann Anwaltslizenz in Deutschland und Rückkehr in die USA, wo er sich in Miami zunehmend mit internationalem Steuergesetz und Vermögensschutz auseinandersetzte und seinen Doktor Jurisprudenz an der Universiät machte.

Er etablierte die Kanzlei Seuss & Partners, eine «Boutique» mit Services in den Bereichen Steuern, internationale Transaktionen und Vermögensverwaltung. Sprich: Seuss war spezialisiert auf Offshore-Konstruktionen.

Ponzi-Betrüger als Kunde

Seuss, Nachkomme eines der Gründer des Münchner Bankhauses Seuss & Strobel, hatte beispielsweise Helmut Kiener als Kunden, für den er eine Offshore-Firma auf den Cayman Islands gründete.

Kiener war ein Hedgefonds-Held der kleinen Leute, 2009 wurde sein Ponzi-Schema entlarvt. Seuss soll Informationen an die Ermittler geliefert haben, um seine eigene Haut zu retten.

Die Wegelin-Connection

Der umtriebige Anwalt kannte auch einen Schweizer Private Banker, der für Vontobel auf den Cayman Islands tätig war. Diese Connection besiegelte den späteren Untergang der Privatbank Wegelin.

Und sie brachte Seuss und seiner Ehefrau Katrin nun 17,8 Millionen Dollar ein. Das ist knapp ein Viertel der Höhe der Busse, welche Wegelin nach ihrem Schuldbekenntnis im Jahr 2013 in den USA bezahlen musste.

Nach Birkenfeld der zweite belohnte Whistleblower

Das Ehepaar hat sich diese Summe von einem US-Steuergericht erstritten, wie das «Wall Street Journal» berichtete. Die Gerichtsunterlagen sind zwar anonymisiert, doch die Angaben lassen keinen Zweifel zu: Hier hat der Wegelin-Whistleblower seine Belohnung erhalten.

Seuss ist damit nach Bradley Birkenfeld der zweite Whistleblower, bei dem der sogenannte Tax Relief and Health Care Act zur Anwendung kommt, den die USA im Jahr 2006 eingeführt hatte, damit die Steuerbehörde mehr Munition für die Jagd nach Steuersündern erhält; Informanten würden belohnt werden.

Er sang «wie ein Vögelchen»

Während Birkenfeld für die UBS-Informationen vom IRS 104 Millionen Dollar erhielt, brachte der Wegelin-Fall dem Ehepaar Seuss deutlich weniger ein.

Aber der Fall ist einiges spektakulärer, wie aus Gerichtsakten hervorgeht. Seuss war 2009 in Miami wegen Teilnahme an Geldwäscherei verhaftet worden. Im Gefängnis sang der Anwalt «wie ein Vögelchen».

Für eine Straferleichterung arbeitete er mit dem FBI, dem IRS und dem Justizdepartement zusammen und lieferte Informationen zu den illegalen Aktionen seiner Kunden.

US- und britische Agenten

Durch seine Bekanntschaft mit dem Vontobel-Banker, der inzwischen zu Wegelin gewechselt war, wusste er, dass das St. Galler Traditionshaus US-Kunden mit unversteuerten Geldern betreute. Beweisen konnte Seuss es aber nicht, das würde der Schweizer Banker tun müssen.

Also stellten ihm US- und britische Agenten zusammen mit Seuss ein Falle. Der Geldwäscher-Anwalt hatte den Wegelin-Banker als «schwache und geldgierige Person» dargestellt, dem man bloss einen Knochen zu werfen müsse und er würde zubeissen.

Wie im Kriminalkultfilm «The Sting»

Der Plan lautete: Er würde mit 40'000 Dollar gelockt, dafür müsste er 1,2 Millionen Dollar vom Konto eines Kunden von Seuss auf den Bahamas zur Bank Wegelin transferieren. Der nächste Schritt wird in den Gerichtsunterlagen «The Sting» genannt, frei nach dem berühmten Film mit Robert Redford und Paul Newman.

Das Ziel: Der Wegelin-Angestellte musste anbeissen, die Illegalität der Transaktion in aufgezeichneten Gesprächen anerkennen und – entgegen dem Verbot seines Arbeitgebers – in die USA reisen. Nach mehreren Monaten war es soweit. Er flog nach Florida, wo er verhaftet wurde.

Triathlet und scharf auf 15'000 Dollar

Seuss hatte ihn geködert: Der Besitzer der 1,2 Millionen Dollar sei wie er Triathlet und er zahle ihm 15'000 Dollar vorab bei einem ersten Treffen.

Der Rest ist Wegelin-Geschichte. Doch Seuss hatte erst während des Wegelin-Plots vom Whistleblower-Programm erfahren und reichte im April 2013 seinen Anspruch beim IRS ein. Die Beamten dort wiesen den Antrag ab.

Seuss habe keinen Anspruch auf eine Belohnung, weil seine Informationen nicht dazugeführt hätten, dass dem IRS Steuernachzahlungen und Bussen von Wegelin-Kunden zugekommen wären. Mit seiner Berufung war Seuss nun erfolgreich – das IRS könnte allerdings auch noch in Berufung gehen. Der Entscheid steht aus.

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