McKinsey: Das Schweizer Offshore-Modell liegt tot im Wasser

Treiben im Wasser, Bild Shutterstock

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Die für ihre eiskalten Analysen gefürchteten Berater von McKinsey haben schlechte Nachrichten für das tradierte Schweizer Private Banking. Doch noch ist es zu früh zum Lichterlöschen, wie eine neue Studie zeigt.

Kaum eine Beratungsfirma weckt in der Finanzbranche solch widersprüchliche Emotionen wie McKinsey.

Dennoch ist die Denke der «Mackies» gerade im Banking wieder schwer gefragt. Sowohl bei der Credit Suisse (CS) wie bei der Deutschen Bank müssen zwei Ex-McKinseyaner als Chefs den Turnaround bewältigen; bei der UBS Schweiz nimmt mit Martin Blessing ebenfalls ein Ehemaliger der international agierenden Beratungsfirma im September die Zügel in die Hand.

Offshore gestrandet

Entsprechend gelten die Analysen aus dem Hause McKinsey etwas – auch wenn sie oftmals reichlich unbequem ausfallen. Die neueste Studie zum Zustand des Private Banking in Europa im Jahr 2015, die sich auf Umfragen bei 194 Instituten weltweit bezieht, ist da keine Ausnahme. Insbesondere für das tradierte «Schweizer Modell» haben die Berater schlechte Neuigkeiten.

So stellen die McKinsey-Experten fest, dass die hiesige Offshore-Vermögensverwaltung – weiterhin die grösste weltweit – letztes Jahr im Schnitt gar kein Nettoneugeld anzuziehen vermochte. Mit anderen Worten: das Swiss Private Banking alter Schule liegt tot im Wasser.

Sogar von Luxemburg überrundet

Das ist auch deshalb schmerzhaft, weil rivalisierende Offshore-Plätze in Schwellenland-Regionen wie etwa Singapur oder Hongkong 2015 ein hohes einstelliges Neugeld-Wachstum vorweisen konnten. Sogar die europäische Konkurrentin Luxemburg kam auf 4 Prozent Nettozuflüsse – dies laut der Studie wegen des «EU-Passes», also aufgrund des freien Zugangs des Grossherzogtums zum EU-Finanzmarkt.

Soweit die schlechten Nachrichten. Doch die McKinseyaner halten für das hiesige Private Banking auch Gutes parat.

Liegen UBS und Credit Suisse richtig?

So zeigt sich, dass jene Banken, die von der Offshore- zur Onshore-Strategie in ihren Zielmärkten übergingen, wohl auf dem richtigen Weg sind (siehe Grafik unten). Sie verzeichneten im Schnitt sichtbar höhere Zuflüsse, während besonders Universalbanken dank Skalen-Effekten die Marge hoch halten konnten.

Das würde demnach für das Geschäftsmodell einer UBS und einer CS sprechen.

McKinsey Grafik1 500

Konsolidierung hilft

Weiter weist die Studie darauf hin, dass die Konsolidierung am Ende der Branche zugute kommt. So operieren grosse Player mit Buchungszentren über 40 Milliarden Euro Vermögen laut McKinsey mit einer Kostenmarge von 39 Basispunkten. Bei kleineren Buchungszentren mit rund 10 Milliarden Dollar an Vermögen liegt die Kennzahl bei über 50 Basispunkten.

Unter der 10-Milliarden-Dollar-Schwelle, finden die Berater, seien deshalb die langfristigen Überlebens-Chancen gering.

Europäische Champions

Insgesamt stellt die Studie fest, dass die Kosten der westeuropäischen Banken so tief liegen wie seit zehn Jahren nicht mehr, während sich die Gewinne im Schnitt wieder den Werten vor der Finanzkrise annäherten. Auch die verwalteten Vermögen wuchsen mit 7 Prozent so stark wie zuletzt vor einer Dekade. Wobei 3 Prozentpunkte auf die Wertsteigerungen der Portefeuilles zurückgingen, wie es weiter hiess.

Das würde bedeuten: alles in allem steht das Private Banking in Westeuropa – und damit auch in der Schweiz – deutlich besser da als die weltweite Konkurrenz (siehe Grafik unten).

McKinsey Grafik2 500

Ideale Voraussetzungen also, um die Herausforderungen der Zukunft zu packen. Und sich von alten Zöpfen zügig zu verabschieden.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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