Gewinnkraft: Unter Europas Banken zählen UBS und CS zur Holzklasse

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Das letzte Halbjahr war für alle europäischen Banken schwierig. Punkto Gewinn trennte sich jedoch die Spreu vom Weizen – mit überraschenden Gewinnern.

Für viele europäische Grossbanken hat sich die Lage in den letzten Monaten zugespitzt: Der drohende Bankenkollaps in Italien, das schleppende Wirtschaftswachstum und der Rückstand bei der Kapitalisierung haben die Gewinnkraft der meisten Finanzinstitute empfindlich getroffen. Dies zeigten die Halbjahres-Ausweise eindrücklich auf.

Doch nicht nur das: Zwischen den profitabelsten und den verlustträchtigsten Häuser hat sich die Schere weit geöffnet. Das jedenfalls legt ein Vergleich des deutschen «Handelsblatts» nahe, das die zehn grössten Bankinstitute der Region unter die Lupe genommen und sie anhand des Nettogewinns rangiert hat.

Dabei schnitten insbesondere die französischen Banken gut ab (siehe Rangliste unten). 

1. BNP Paribas           2'560 Millionen Euro
2. HSBC                       2'312 Millionen Euro
3. Société Générale    1'461 Millionen Euro
4. ING                          1'295 Millionen Euro
5. Barclays                     992 Millionen Euro
6. UBS                            943 Millionen Euro
7. Unicredit                   916 Millionen Euro
8. Commerzbank         247 Millionen Euro
9. Credit Suisse            155 Millionen Euro
10. Deutsche Bank        20 Millionen Euro

Diversifikation hilft

Den Spitzenplatz mit einem Nettogewinn von 2,56 Milliarden Euro eroberte sich BNP Paribas. Sie erwirtschaftete damit bessere Gewinne als manch amerikanische Bank, obwohl sie in einem Umfeld schwachen Wachstums operiert.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der breiten Diversifikation. Die Erträge aus den Bereichen Retailbanking, internationales und institutionelles Geschäft hielten sich zuletzt nahezu die Waage. Dies trug die französische Grossbank bereits glimpflich durch die Finanzkrise, als andere Institute milliardenhohe Verluste einfuhren.

Société Général auf dem Siegertreppchen

Dennoch glänzt nicht alles bei der BNP. So betrug die Kernkapitalquote 11,1 Prozent. Diese gilt es bis 2019 auf die geforderten 12 Prozent zu heben. Interessant auch: Trotz starken Zahlen im Vergleich zur Branche verlor die BNP-Aktie seit Jahresbeginn fast 20 Prozent an Wert. 

In die Top 3 schafften es zudem die ebenfalls französische Société Générale, hinter der anglo-chinesischen HSBC.

Unicredit besser als erwartet

Als einzige italienische Grossbank reiht sich die Unicredit auf den siebten Rang ein. Die Bank erzielte einen Nettogewinn von 916 Millionen Euro und übertraf damit die Markterwartungen. Damit liegt sich noch vor der Credit Suisse (CS).

Geleitet wird die in Rom ansässige Unicredit seit Juli vom Franzosen Jean-Pierre Mustier. Ihm obliegt die Aufgabe, die vergleichsweise tiefe Kernkapitalquote von 10,3 Prozent zu erhöhen. Er wird dabei wohl nicht um eine milliardenschwere Kapitalerhöhung kommen.

Credit Suisse und UBS in der zweiten Tableauhälfte

Nicht in die Top 5 der gewinnträchtigsten Banken Europas haben es die beiden Schweizer Grossbanken geschafft. Die CS liegt auf den neunten Rang mit umgerechnet 155 Millionen Euro Gewinn, derweil die UBS mit 943 Millionen Euro den sechsten Platz belegt. Damit sehen sich die heimischen Grossbanken in der Zweiklassen-Gesellschaft des europäischen Bankings in die «Holzklasse» verwiesen.

Die UBS als weltweit grösster Vermögensverwalter leidet unter den schlechten Marktbedingungen. Die Kunden verhalten sich passiv, was die Ertragslage schwächt. Im Wealth Management sind die Einnahmen im ersten Semester im Jahresvergleich um über 500 Millionen Franken gesunken. In der Investmentbank fielen sie gar um über 1,1 Milliarden Franken.

Bad Bank als Hemmschuh der CS

Die CS überraschte die Finanzgemeinde mit einem Gewinn im ersten Halbjahr. Und es scheint, dass die Massnahmen von CEO Tidjane Thiam langsam zu greifen beginnen. Die Risiken wurden weiter reduziert, die Eigenkapitalquote gestärkt und die Bank erhielt 11,3 Milliarden Franken neue Kundengelder.

Trotzt Lichtblicken ist die weitere Entwicklung der CS mit Unsicherheiten behaftet. Sorgen bereitet den Investoren die «Bad Bank» (Strategic Resolution Unit) der Schweizer Grossbank. Sie bindet sehr viel Eigenkapital und wies zuletzt einen Verlust von über 2 Milliarden Franken aus.

Sorgenkind Deutsche Bank

Mit 20 Millionen Euro Gewinn im ersten Halbjahr reiht sich die Deutsche Bank auf den zehnten und letzten Platz ein. Ähnlich wie die CS leidet auch die Deutsche Bank unter einer überdimensionierten Investmentbank und risikobeladenen Bilanzen, bei zu wenig hartem Eigenkapital.

Dabei versucht Deutsche-Bank-CEO John Cryan das Ruder noch rechtzeitig herumzureissen. Ob ihm das gelingt, ist fraglich. Verschiedentlich machen Spekulationen um eine Verstaatlichung des grössten Geldhauses in Deutschland die Runde.

Denn im Krisenfall fehlen der Bank laut dem letzten Stresstest 19 Milliarden Euro an Kapital. Und es ist nicht davon auszugehen, dass Privatinvestoren in die Bresche springen werden. 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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