UBS: Investmentbanking wie im Wilden Westen

Skyline von Sydney

Die Investmentbank der Schweizer Grossbank in Australien gilt als Powerhaus. Nun zeigt ein Untersuchungsbericht: Es herrschen unhaltbare Zustände.

Die Australian Securities and Investments Commission (ASIC) hat eine klare Warnung geäussert: Ändern die Investmentbanker ihr Verhalten nicht, werden die Schuldigen zur Verantwortung gezogen.

Die Warnung folgt auf einen Untersuchungsbericht der ASIC über die Praktiken von Investmentbanken in Australien wie der UBS in ihren Research- und Frontabteilungen, wie der «Sydney Morning Herald» schrieb.

Verkauf von Staatseigentum im Wahlkampf

Auslöserin der Untersuchung war die UBS: Die Investmentbank war vergangenes Jahr Beraterin im Verkauf des Stromnetzes des Bundesstaates New South Wales (NSW) im Wert von rund 13 Milliarden Dollar gewesen. Der Verkaufsprozess lief mitten im Wahlkampf um den Premierposten des Bundesstaates, den Mike Baird innehatte.

Das Research der UBS wollte ursprünglich an Kunden schreiben, der Verkauf sei «schlecht fürs Budget, aber gut für den Staat.» Doch wurde die Passage «schlecht fürs Budget» dann kurzerhand gestrichen. Die Opposition beschuldigte Baird, die UBS beeinflusst zu haben.

UBS musste einen Berater nehmen

Während die Vorwürfe auch durch eine parlamentarische Untersuchungskommission nicht vollständig erhärtet werden konnten, startete die ASIC ihrerseits eine Untersuchung. Die UBS musste einen externen Berater beiziehen, der die Abläufe und Informationsflüsse überprüfen sollte.

Was der ASIC-Report zeigt: Die UBS Investmentbank wie andere australische Finanzinstitute auch haben grosse Schwierigkeiten, die Gefahr von Interessenskonflikten zu managen. Das Muster: Das Research in der Investmentbank ist der verlängerte Arm der Beratungs- und Verkaufsleute. Der klassische Fall nicht funktionierender «Firewalls».

Verflechtungen von Research- und Kapitalmarktabteilungen

Vor dem NSW-Stromnetzfall war die UBS schon einmal aufgefallen. Wenige Tag vor einem Milliardenabschreiber hatten UBS-Analysten den Goldminenbetreiber Newcrest herabgestuft.

Der erste Befund der ASIC betrifft nun insbesondere das Research und die Kapitalmarktabteilungen. Die herrschenden Interessenkonflikte würden dazu führen, Kunden zu ihrem Nachteil zu beraten, hiess es.

Extra-Boni für Analysten

Im Untersuchungsbericht sind einige Beispiele aufgezählt: So habe in manchen Fällen das Beratungsteam gewisse Analystenberichte über Firmen abgesegnet, die über die Bank Kapitalmarkttransaktionen vollzogen hätten. Andere Fälle hätten gezeigt, dass Analysten Boni erhielten, weil sie in das Marketing von Corporate-Transaktionen involviert gewesen seien.

Zudem gebe es die Praxis, dass Research-Abteilungen durch Einkünfte aus dem Beratungsgeschäft quersubventioniert würden. Roadshows für Investoren und Überseereisen seien von den Beratungsteams bezahlt worden.

Gemauschel mit Berichten

Interessenskonflikte auch bei Börsengängen: So seien Analysten aus dem Research in IPO-Präsentationen involviert gewesen. In einem Fall habe ein unabhängiger Berater einem Unternehmenskunden Researchmaterial aus der Bank versprochen, bevor dieses veröffentlicht werde. Die Ergebnisse haben die australische Aufsichtsbehörde bewogen, die Untersuchung auszuweiten.

Der Bericht über die Praktiken bei Börsengängen soll noch dieses Jahr veröffentlicht werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
mehr

SELECTION

Selection

Diese Bank bezahlt am besten

Bei den Löhnen sticht eine Bank mit grossem Abstand hervor.

Selection

Selection

Das sind die teuersten Sportwagen

Ferraris, Lamborghinis oder Porsches erregen kaum mehr Aufmerksamkeit, ausser es handelt sich um ein seltenes Modell.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

weitere News