IFRS 9 – der Zungenbrecher, der Banker sprachlos lässt

Bild Shutterstock

Bild Shutterstock

Auf die nach IFRS-Normen abrechnenden Banken kommen einschneidende Bestimmungen zu: Viele Institute sehen sich davon heillos überfordert. Was das für die UBS und die CS bedeutet.

Ein Unternehmensberater hat das Bonmot geprägt, dass IFRS 9 fast so schwierig umzusetzen wie auszusprechen sei. Doch Bankern weltweit ist nicht ums Lachen zumute, was die neueste Erweiterung zur IFRS-Rechnungslegung betrifft.

Im Gegenteil: 18 Monate vor dem Stichtag zur Umsetzung geht in der Branche die Panik um. Selbst grosse Geldhäuser zeigen sich mit dem neuen Regelwerk, das insbesondere auf die Kreditrisiken der Institute abzielt, heillos überfordert.

Banken tappen im Dunkeln

Gemäss einer Umfrage des «Big-Four»-Beratungsunternehmens Deloitte, die von der britischen Zeitung «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig) aufgenommen wurde, tappt knapp die Hälfte von 91 Grossbanken weltweit bezüglich der Regeln noch im Dunkeln.

Ihnen ist nicht nur unklar, wie die neuen Regeln ihre Bilanzen treffen. Sie wissen auch nicht, wo sie die nötigen Fachleute herkriegen sollen, um die Norm intern umzusetzen. Und die Uhr tickt.

Dass die Anwendung von IFRS 9 kein Kinderspiel wird, daran lässt eine weitere Deloitte-Studie, die finews.ch vorliegt, keinen Zweifel. «Die Zeit läuft den Banken davon», mahnen die Experten der Beratungsfirma.

Tiefgreifendste Veränderung in der Geschichte

Denn schon 2018 haben die Institute die neuen Bestimmungen in der Finanzberichterstattung anzuwenden. Um dazu bereit zu sein, müssen die Banken Grossprojekte starten, welche die nötigen Arbeiten in der IT, im Risikomanagement und in den Finanzen miteinander koordinieren.

«Für viele Banken», so Deloitte weiter, «wird das die tiefgreifendste Rechnungslegung-Änderung in der Geschichte». IFRS 9 sei sogar noch bedeutender als die Umstellung auf die IFRS-Rechnungslegung an sich.

Dabei will die Bilanzierungs-Neuerung im Grunde genommen nur Gutes bewirken. Die Risiken innerhalb der Banken sollen verringert werden, indem die Norm diese zwingt, zukünftige Kreditrisiken in der Bilanz ausreichend abzusichern. Damit sind die Institute auch angehalten, ihre Gewinne vorsichtiger zu berechnen.

Angesichts der bösen Überraschungen in der Finanzkrise und des Zustands europäischer Banken scheint dies eine vernünftige Forderung zu sein.

Denkbar schlechter Zeitpunkt

Doch weil die europäische Bankenwelt derzeit wankt, kommt gerade für sie IFRS 9 zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

So warnen die wenigen Häuser, die sich schon vertieft mit der Norm auseinandergesetzt haben, dass sie ihre Rückstellungen für Wertverluste über alle Anlageklassen um einen Viertel erhöhen müssen.

Noch ungünstiger: Auch die Eigenkapital-Quote wird von IFRS 9 geschmälert. Sie könnte wegen des neuen Standards um ein halbes Prozent fallen. Das ist ein halbes Prozent zuviel für alle jene Banken, die sich abmühen, die ab 2019 geltenden neuen Kapitalisierungs-Vorschriften zu erfüllen.

UBS betroffen

Mit dieser Vorgabe sehen sich auch die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS) konfrontiert. Ihnen fehlen nach den Berechnungen der Schweizerischen Nationalbank insgesamt noch rund 10 Milliarden Franken, um den verschärften «Too-big-to-fail»-Regeln zu entsprechen.

Auf Anfrage von finews.ch hiess es bei der UBS, dass die Grossbank von IFRS 9 ebenfalls betroffen sei. Das Institut wird demnach die neuen Regeln bis 2018 auf Konzernstufe erfüllen. Im Umfeld der Grossbank war dazu zu vernehmen, dass dies zeitgemäss möglich sei.

CS mit Vorsprung zur UBS

Fein raus ist die CS – und zwar, weil sie nicht nach IFRS, sondern nach der Norm US GAAP bilanziert. Damit sind für sie die neuen Bestimmungen kein Thema, genauso wenig wie für die meisten amerikanische Grossbanken, die wie die CS abrechnen. Ein Vorteil mehr für die US-Häuser, die derzeit vor Kraft nur so strotzen.

Und für einmal hat die CS nun einen Vorsprung auf ihre Schweizer Erzrivalin UBS – und damit als eine der ganz wenigen Banken wohl heimliche Freude an IFRS 9.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Wie sich Angstkultur ausbreitet

Mehrere Tausend Stellen im Schweizer Bankgewerbe sollen verschwinden. Besonders betroffen davon ist das mittlere Kader.

Selection

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Die spektakulärsten Bankgebäude der Welt

Eine Expertenjury hat die weltweit 15 beeindruckendsten Firmensitze gekürt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

weitere News