US-Fondsgigant Blackrock will Kantonalbanken umarmen

(Bild: Shutterstock)

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Blackrock ist mit knapp 5'000 Milliarden Dollar an Kundengeldern der eindeutig grösste Vermögenverwalter der Welt. Die Tochterfirma iShares führt im boomenden Geschäft mit Indexfonds (ETF) den Markt an; in der Schweiz sollen Schätzungen zufolge 60 Prozent des Volumens durch iShares-Hände gehen.

Kurz: der «Schwarze Felsen» dominiert den weltweiten Verkauf von Finanzprodukten. Doch das ist ihm nicht genug.

Service statt nur Verkauf

Entsprechend hat der US-Gigant begonnen, sein Profil zu verändern. Die iShares-Tochter ist mit ihren bei den Anlegern höchst beliebten ETF ein wichtiger Pfeiler in dieser Strategie, wie deren Deutschschweiz-Chef Sven Württemberger (Bild unten) gegenüber finews.ch erklärte. «Das Ziel ist, sich vom reinen Produkte-Anbieter zum Service-Anbieter zu wandeln.»

Die Bemühungen in diese Richtungen geschehen diskret. Nur selten sorgen sie für Schlagzeilen. So jüngst im vergangenen Juli, als bekannt wurde, dass Philip Vasan zu Blackrock wechselte.

Sven Wuertemberger

Massgeschneidertes für Unabhängige

Vasan ist ein Credit-Suisse-Veteran, der bei der Schweizer Grossbank das inzwischen verkaufte Private Banking in den USA leitete. Bei Blackrock soll er nun dafür sorgen, massgeschneiderte Produkte für Privatbanken und unabhängige Vermögensberater bereitzustellen.

Etwas Ähnliches unternimmt Simon Stalder bei iShares in der Schweiz. Stalder – auch er ein ehemaliger CS-Banker – ist hierzulande für den neuen Bereich «Externe Vermögensverwalter und Family Offices» zuständig. Das vierköpfige Team, das er leitet, soll noch weiter ausgebaut werden.

Clevere Kundenbindung

Der iShares-Service für unabhängige Vermögensverwalter geht über die blosse Produkte-Palette hinaus. Das Angebot, so Stalder, reiche von der Produktanalyse bis hin zur Unterstützung bei Transaktionen. «Zunehmend werden auch ganze Lösungskonzepte wie etwa Model-Portfolios angefragt», sagt der iShares-Kadermann.

Via iConnect-Plattform, die in der Schweiz ebenfalls in Stalders Ressort fällt, wird dabei clevere Kundenbindung betrieben. Wer iConnect beitreten will, verspricht, einen Grossteil seiner Kundenportefeuilles in ETF abzubilden. iShares übernimmt dafür Marketing- und Ausbildungsaufgaben.

Mittlerweile zählt die Plattform in der Schweiz 19 Vermögensverwalter und Fintech-Firmen zu ihren Mitgliedern, wie finews.ch in Erfahrung bringen konnte.

Weitere Kunden «anschliessen»

Württemberger denkt allerdings bereits über die Zunft der unabhängigen Vermögensverwalter hinaus. «Das Angebot an Beratungsdienstleistungen ist ein Pfeiler des zukünftigen Wachstums», betont der iShares-Manager.

In der Schweiz sei deshalb der Anschluss weiterer institutioneller Kunden geplant, um ihnen gebrauchsfertige ETF-Lösungen und Portefeuilles-Checks anzubieten. «Dazu befinden wir uns etwa im Gespräch mit diversen Kantonal- und Regionalbanken», so Württemberger.

Verlockend wie Fast Food

Pfannenfertige Portefeuilles, Research plus Risiko-Kontrolle: Das ist wie Fast Food mit Entsorgungs-Garantie. Ein verlockendes Versprechen für kleine und mittelgrosse Banken, die im Tiefzinsumfeld eisern sparen müssen und trotzdem in der Vermögensverwaltung wachsen wollen.

Ebenfalls sucht iShares die Zusammenarbeit mit Fintech-Firmen. «Für ihre Zwecke sind ETF ideal geeignet», glaubt Deutschschweiz-Chef Württemberger.

Respekt vor dem Banken-Gärtchen

Von den Banken, zumal den Grossen, hat iShares dabei wenig zu befürchten. Mutter Blackrock ist keine Bank und damit (vorerst) keine direkte Konkurrenz. Zudem beziehen die Häuser praktisch allesamt iShares- oder Blackrock-Produkte. Und: iShares mischt auch weiterhin nur indirekt im Retailgeschäft mit, erklärt Württemberger. «Der Verkauf von Retailprodukten direkt an den Endkunden steht nicht im Vordergrund.»

Die Banken im Boot, Fintechs und Unabhängige in der Umarmung: Der Vormarsch des US-Fondsriesen Blackrock scheint auch in der Schweiz unaufhaltsam.

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DigitalZurich2025, die Standortinitiative für digitale Innovation, wird zu «digitalswitzerland» umbenannt und damit auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Zudem lanciert sie mit «Education Digital» eine Webplattform zu relevanten Aus- und Weiterbildungen rund um das Thema Digital.

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