Negativzinsen: Wie die Banken das Terrain vorbereiten

Bild: Shutterstock

Die Schweizer Banken stehen vor einem Dilemma. Zum einen wollen sie die Negativzinsen nicht auf die Sparer abwälzen, weil sie Wettbewerbsnachteile fürchten. Zum andern mussten die Schweizer Geldhäuser allein im ersten Halbjahr 2016 der Schweizerischen Nationalbank (SNB) fast 700 Millionen Franken an Negativzinsen abliefern.

Und die SNB macht keine Anstalten, das «Giftmittel» Negativzinsen bald abzusetzen. Vielmehr behält sie sich die Option offen, die Dosis noch zu erhöhen, sollte der Aufwertungsdruck auf den Franken weiter zunehmen.

Phalanx zeigt Rückzugstendenzen

Bislang meisterten die hiesigen Finanzinstitute die Folgen der Negativzinsen erstaunlich gut, wie die Halbjahres-Berichtssaison zeigte. Dafür griffen zahlreiche Banken denn auch tief in die Trickkiste, wie finews.ch berichtete. Doch langsam aber sicher sind sie am Ende ihres Lateins. Darauf deuten diverse Voten von Bankchefs hin.

Martin Scholl, Chef der Zürcher Kantonalbank, erteilte zum Beispiel an der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende vergangener Woche der Einführung von Negativzinsen zwar bis auf weiteres eine Absage. Ganz ausschliessen wolle er einen solchen Schritt allerdings nicht, sollte die SNB noch stärker an der Zinsschraube drehen, gab er der britischen «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig) kürzlich zu Protokoll.

Auch für Migros-Bank-Chef Harald Nedwed, Valiant-CEO Markus Gygax oder Postfinance-Chef Hansruedi Köng hat die Abwehrhaltung gegen Strafzinsen für Sparer vergleichbare Risse bekommen.

Angst vor Bank Run

Die Frage aller Fragen in dieser Sache ist dabei nicht, welches Geldinstitut den ersten Schritt wagen wird. Denn dieser ist im Übrigen bereits erfolgt: So hat die Alternative Bank Schweiz Negativzinsen für «gewöhnliche» Kunden bereits eingeführt. Das in Olten ansässige Institut konnte den Schritt wagen, weil es eine sehr eigene Beziehung zu seinen Kunden pflegt.

Bei den anderen Banken hätte ein Vorpreschen fatale Auswirkungen auf die Kundengelder. Denn Kunden würden ihre Gelder vermutlich abziehen respektive zu anderen Banken transferieren.

Insofern stellt sich eher die Frage, wann die grossen Retailbanken in einer wohl konzertierten Aktion die Sparkonti ihrer Kunden mit Strafzinsen belegen werden. Entscheidend dafür ist die weitere Zinspolitik der SNB. Die nächste geldpolitische Lagebeurteilung findet am 15. September statt.

Kritische Schwelle erreicht

«Die SNB wird kaum proaktiv vorgehen und die Negativzinsen weiter nach unten drücken, solange kein Bedarf besteht – sprich der Franken nicht wieder aufwertet», sagte Martin Neff (Bild unten), Chefökonom bei Raiffeisen, auf Anfrage von finews.ch.

Neff Martin 500

Die Grenze des Verkraftbaren sieht der ehemalige Chefökonom und Leiter des Economic Research Schweiz bei der Credit Suisse beim derzeitigen Minuszins von 0,75 Prozent. Sollte der Aufwertungsdruck auf den Franken aber wieder zunehmen, sei ein Negativzins von -1 Prozent oder mehr möglich, so der Chefökonom. 

Verschärfung liegt in der Luft

Eine weitere Verschärfung seitens der SNB hängt laut Neff entscheidend davon ab, ob es zu empfindlichen Verwerfungen an den Finanzmärkten kommt, was angesichts der Blasenbildung in diversen Assetklassen durchaus möglich ist. 

Sinkt dieser tatsächlich auf -1 Prozent, lässt sich gemäss Neff eine Abwälzung auf die Kleinsparer nicht mehr zwingend vermeiden. Denn dadurch sinkt die Zinsmarge auf ein Niveau ab, dass auch Passivgelder günstiger werden müssten (aus Sicht der Bank); oder anders ausgedrückt, wenn das Kreditgeschäft immer weniger abwirft, kann die Bank auch den Sparern weniger entrichten.

Bedenken beim Branchenverband 

Sorgen bereiten die Negativzinsen auch der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). «Ob eine Bank die Negativzinsen an ihre Kunden weiterreichen will, ist ein geschäftspolitischer Entscheid, den jedes Institut für sich fällt», betonte SBVg-Sprecherin Daniela Flückiger gegenüber finews.ch.

«Sollte die SNB die Negativzinsen weiter verschärfen, ist vorab eine genaue Analyse angebracht, ob dieses Mittel tatsächlich den gewünschten Nutzen bringt», so die Forderung des SBVg an die Adresse der SNB.

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Die Grossbank UBS hat mit einer Zahlung von 15 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC ein Verfahren um den Verkauf komplizierter Derivate an Privatkunden beigelegt.

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