Credit Suisse: Brian Chin – vom Saulus zum Paulus?

Brian Chin, Chef Global Market Credit Suisse

Brian Chin, Chef Global Market Credit Suisse

Mit Brian Chin ernannte die Credit Suisse Knall auf Fall einen neuen Chef für ihre Handelssparte. Und damit just den Mann, der Positionen verantwortete, auf denen sich die Grossbank kürzlich Hunderte Millionen ans Bein streichen musste. Das wirft Fragen auf.

Die Absetzung des Global-Markets-Chef Timothy O’Hara kam am Mittwoch abrupt. Doch unerwartet war sie nicht. Letzten März wurde bekannt, dass die von «Tim» O’Hara verantwortete Handelssparte der Credit Suisse (CS) auf illiquiden Positionen insgesamt 633 Millionen Dollar abschreiben musste. Insgesamt strich sich die Grossbank auf den Papieren dann mehr als 1 Milliarde Dollar ans Bein – und O’Haras Stern war im Sinken begriffen.

Harsch liest sich denn auch der Kommentar von Konzernchef Tidjane Thiam zum Abgang des glücklosen Spartenchefs: «Ich bin überzeugt, dass diese personellen Änderungen, die auf meinen Antrag vom Verwaltungsrat der Credit Suisse genehmigt worden sind, die Performance unserer Bank nachhaltig verbessern werden.»

Intime Kenntnisse

Die personelle Veränderung an der Spitze von Global Markets ist Brian Chin. Der 39-Jährige ist (abgesehen von politischen Engagements) ein unbeschriebenes Blatt, aber seit 2003 bei der CS-Investmentbank im Geschäft mit verbrieften Krediten tätig und kennt die Bücher aus der Nähe.

Sogar von ganz nahe: Wie das Branchen-Portal «International Financing Review» berichtete, war Chin als Leiter der Bereichs für Verbriefungs-Produkte just für den Bereich verantwortlich, der dann im Zentrum der Abschreiber stand. Laut CS-Finanzberichten entfielen mindestens 261 Millionen Dollar an Wertberichtigungen auf Chins Securitized-Product-Einheit.

Den Chef hinters Licht geführt?

Zur Erinnerung: Bezüglich der überraschenden Wertberichtigungen hatte CS-Chef Thiam von Anfang an die Position vertreten, von den eigenen Händlern hinters Licht geführt worden zu sein.

Diese hätten ihre Positionen in ausfallgefährdeten Krediten, Kreditfinanzierungen und Schuldverbriefungen ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten ausgebaut, um möglichst hohe Einkünfte ausweisen zu können, so Thiam letzten März.

Entsprechend forderte der CEO einen kulturellen Wandel innerhalb der CS und drohte den fehlbaren Händlern mit Konsequenzen. Deren Verhalten sei «völlig inakzeptabel», enervierte sich der 53-jährige gebürtige Ivorer damals.

«Exakt das falsche Signal»

Doch wer die Konsequenzen damals spürte, ist nicht bekannt. Jedenfalls nicht Chin. Zusammen mit David Miller wurde er im selben März zum Co-Chef der neu geschaffenen Credit Division innerhalb von Global Markets befördert, wie die Agentur «Reuters» berichtete. In dieser Position rapportierte er direkt an O’Hara.

Miller hatte als Leiter Credit Products ebenfalls Verantwortung bezüglich der von den Abschreibern betroffenen Positionen. Wie die Zeitung «New York Times» berichtete, gilt Miller zudem als Architekt von Kredit-Verbriefungen, mit denen in den USA ambitionierte Bauvorhaben wie «Lake Las Vegas» und «Yellowstone Club» finanziert wurden.

Doch die Projekte floppten – und brockten der CS Klagen von Investoren ein.

Die Beförderung Millers sende «exakt das falsche Signal» bei der CS, schimpfte die «New York Times» damals. Auch das Portal «International Financing Review» konnte sich über den Aufstieg von Miller und Chin nur wundern.

Überraschender Wandel

Wie es dazu kam, hätte auch finews.ch gerne gewusst. Die CS wollte die Ernennung und Vorgeschichte Chins über die offizielle Mitteilung hinaus nicht kommentieren.

Investmentbanker Chin ist bei der CS seither noch höher gestiegen – auf den Sessel seines Chefs O’Hara, der nun von Thiam nicht gerade freundlich hinauskomplementiert wurde.

Der überraschende Wandel vom Abschreiber-Saulus zum Paulus der mit 11'600 Vollzeitstellen personell zweitwichtigsten CS-Division kann jedenfalls als kleines Banking-Wunder begriffen werden.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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