Negativzinsen: Banken in der Bredouille

(Bild: flickr.com)

Noch stemmen sich die Schweizer Retailbanken gegen die Weitergabe von Negativzinsen. Doch der Druck, nimmt stetig zu. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Dämme brechen.

Für die meisten Schweizer Finanzinstitute ist das Zinsengeschäft der wichtigste Ertragspfeiler. Und dieses konnten sie im ersten Halbjahr 2016 trotz stetig sinkender Margen stabilisieren oder teilweise gar verbessern – durch den Einsatz von diversen Zins-Tricks, wie finews.ch unlängst berichtete.

Die Frage ist, wie lange diese Kniffs funktionieren. Denn die Margenerosion ist ein bereits lang anhaltender Trend. Gemäss einer aktuellen Analyse des Beratungsunternehmens EY sank die Marge im Jahr 2015 Vergleich zum Vorjahr erneut um 5 auf 117 Basispunkte (siehe Grafik). Die Abnahme entspricht etwa dem jährlichen Durschnitt des Rückgangs seit 2007, wie es weiter hiess.

Zinsmarge EY 500

Reiche Privatkunden im Visier

Gleichzeitig sind die Hypothekarsätze von 5 bis 7-jährigen Hypotheken stabil geblieben (siehe Grafik). Der Grund: Die 348 analysierten Schweizer Retailbanken finanzieren ihr Hypothekargeschäft hauptsächlich über Kundeneinlagen. Und diese belasteten sie bislang nicht mit Negativzinsen.

Hypothekarzinsen 500

«Die Banken gehen davon aus, dass die Retailkunden sehr empfindlich auf die Weiterverrechnung von Negativzinsen reagieren. Darum ist zumindest in naher Zukunft nicht davon auszugehen, dass die Negativzinsen an die breite Sparerschaft weitergereicht werden. Privatkunden mit sehr hohem Barvermögen werden aber innert kurzer Zeit betroffen sein, insbesondere wenn die SNB den Negativzins nochmals senkt», sagt Roger Stettler, Retailbankenspezialist bei EY Schweiz.

Und die Währungshüter der Schweizerischen Nationalbank machen keine Anstalten, das «Giftmittel» Negativzinsen bald abzusetzen. Vielmehr behalten sie sich die Option offen, die Dosis noch zu erhöhen, sollte der Aufwertungsdruck auf den Franken weiter zunehmen.

Retailkunden nicht ausgenommen

Dennoch könnten auch Retailkunden schneller zur Kasse gebeten werden als gedacht. Denn es drängen verstärkt auch Nicht-Banken wie Versicherungen und Pensionskassen mit Kampfpreisen in den Hypothekarmarkt. Diese Aktivitäten «könnten den Druck zu einer Weitergabe der Negativzinsen an Retailkunden erhöhen», warnt EY.

Für diese Analyse des Beratungsunternehmens EY wurden Bilanzen von 348 Schweizer Retailbanken der Jahre 2003 bis 2015 sowie Halbjahresbilanzen per 30.06.2016 berücksichtigt.

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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