Marcel Eichmann: «Leodan hat alle Rechnungen beglichen»

Marcel Eichmann

Marcel Eichmann, Chef der eingegangenen Privatbank Leodan, führt eine Stiftung für Kinder in Liberia, die der Financier Florian Homm gegründet hatte. Eichmann erklärt, was es mit dieser Verbindung auf sich hat.


Herr Eichmann, Sie waren CEO der in Liquidation stehenden Schweizer Privatbank Leodan. Inzwischen sind Sie Kundenberater bei der Banca Credinvest in Zürich. Ist die Liquidation von Leodan abgeschlossen?

Sie ist schon sehr weit fortgeschritten. Die ehemalige Leodan Privatbank hat keine Kunden mehr, und der letzte Mitarbeiter hat die Gesellschaft ebenfalls verlassen. Mittlerweile wird das Unternehmen durch die Liquidatoren weiter abgewickelt. Dabei werden vor allem administrative Arbeiten, die bei der Einstellung einer Geschäftstätigkeit anfallen, vorgenommen.

Ich kann mit Genugtuung sagen, dass die ehemalige Leodan Privatbank alle Kunden auszahlen konnte und alle offenen Rechnungen beglichen hat. Fast alle Mitarbeiter haben auch wieder eine neue Arbeitsstelle, worüber die ehemalige Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat sehr froh sind.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen Sie wegen Verdacht auf Geldwäscherei. Sie sollen der Ex-Frau von Florian Homm geholfen haben, Vermögenswerte geprellter Anleger Homms zu verstecken. Wie ist der Stand dieses Verfahrens?

Das Verfahren läuft immer noch. Aus diesem Grund kann ich dazu keinen Kommentar abgeben.

Sie und Homms Ex-Frau Susan Devine sitzen im Stiftungsrat der von Homm 2006 gegründeten Liberia Renaissance Foundation, die mit Spendengeldern in Liberia eine Schule finanziert. Diese Stiftung war mit Leodan und der von Ihnen gegründeten Vorgängerbank PHZ verknüpft. Existiert diese Stiftung eigentlich noch?

Die Stiftung war nie mit der einen oder anderen Bank verknüpft. Sie war immer eigenständig. Einige Mitglieder des Stiftungsrates haben in ihrer Freizeit und vollkommen ohne finanzielle Entschädigung ehrenamtlich für die Stiftung gewirkt.

«Es wird Nähe zu Florian Homm suggeriert»

Leider existiert bei einigen Personen das Bild des «raffgierigen Bankers», der jede Tätigkeit nur aus Selbstnutzen betreibt. Gerade die Mitarbeiter der Stiftungsräte der Liberia Renaissance Foundation sollen aufzeigen, dass es in jeder Berufsgruppe Leute mit einem sozialen Verantwortungsbewusstsein gibt.

PHZ und Leodan verwalteten einen Nachhaltigkeitsfonds, von dem ein Teil der Managementgebühren die Stiftung finanzierte. Sie werfen nun finews.ch vor, mit der Berichterstattung über den Nachhaltigkeitsfonds und den Verbindungen zu Homm der Stiftung willentlich geschadet zu haben. Worauf gründet dieser Vorwurf?

In Ihrem Artikel wird nach meinem Verständnis eine Nähe des Nachhaltigkeitsfonds zu Florian Homm suggeriert, die immer noch bestehen soll. Homm hat und hatte jedoch nichts mit dem Nachhaltigkeitsfonds und dessen Verwaltung zu tun.

Seit seinem Rücktritt bei Absolut Capital Management hat er auch keine Spenden mehr in die Stiftung getätigt. Er hat und hatte mit dem Aufbau der Schule wie auch mit dem aktuellen Schulbetrieb absolut nichts zu tun. Einzig eine Zahlung aus dem Autorenhonorar über knapp 5‘000 Franken wurde der Stiftung von Homm's Verlag überwiesen.

Worin besteht denn der Schaden für die Stiftung?

Wegen Ihres Artikels schöpften viele Spender den Verdacht, sie spendeten in irgendeine dubiose Stiftung. Es benötigt nach wie vor sehr viel Überzeugungsarbeit, um aufzuzeigen, dass die Spendengelder an den richtigen Ort fliessen.

«Die Auflösung der Stiftung ist eine Option»

Oberstes Ziel von mir ist es, die Schule am Leben zu erhalten. Es wäre extrem schade und traurig, wenn die Schule schliessen müsste, da keine Spendengelder mehr generiert werden können. Aktuell ist es sehr schwierig, jedes Jahr die Gelder aufzutreiben.

Was haben Sie mit der Stiftung nun vor?

Der Stiftungsrat der Liberia Renaissance wird in den nächsten Monaten entscheiden, was mit der Stiftung geschehen soll. Eine Auflösung ist sicherlich eine Option.

Was geschieht dann mit der Schule?

Die Schule in Liberia existiert immer noch. Sie ist von der Schweizer Stiftung unabhängig. Aktuell gehen rund 340 Schüler zur Schule (Kindergarten bis Oberstufe) und erhalten eine warme Mahlzeit täglich. Im weiteren sind rund 40 Mitarbeiter angestellt.

Der ganze Betrieb kostet pro Jahr rund 240‘000 Franken, womit auch eine Projektleiterin bezahlt wird, die vor Ort den Schulbetrieb überwacht. Die Stiftung wird seit Bestehen durch eine renommierte Schweizer Revisionsgesellschaft geprüft und durch die Eidgenössische Stiftungsaufsicht beaufsichtigt.

«Es sind mir keine Untersuchungen bekannt»

Die Stiftung hat keine Werbekosten und Verwaltungskosten. Jeder Franken geht eins zu eins ins Schulprojekt. Es gibt wohl wenige Stiftungen, die das von sich sagen können. Ich bin deshalb sehr froh, dass eine andere Schweizer Institution zugesagt hat, die Schule in Liberia in Zukunft zu finanzieren und das Projekt weiterzuführen.

Es hat sich im Nachhinein gezeigt, dass in dem Zusammenhang strafrechtliche Untersuchungen der Bundesanwaltschaft laufen. Haben Sie keine Fehler gemacht?

Es sind mir keine laufenden strafrechtlichen Untersuchungen gegen die Liberia Renaissance Stiftung bekannt.

Warum blieb Frau Devine im Stiftungsrat, auch nachdem die Untersuchungen gegen sie und ihren Ex-Mann aufgenommen worden waren?

Die Unschuldsvermutung ist für uns nicht nur eine leere Floskel. Es ist uns ausserdem nicht bekannt, dass eine Untersuchung gegen Frau Devine laufen sollte.

Warum haben Sie die Stiftung nicht schon vor Jahren umbenannt, um keine Reputationsrisiken einzugehen?

Der Stiftungsrat ist für Transparenz. Ausserdem hätte jeder Internetsurfer eine Namensänderung einfach nachvollziehen können und daraus vielleicht den falschen Schluss gezogen – dass wir nämlich etwas zu verbergen hätten.

In einer US-Strafanklage heisst es, dass die Liberia Renaissance Foundation zusammen mit anderen Stiftungen von Frau Devine gegründet worden ist, um Gelder durchzuschleusen. Wie ist die Stiftung entstanden?

Nach meinem Wissen stammt diese Behauptung nicht aus einer US-Strafklage sondern ist eine Partei-Behauptung in einem Zivilverfahren. Wie jedermann aus dem Handelsregister entnehmen kann, wurde das Kapital der Stiftung durch Florian Homm gespendet.

«Ich rechne mit einem Freispruch»

Zusammen mit seinem Umfeld hat er rund 1 Million Dollar gespendet. Wie üblich und vorgesehen hat er ausser der Spende keine Tätigkeiten in der Stiftung gehabt.

In den USA wie in der Schweiz wird Ihre Rolle als Kundenberater von Frau Devine untersucht. Hat dies Ihre gemeinsame Arbeit in der Stiftung nicht belastet?

Sicherlich verstehen Sie, dass ich aus Gründen des Bankkundengeheimnisses keine Stellung zu allfälligen Kundenbeziehungen nehmen kann. Weder bestätige noch dementiere ich, dass eine solche existiert.

Sie haben bei der Compagnie Bancaire Helvétique (CBH) Frau Devine beraten. Danach auch bei der PHZ und der Nachfolgebank Leodan?

Auch hierzu bitte ich um Verständnis, dass ich aus oben genannten Gründen keine Stellung nehmen kann.

Was sind Ihre Erwartungen bezüglich Ausgang der Untersuchungen?

Ich rechne mit einer Einstellung des Verfahrens. Falls es zur Anklage kommen sollte, rechne ich mit einem Freispruch.

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Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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