Schweizer Banken tief in der Sinnkrise

Identifikation mit dem Arbeitgeber? Eine Tätigkeit zum Wohl der Allgemeinheit? Fehlanzeige. Eine Studie offenbart eine tiefe Sinnkrise im Schweizer Banking.

Schweizweit identifizieren sich rund zwei Drittel der Angestellten mit ihrer Arbeit. Dieser Wert sei seit Jahren am Sinken, hält die diese Woche veröffentlichte Studie «Schweiz führt?!» zu diesem mittelmässigen Resultat fest.

Bei den Banken diagnostiziert die Studie gar ein «Grounding»: Nur 49 Prozent aller Bankangestellten identifizieren sich mit ihrer Tätigkeit. Der Wert überdeckt einen Graben.

Banken am Ende der Rangliste

Denn bei den Kadermitarbeitern liegt die Kennziffer gar bei 54 Prozent, bei den Angestellten ist sie mit 39 Prozent deutlich tiefer. Die Studie ist auf Basis einer Umfrage bei 2'414 Personen erstellt worden, davon waren 788 Führungs- und 273 HR-Verantwortliche.

Die Banken liegen damit am Ende der untersuchten Branchen. Die höchsten Zustimmungswert geniesst die Medienbranche mit 71 Prozent.

Den eigenen Arbeitgeber weiterempfehlen? Nein

Geradezu alarmierend ist der Identifikationsgrad der Bankkader: Nur 18 Prozent denken heute, dass sie mit ihrer Arbeit einen Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit leisten. Bei den einfachen Angestellten sieht es mit 23 Prozent wenig besser aus.

Die Hälfte aller Führungskräfte würde ihre Bank als Arbeitgeber nicht weiterempfehlen. Bei den Angestellten liegt der Anteil der Nicht-Weiterempfehler gar bei 69 Prozent.

Kaum Vorbilder und Rollenmodelle

Das Geschäftsmodell Bank steckt in einer Sinnkrise, halten die Studienverfasser fest. Und letztlich korreliere diese Sinnkrise mit einer Führungskrise. «Wirksame Führung scheint an allen Ecken und Enden zu fehlen – nicht zuletzt in Form von Vorbildern oder Rollenmodellen.»

Claudia Conrads, welche die Studie geleitet hat und Beraterin bei Information Factory ist, sieht einen Grund für die schlechten Werte in der digitalen Orientierungslosigkeit, in der die Finanzinstitute steckten.

Dafür eine ausgewogene Work-Life-Balance

«Schwer vorstellbar, dass die Finanzindustrie die vor ihr liegenden Transformationsaufgaben stemmen wird, ohne eine starke Mannschaft, die sich 200 Prozent für die Zukunft der Bank einsetzt», so Conrad.

Die Kehrseite dieser Sinnkrise ist: Bankenmanager sind überdurchschnittlich stark an einer ausgewogenen Work-Life-Balance interessiert. 57 Prozent gaben an, die Work-Life-Balance sei bei der Wahl des Arbeitgebers besonders wichtig.

Damit liegen die Bankenmanager weit über dem Schweizer Durchschnitt, der sich auf 45 Prozent beläuft. Und sie liegen auch deutlich über dem Durchschnitt der «normalen» Angestellten, der bei 44 Prozent liegt.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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