Die Genfer Banker brauchen einen Elektroschock

Blick auf Genf (Bild: Shutterstock)

Blick auf Genf (Bild: Shutterstock)

Die Vermögensverwalter in der Calvinstadt schlagen Alarm: Der Bankenplatz rangiert weltweit nicht mal mehr unter den Top 20, das Neugeld bleibt aus. Jetzt fordert die Branche selber eine Radikalkur.

Normalerweise hüten sich die noblen Genfer Banquiers privés, ihr Umfeld mit träfen Aussagen zu verschrecken. Doch die Zeiten sind nicht mehr normal in der Rhonestadt, wie die Finanzplatz-Vereinigung Fondation Genève Place Financière diese Woche feststellte.

Demnach ist Genf auf Platz 23 der bedeutendsten Finanzzentren weltweit zurückgerutscht, wie es heisst. Selbst die grösseren Häuser am Platz schrieben im vergangenen Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr in der Mehrzahl weniger Gewinn (siehe Grafik unten).

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Ebenfalls hat die Arbeitslosigkeit im Genfer Metier, das rund 37'000 Personen beschäftigt, in den letzten Monaten zugenommen.

Gegen die Defaitisten

Das sei ein «Elektorschock» für die Branche, stellt Fondation-Präsident Yves Mirabaud ganz unverblümt fest. Nun sei dringliches Handeln von Unternehmen und der Politik gefordert, so der Bankier, der die Geschäftsleitung der Privatbank Mirabaud anführt. Jeder Defaitismus sei hingegen fehl am Platz, so das kämpferische Votum.

Tatsächlich machte der Finanzplatz in der Rhonestadt zuletzt einen lethargischen Eindruck. Eine Umfrage unter den Vermögensverwaltern am Platz weist auf stagnierende bis schwindende Neugelder hin (siehe Grafik unten); insbesondere die europäischen und lateinamerikanischen Kunden bleiben aus, klagt die Branche.

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Sich auf die DNA besinnen

Aufmerken lässt, dass Mirabaud nun nicht mehr nur gebetsmühlenartig die Politik auffordert, möglichst rasch einen besseren Zugang zum europäischen Markt zu schaffen und auch sonst der Branche beizuspringen. Das tut er zwar auch – doch fordert er nun viel lauter seine eigenen Schäfchen auf, endlich aus der Lethargie zu erwachen.

Die Branche müsse sich auf die Innovation besinnen, die ja eigentlich seit jeher zur DNA der Banquiers privés gehöre, findet der Mirabaud-Banker. Ihr «savoir faire» in der Vermögensverwaltung müsse nun mit den neuesten digitalen Errungenschaften gekoppelt werden.

«Phytigale Anstrengungen»

Heute schon sei das Bankgeschäft nämlich «phytigal», so Mirabaud in einer eigenen Wortschöpfung: es verlaufe über phyische und digitale Kanäle zugleich. Entsprechend seien Fintech-Initiativen nach Kräften zu fördern.

Tatsächlich hätte Genf hier wohl einen Trumpf auszuspielen: Die Nähe zu Finanzfirmen und zur Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) macht die Rhonestadt zum Nährboden für Finanz-Startups. Nicht von ungefähr wurde in Genf mit Fusion der erste Fintech-Inkubator der Schweiz gegründet.

Fragt sich nur, ob die Vermögensverwalter elektrisiert genug sind, um an diesen Vorsprung anzuknüpfen.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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