Luc Schuurmans: «Von uns aus fliessen keine zusätzlichen Daten»

Luc Schuurmans, Leiter Private Banking, Bank Linth

Luc Schuurmans, Leiter Private Banking, Bank Linth LLB

Mit Apple Pay vertrauen die Kunden sensitive Daten einem amerikanischen Konzern an. Luc Schuurmans von der Bank Linth LLB, die Apple Pay seit kurzem anbietet, sagt im Interview mit finews.ch, worauf es ankommt.


Herr Schuurmans, die Bank Linth LLB öffnet sich gegenüber Apple Pay, während grosse Player wie die UBS oder Raiffeisen (noch) Front dagegen machen. Haben Sie deswegen böse Anrufe gekriegt?

Ganz im Gegenteil – einige meiner Branchenkollegen haben mir zu den guten Neuigkeiten sogar gratuliert. Und von Kundenseite hören wir bislang auch nur Positives.

Ist der Entscheid für Apple Pay gleichzeitig auch ein Entscheid gegen Twint?

Für uns schliessen sich die beiden Lösungen nicht aus, sondern ergänzen sich, zumindest was wir bislang so vom «neuen» Twint wissen.

Was genau meinen Sie damit?

Twint wird die Zahlung direkt auf dem Bankkonto verbuchen, vergleichbar mit der heutigen Maestro-Karte, ist vorderhand aber nur in der Schweiz einsetzbar.

«Wir sind gespannt, mit welchen Vorteilen die Schweizer Lösung punkten kann»

Apple Pay rechnet über die Kreditkarte ab und ist international einsetzbar. Wir sind gespannt, mit welchen Vorteilen die Schweizer Lösung punkten kann. Wichtig für uns ist, was unsere Kunden wollen, und sie möchten Auswahl statt Restriktionen.

Einem branchenfremden Player – noch dazu aus den USA – vertrauliche Daten eigener Kunden anzuvertrauen, dünkt ziemlich mutig. Finden Sie nicht?

Wir arbeiten hier eng mit unserem Kreditkartenpartner Cornèrcard zusammen. Von unserer Seite fliessen keine zusätzlichen Daten, zu denen unsere Kunden nicht via ihrem regulären Kreditkartenvertrag ihre Zustimmung gegeben haben.

«Jeder Kunde entscheidet selber, ob er seine Kreditkarte im Wallet registrieren will oder nicht»

Apple selbst verweist auf ihrer Webseite darauf, dass sie weder Kartennummer noch Details zu den Transaktionen auf ihren Servern oder dem verwendeten Gerät speichern. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass jeder Kunde selbst entscheidet, ob er seine Kreditkarte im Wallet registrieren will oder nicht.

Warum gehen Sie so offensiv mit Apple Pay an die Öffentlichkeit?

Richtig einfache Zahlungslösungen entsprechen unserer Philosophie und sind ein Kundenbedürfnis. Das breite Medien- und Kundenecho in punkto Apple Pay hat uns darin positiv bestärkt.

Entspricht Apple Pay tatsächlich dem Bedürfnis der Klientel – alle Kunden haben heutzutage doch schon eine Kredit- und eine Debitkarte? Wozu noch Apple Pay?

Grundsätzlich geht es ums schnelle und einfache Bezahlen. Das Smartphone ist heutzutage ein ständiger Begleiter. Deshalb liegt es auf der Hand, es auch für diesen Zweck einzusetzen.

«Apple Pay hat den Vorteil, dass auch innerhalb von Apps oder im Web bezahlt werden kann»

Anderen sagt die Kontaktlos-Funktion der Kreditkarten mehr zu – auch das funktioniert bei Kleinbeträgen unter 40 Franken ohne PIN-Eingabe und entsprechend schnell. Apple Pay hat den Vorteil, dass auch innerhalb von Apps oder im Web bezahlt werden kann.

Das Diktum, dass es zwar das Banking brauche, aber nicht unbedingt die Banken, macht derzeit vermehrt die Runde. Liegt darin nicht ein Körnchen Wahrheit?

Das mag zunächst so aussehen. Banken bieten aber eine Vielzahl von Dienstleistungen, die oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Umso mehr bin ich überzeugt, dass es auch in Zukunft Banken brauchen wird.

«Was bleibt, ist die Bedeutung des Bankberaters als Sparringpartner in finanziellen Fragen»

In Bezug auf Apple Pay ist festzuhalten, dass Apple lediglich das Device für die Authentifizierung des Karteninhabers zur Verfügung stellt, die Zahlung aber letztlich über das bewährte Bankensystem von MasterCard oder VISA verarbeitet wird.

Generell ist die Entwicklung auf dem Finanzplatz spannend. Der Wettbewerb ist durch den Eintritt von Playern ausserhalb der klassischen Branche intensiver geworden. Was bleibt, ist die Bedeutung der persönlichen Beratung, des Bankberaters als Sparringpartner in finanziellen Fragen, in Kombination mit den neusten technologischen Errungenschaften.

Was kommt nach dem hybriden Robo-Advisor und Apple Pay als nächste Innovation bei der Bank Linth?

Aus verständlichen Gründen geben wir dazu noch keine Informationen. Eins steht aber fest: Wir bleiben am Thema dran und freuen uns, zu gegebener Zeit mehr bekanntzugeben.


Luc Schuurmans leitet seit Anfang 2011 den Bereich Private Banking bei der LLB-Tochter Bank Linth. In dieser Funktion ist er auch Mitglied der Geschäftsleitung. Vor seiner Tätigkeit bei der Bank Linth war Schuurmans CEO der Firma Sherpa Outdoor. Von 2002 bis 2009 war er bei der BNP Paribas (Suisse) im Private Banking tätig, wo er die Geschäftsstelle Basel leitete.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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