Er hat den härtesten Job auf dem Schweizer Finanzplatz

Thomas P. Gottstein, CEO Swiss Universal Bank, Credit Suisse

Thomas P. Gottstein, CEO Swiss Universal Bank, Credit Suisse

Die Anleger haben das Quartalsergebnis der Credit Suisse mächtig abgestraft. Ist das ein gutes Omen für die Swiss Universal Bank, die nächstes Jahr an die Börse will?

Vermutlich hat der 52-jährige Thomas Gottstein den derzeit härtesten Job auf dem Schweizer Finanzplatz. Er muss nicht nur die wichtigste Sparte der Credit Suisse (CS) weiter auf Erfolgskurs trimmen, sondern auch noch die Anleger davon überzeugen, im nächsten Jahr in ebendiese Swiss Universal Bank (SUB) zu investieren.

Angesichts der (gestrigen) Resultate der CS-Gruppe im dritten Quartal 2016 ist das kein leichtes Unterfangen. Denn insgesamt haben die Zahlen enttäuscht, wie auch finews.ch berichtete.

Vernachlässigtes Geschäft

Die CS-Aktie verlor im Tagesverlauf 6,6 Prozent an Wert. Allerdings wurde am Donnerstag auch wieder einmal klar, dass das Schweizer Geschäft innerhalb des Konzerns das mit Abstand attraktivste ist – dasjenige also, das die Konzernleitung vor der Finanzkrise und teilweise auch später eher vernachlässigt hatte.

Dass der CS Schweiz im dritten Quartal 2016 durch diverse Immobilienverkäufe (Leuenhof in Zürich, diverse Objekte der Neuen Aargauer Bank, NAB) ausserordentliche Mittel zuflossen und dadurch das Ergebnis um einiges besser aussah, ist nicht von der Hand zu weisen – es sollen auch noch weitere Immobilien veräussert werden, wie ein Sprecher der CS gegenüber finews.ch erklärte, wobei das Zürcher Hotel Savoy nach wie vor kein Verkaufsthema sei, wie es weiter hiess.

Überdurchschnittlich profitabel

Genauso ist es eine Tatsache, dass institutionelle Anleger bei der (Schweizer) Bank mehr als eine Milliarde Franken an Kundenvermögen abzogen, was in dem Geschäft jedoch immer wieder vorkommt. Insofern greift es zu kurz, daraus eine insgesamt schlechte Performance abzuleiten.

Im Gegenteil: Die Schweizer CS gilt nach wie vor als Juwel. Mit einem Kosten-Ertrags-Verhältnis von 61,3 Prozent nach neun Monaten oder gar 52,7 Prozent im dritten Quartal operiert die Sparte überdurchschnittlich profitabel, was sich auch an einer Eigenkapital-Rendite von knapp 25 Prozent zeigt. Ausserdem konnte die Bank per Ende September 2016 das vierte Quartal in Folge ihre Erträge steigern. 

Noch ein weiter Weg

Unter diesen Prämissen ist Gottsteins Business durchaus auf Kurs. Das Ziel, bis Ende 2018 einen Vorsteuer-Gewinn von 2,3 Milliarden Franken zu erzielen, erscheint intakt. Zur Erinnerung: Vergangenes Jahr schaffte die Einheit bereits einen Vorsteuer-Gewinn von 1,6 Milliarden Franken. Rechnet man die bisherigen Zahlen von 2016 auf das ganze Jahr hoch, dürfte ein Vorsteuer-Gewinn von mindestens 1,8 Milliarden realistisch sein, wie aus dem Innern der CS derzeit zu vernehmen ist.

Trotzdem ist es noch ein weiter Weg bis dahin, wie auch CS-CEO Tidjane Thiam am Donnerstag mit Blick auf den gesamten Konzern einräumte. Denn die ganze Branche leidet seit einiger Zeit daran, dass das Ertragswachstum im Banking flach ist – was zur Konsequenz hat, dass der Erfolg vor allem von weiteren Sparmassnahmen abhängt. Auch da hat die CS Schweiz bereits einiges durchgemacht; bis 2018 wird die Bank gemäss ihrer Ankündigung allein in der Schweiz 1'600 Stellen gestrichen haben.

Viele Fragen

Als nächstes wird nun das Schweizer Geschäft der CS in eine separate Rechtseinheit, die Credit Suisse AG, überführt. Stichtag ist dabei der 21. November 2016. Damit sind dann rein juristisch die Voraussetzungen geschaffen, dass im zweiten Halbjahr 2017 bis zu 30 Prozent dieser «Swiss Universal Bank» an der Schweizer Börse kotiert werden.  

Bereits bei der Ankündigung dieses Planes vor gut einem Jahr, kamen verschiedene Fragen aufs Tapet, die in den nächsten Monaten geklärt werden müssen. Zum Beispiel: Welche Leistungen wird die Tochter von der Mutter beziehen, wie wird die Kapitalallokation erfolgen, und wie wird es möglich sein, Doppelspurigkeiten zu vermeiden?

Wer vertritt die Minderheitsaktionäre?

Neben diesen organisatorischen Fragen äusserten verschiedene Fachleute auch Bedenken bezüglich der Eigenständigkeit dieser Schweizer Bank. Oder ganz konkret: Wie unabhängig kann das Verwaltungsratsgremium der CS Schweiz agieren, um die Interessen der Minderheitsaktionäre zu wahren, wenn ein Grossteil dieser Mitglieder auch im Aufsichtsgremium der Gruppe sitzt?

Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse (Schweiz) AG wird der frühere CS-Banker und zuletzt als Präsident der Six Group agierende Alexandre Zeller sein. Auch Peter Derendinger, Gründer und Chef der Firma Alpha Associates, ist ein früherer CS-Mann. Weiter gehört Alexander Gut – ein Sohn des früheren CS-Präsidenten Rainer E. Gut – dem Gremium an; zudem sitzen die Verwaltungsräte des CS-Konzerns Urs Rohner, Andreas Koopmann und Severin Schwab, sowie CS-CEO Tidjane Thiam in diesem Aufsichtsorgan. 

In Finanzkreisen fragt man sich auch, ob mit diesen Mitgliedern genügend unabhängige und praktische Bankerfahrung in diesem Gremium vertreten ist.  

Verteilkämpfe befürchtet

Auch die UBS hat ihr Schweizer Geschäft vor einiger Zeit in eine separate Rechtseinheit überführt, aber einen Gang an die Börse stets verworfen, nicht zuletzt auf Grund der Komplexität eines solchen Unterfangens, wie damals zu erfahren war. CS-Banker Gottstein sagt zu dieser Frage, dass er möglichst viele Dienstleistungen in seiner Einheit haben möchte, weil er so von der Mutter weniger abhängig wäre und sich allfälligen Verteilkämpfen entziehen könnte. Gleichzeitig ist ihm aber klar, dass eine allzu grosse Abnabelung wenig Sinn macht, solange man Synergien zu anderen CS-Divisionen nützen will.

Doch auch dieses Ansinnen könnte von kurzer Dauer sein. In Börsenkreisen gehen viele Investoren davon aus, dass die CS-Mutter dereinst noch weitere Anteile des Schweizer Geschäfts an die Börse bringen könnte, um so die übrigen Divisionen mit einem ausländischen Finanzkonzern zu fusionieren.

Viel Fantasie für Investoren

Denn immer deutlicher zeigt sich, dass die CS-Investmentbank den Anschluss an die amerikanische Konkurrenz längst verloren hat und viel zu teuer und entsprechend unrentabel funktioniert. Und auch das internationale Private Banking (ex-Asien) kann mittelfristig nur in einem grösseren Verbund nachhaltig wachsen.

Natürlich sind das vorerst nur Projektionen. Doch vieles deutet darauf hin, dass die CS in den nächsten Jahren für einige Fantasie unter den Anlegern sorgen dürfte. Insofern ist das weitere Gedeihen der CS Schweiz strategisch enorm wichtig. In der Branche heisst es, dass die CS am Investorentag vom 7. Dezember 2016 weitere Wachstumsinitiativen bekanntgeben wird.

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Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

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