Rochester-Bern: Die schwarzen Millionen des MBA-Dozenten

Universität Bern, Hauptgebäude (Bild: Wikimedia)

Universität Bern, Hauptgebäude (Bild: Wikimedia)

Einst unterrichtete der renommierte US-Professor MBA-Studenten für die Rochester-Bern Executive Programs. Nun muss er in den USA eine saftige Busse zahlen – weil er Hunderte Millionen Dollar bei einer Schweizer Bank versteckte.

Im Jahr 2014 brachte die Credit Suisse (CS) den US-Steuerstreit mit einem Schuldbekenntnis und einer Busse von 2,6 Milliarden Dollar hinter sich. Doch die Jagd auf ihre amerikanischen Schwarzgeld-Kunden von einst dauert an.

Wie die amerikanische Zeitung «Wall Street Journal» (Artikel bezahlpflichtig) berichtet, wurde der Wirtschaftsprofessor Dan Horsky kürzlich vom gefürchteten amerikanischen Justizdepartement (Department of DoJ) zu einer Strafzahlung von 100 Millionen Dollar verdonnert.

Kampfpilot auf Schlingerkurs

Der gebürtige Israeli soll Gewinne aus Startup-Investitionen in der Höhe von 200 Millionen Franken an den US-Steuerbehörden vorbei zu einer Zürcher Bank geschleust haben. Bei diesem Institut, spekulierten nun diverse Medien, soll es sich um die CS handeln.

Das ist indes nicht der einzige Grund, warum der Fall Horsky hierzulande interessiert. Als Professor der renommierten University of Rochester im US-Bundesstaat New York lehrte der ehemalige Kampfpilot und Marketingexperte nämlich auch in der Schweiz.

Marketing-Unterricht in Bern

Genauer: Horsky unterrichtete im Frühjahr 1996 und im Frühjahr 1997 im Rochester-Bern Executive MBA das Fach Marketing. Hierfür wurde er von der Simon Business School der University of Rochester in die Schweiz entsandt, wie die Chefin der Rochester-Bern Executive Programs, Petra Jörg, gegenüber finews.ch erklärte.

Das Weiterbildungsprogramm für Führungskräfte gehört zu den renommiertesten Angeboten dieser Art in der Schweiz. Es wurde 1994 als Niederlassung der Simon Graduate School of Business Administration der University of Rochester gegründet. Den Sitz hat es an der Universität Bern, mit der nach eigenen Angaben eine enge Zusammenarbeit besteht.

Letztere kann sich brüsten, dank der Kooperation mit Rochester-Bern als einzige Universität in der Schweiz einen amerikanischen MBA-Abschluss anzubieten.

Enge Kontakte zum Banking

Auch im Swiss Banking hat das Berner Programm einen hellen Klang. So bietet das Swiss Finance Institute (SFI) in Zusammenarbeit mit den Rochester-Bern Executive Programs den Lehrgang «Diploma of Advanced Studies in Banking» an. Bislang haben mehr als 1'500 Teilnehmer den in der Branche begehrten Studiengang absolviert, wie das Programm im eigenen Blog festhält. Unter Schweizer Bankkadern finden sich entsprechend zig DAS-Alumni.

Claudio Loderer, der die Rocherster-Bern Programs mitgründete und dort weiter als akademischer Direktor amtet, war auch jahrelang Managing Director des SFI tätig, bevor er letzten September in den Ruhestand trat.

Ganz eng sind die Verbindungen mit der grössten Schweizer Bank, der UBS. Wie auch finews.ch berichtete, startete das Institut gemeinsam mit dem Rochester-Bern Executive Program einen exklusiven Studiengang für erfahrene UBS-Kundenberater. Nach erfolgreichem Abschluss des Zweijahres-Programms tragen die Absolventen den Titel «Master of Science in Wealth Management» der Simon Business School sowie einen «Master of Advanced Studies in Finance» der Universität Bern.

Ehrendoktor für Marcel Ospel

Die Nähe zur UBS ist nicht neu, sondern geht noch weiter zurück: 2005 erhielt der damalige UBS-Chef Marcel Ospel die Ehrendoktorwürde von der Universität Rochester.

«Ausgezeichnet wird die strategische Leistung im Rahmen der globalen Positionierung der UBS von der Akquisitionsphase der 1990er-Jahr in England und den USA über die Integration der beiden Finanzinstitute Schweizerische Bankgesellschaft und Schweizerischer Bankverein zur heutigen UBS.» So hiess es damals in der Laudatio des Bankmanagers, der 2008 auf Druck der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK, heute Finma) als UBS-Präsident zurücktreten musste.

Porträt gelöscht

Heute distanziert sich das MBA-Programm, welches das strategische Denkvermögen von Führungskräften schärfen will, in aller Form von den Handlungen ihres Ex-Dozenten. Die Simon Business School in Rochester hält fest, dass sie die juristische Aufarbeitung des Falls Horsky voll unterstütze – und löschte prompt das Porträt des 71-jährigen Emeritus von ihrer Webseite.

Stoff für ein MBA-Fallstudie würden dessen schwarze Millionen aber bestimmt hergeben.

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NEWS GANZ KURZ

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

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