Was Tim Geithner mit der UBS verbindet

Elf Banken erhielten 2008 Milliarden an Bailout-Geldern – auf Befehl des damaligen Chefs des New Yorker Fed: Tim Geithner. Der Fall sorgt nun für Zoff.

US-Finanzminister Tim Geithner steht momentan unter scharfem Beschuss, gestern musste er auf dem Capitol vortraben und einem Senats-Ausschuss Red und Antwort gehen. Die Frage: Hat er im November 2008 – damals als Präsident des New York Fed – Steuergelder vergeudet?

Es geht um die Rettung von AIG, konkret: Darum, dass die amerikanische Staatskasse in jenen Tagen insgesamt 62 Milliarden Dollar ausschüttete, welche direkt an eine Gruppe von elf Grossbanken gingen. Eine davon: die UBS.

Ein bailout durch die Hintertür?

Geithner orchestrierte damals die AIG-Rettung, und deshalb muss er sich nun im Senat heftige Vorwürfe anhören für diesen «backdoor bailout».

War es wirklich nötig, dass die amerikanische Bundeskasse quasi direkt alle Schulden bediente, welche AIG bei den verpönten Wallstreet-Banken hatte? Oder bei ausländische Häusern wie Deutsche Bank und Société Générale? Und zwar ohne Abschläge? Das ist der politische Zankapfel.

Da und dort wurde auch moniert, dass ein Teil der Gelder ausgerechnet an die UBS ging – jene Bank, die wenige Monate später für Steuervergehen eine Strafzahlung leisten musste.

Einzig die UBS war zu Konzessionen bereit

Die Rechnung geht jetzt so: 3,8 Milliarden Dollar an Bailout-Geldern gingen fast direkt an die UBS – AIG bezahlte damit der Schweizer Bank ausstehende CDS zurück; und zwar auf ausdrücklichen Befehl des New Yorker Fed, dass die Staatsgelder so verwendet werden müssten.

Dem stehen die 780 Millionen Dollar gegenüber, welche die UBS im Steuervergleich dann nach Washington übermitteln musste. Macht mehr als 3 Milliarden für die UBS...

Die Daten basieren auf einem Report des Asset-Management-Konzerns Blackrock, der die Deals vom November 2008 untersuchte; er wurde nun veröffentlicht (eine Liste aller Gegenparteien von AIG findet sich auch hier).

Der Bericht zeigt aber auch: Verglichen mit Société Générale (16,5 Milliarden Dollar), Goldman Sachs (14 Milliarden) oder Deutsche Bank (8,5 Milliarden) war die backdoor-Unterstützung für die UBS gar nicht so gewaltig.

Vom Fall AIG zum UBS-Steuerstreit

Die Hauptkritik an Geithner lautet nun: Warum verlangte er von diesen Banken nicht Abschläge? Warum wurden die offenen Summen voll zurückbezahlt?

Bemerkt wurde in den USA dabei auch, dass die UBS die einzige Bank war, die im November 2008 bereit war, einen Abschlag auf die AIG-Schulden zu akzeptieren. Tim Geithner stellte sich im Senatshearing denn auch auf die Position, er habe keine andere Wahl gehabt: Hätte AIG die Schuldenrückzahlung an die erwähnten elf Banken eingestellt, wäre ein Konkurs unvermeidlich geworden.

Konnte man dies wagen? Natürlich sind die Attacken auf Geithner sehr politisch bestimmt. Zu beachten ist die ganze Debatte aber auch unter dem Aspekt, dass die USA im Steuerstreit der UBS immer noch mit einer existenzbedrohenden Anklage zu Leibe rücken könnten.

Eine Kernfrage lautet: Ist diese Furcht berechtigt? Würde die US-Regierung notfalls einen Kollaps der UBS riskieren?

Antwort nach dem heutigen Tag: Die Bereitschaft des amerikanischen Finanzministers, mit diesem Feuer zu spielen, erweist sich als sehr gering.

CBS-Fernsehbeitrag über Tim Geithners Auftritt vor dem Senatsausschuss.

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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