GS: Wackelt Lloyd Blankfeins Stuhl?

Nach der Anklage der SEC gegen Goldman Sachs schiessen die Verschwörungs-Theorien ins Kraut. Im Zentrum steht Bank-Chef Lloyd Blankfein.

Was der Schlag der US-Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs nicht alles bewirken kann:

• Er wird dafür sorgen, dass die Gehälter in der Bankbranche jetzt definitiv sinken – denn aus politischen Gründen ist Goldman Sachs gezwungen, in den nächsten Quartalen die tiefsten noch irgendwie vertretbaren Saläre und Boni auszuzahlen. Und das wirkt sich auf die ganze Branche aus. Dies eine Interpretation des Fachportals «eFinancialcareers».

• Die Anklage wird zum Bumerang für die SEC. Denn erstens kann die Behörde den Fall nicht gewinnen, und zweitens könnte am Ende ein gewaltiges Gemauschel zwischen SEC-Mehrheit, den Demokraten und gewissen (demokraten-freundlichen) Medien wie der «New York Times» ans Licht kommen.

• Nein, im Gegenteil: Die Anklage wird zum Startschuss für eine endgültige Fesselung der Finanzindustrie. Immerhin wetzen auch schon die Regierungen in London und Berlin die Messer.

• Oder ist alles ganz anders? Die Sache war ein raffinierter Trick der Finanzbranche, um die Politik weiterhin vom wahren Problem abzulenken: Too Big To Fail. Dies eine (mahnend gemeinte) Witzelei der Londoner «Times».

Und so weiter.

Nicht nur an der Wall Street, in Washington und an allen grossen Finanzplätzen dieser Welt lässt die Ankündigung einer Klage gegen Goldman Sachs die Verschwörungstheorien blühen. Dass der Leithammel der globalen Finanzbranche ein langwieriges Verfahren am Hals hat, wirkte wie ein Paukenschlag, und man scheint sich einig, dass sich damit etwas Grundlegendes verändert hat in der Finanzwelt.

Wind aus der Sache nehmen

Eine Frage taucht denn ebenfalls regelmässig auf: Kann sich Lloyd Blankfein noch lange halten? Der Goldman-Sachs-Chef gibt sich weiterhin angriffig (hier finden Sie eine Abschrift der Voicemail, die Blankfein am Sonntag seinen Kaderleuten hinterliess). Und das Personal der Bank scharte sich ostentativ hinter dem Chef (hier ein Artikel der «New York Times» über den inneren Rückhalt von Blankfein).

Dass aber der Hauptverdächtige Goldman-Sachs-Mann, Fabrice Tourre, subito beurlaubt wurde, dies zeigt zumindest: Die Bank ist sich bewusst, dass sie Wind aus der Sache nehmen muss und auch Konzessionen einzugehen hat.

«Blankfein ist verbrannt»

Das Problem ist nämlich: Es geht nicht um ein Justizverfahren – jetzt geht es um Politik. Die begeisterten Reaktionen auf die SEC-Klage zeigen, dass die Politik (und wohl auch eine breite Öffentlichkeit) weitere Schläge gegen die Finanzbranche begrüsst.

Und wer ist da das symbolisch wichtigste Haus? Goldman Sachs.

Und wer ist dort die Symbolfigur? Lloyd Blankfein.

«Die Welt will immer noch Blut sehen», resümierte der CEO von «Business Insider», Henry Blodget: «Sie will, dass Goldman Sachs für die Sünden der Wall Street bezahlt». Und er folgerte daraus, Goldman-Chef Lloyd Blankfein sei «toast», was sich etwa übersetzen liesse mit: Der Mann ist verbrannt.

Die Wette von Davos

Und so grassieren die Spekulationen. Zum Beispiel, dass Blankfein – der CEO und Chairman in Doppelfunktion ist – in einem ersten Schritt den Posten des Chairman abgeben könnte. Immerhin nimmt solch ein Rücktritt normalerweise viel Druck von einem Unternehmen, und er bietet die Chance, die Reputation neu zu gestalten.

Eine passende Hintergrund-Spekulation bot dazu gestern das New Yorker Branchenportal «Dealbreaker»: Es erinnerte an einen «Wall Street Journal»-Artikel vom 10. Februar – danach hatte beim WEF in Davos ein anonymer Teilnehmer diversen Leuten hohe Wetten darauf angeboten, dass Blankfein innert zwei Jahren als CEO abgelöst werde.

Die Wette kam von einem ranghöheren Goldman-Sachs-Trader mit Arbeitsplatz in London – eine Beschreibung, die zum Beispiel auf Fabrice Tourre passt...

Was spekulieren Sie?

Muss Lloyd Blankfein demnächst sein Amt als CEO von Goldman Sachs abgeben?

Ist dies völlig undenkbar (links), möglich (Mitte) oder sehr wahrscheinlich (rechts)?

Klicken Sie auf den entsprechenden Stern:

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Der Satz des Tages stammt übrigens vom Bloomberg-Kolumnisten Matthew Lynn:
«I find it somewhat ironic that the two most evil banks in the world today are Goldman Sachs and Royal Bank of Scotland – one because it makes too much money, and the other because it doesn't make enough».

 

 

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