UBS: Wie gross kann der Verlust nur sein?

Abfliessende Kundengelder, Madoff-Risiko und US-Steuerstreit - die Kursschwäche ist kaum auf das schlechte Jahresergebnis zurückzuführen.

Zum Wochenbeginn verlor die Aktie der grössten Schweizer Bank erneut massiv an Wert. Das Papier büsste am Montag mehr als 6 Prozent ein. Am Dienstag ging die Talfahrt weiter. Als naheliegende Auslöser der Baisse gelten die Spekulationen in der Sonntagspresse über einen Verlust von 8 Milliarden Franken im 4. Quartal 2008 sowie über eine Busse von möglicherweise 2 Milliarden Dollar im Steuerstreit mit den USA.



Insgesamt sollten diese Faktoren gemäss Medienberichten zu einem negativen Jahresergebnis von 20 (im Vorjahr : -4,4) Milliarden Franken führen. Das wäre der grösste Verlust, den es in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte je gegeben hat. Die UBS wollte dazu keine Stellung nehmen.

Erhöhte Verlustprognose

Nach Einschätzung des zumeist treffsicheren Finanzanalyst Peter Thorne aus dem Hause Helvea fallen bei der UBS folgende Belastungsfaktoren ins Gewicht: 2 Milliarden Franken an Rückstellungen für eine Busse im US-Steuerstreit, 3 Milliarden Franken an Verlusten im festverzinslichen Geschäft, nachdem es Gerüchte über solche Verluste bei der Deutschen Bank gegeben hat, 350 Millionen Franken an zusätzlichen Rückstellungen für Verluste bei der Chemigruppe LyondellBasell sowie eine nicht bezifferte Summe für Kosten bei einem weiteren allfälligen Stellenabbau.   

Vor diesem Hintergrund erhöht Helvea seine Verlustschätzung um 4 Milliarden Franken und geht nun von einem negativen Ergebnis in der Höhe von 19,3 Miliarden Franken aus.

Probleme in Luxemburg

Tatsächlich dürfte der jüngste Druck auf die UBS-Aktie nur teilweise durch diese Spekulationen ausgelöst worden sein. Investoren stützen ihre Einschätzungen eher auf die zukünftige Geschäftsentwicklung ab - und da sieht es für die UBS in verschiedener Hinsicht noch immer nicht sehr gut aus.

Erstens konnte der Abfluss an Kundengeldern nicht nachhaltig gestoppt werden, wie in der Branche zu hören ist. Die zunehmenden Verstrickungen der Schweizer Grossbanken in der Affäre Madoff verunsichern die Klientel, zumal die UBS anfänglich erklärt hatte, von diesem Milliardenbetrug in den USA kaum betroffen zu sein. Nun stellt sich heraus, dass sie über einzelne Anlagevehikel, namentlich in Luxemburg, wo sie die Investitionsmandate an einzelne Manager delegierte, doch ernsthaft von der Affäre betroffen ist. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, wenn sich nun weitere, vor allem vermögende Kunden von der UBS abwenden.

Risiko in Genf

Zweitens hat der Fall Madoff dem Schweizer Finanzplatz und damit indirekt auch der UBS mittlerweile mehr geschadet als anfänglich angenommen. Dabei spielt der Bankenplatz Genf eine besonders unheilvolle Rolle. Die Zahl, der dort ansässigen und vom Madoff-Fall betroffenen Banken nimmt laufend zu. Das wiederum schadet dem Image der Schweizer Banken, namentlich der UBS, und dürfte ausländische Kunden davon abhalten, neues Geld in die Rhonestadt zu transferieren.

Drittes dürfte der Steuerstreit zwischen der UBS und den amerikanischen Steuer- und Justizbehörden grösseren Einfluss auf das grenzüberschreitende Private-Banking-Geschäft haben als bisher vermutet. Das mediale Flutlicht, das nun auf die UBS gerichtet ist, schadet enorm, zumal die USA nun ein Exempel statuieren wollen.

Offshore-Geschäfte im Wandel

Schliesslich dürfte die amerikanische Steuerbehörde IRS ihren Kampf gegen Steuerbetrug und Offshore-Konten zu einer Kernaktivität emporstilisieren, die beim neuen US-Präsidenten Barack Obama erst noch auf eine grosse Zustimmung stossen dürfte.

Wie die New York Times Anfang dieser Woche schrieb, dürfte die Zeit von Offshore-Aktivitäten amerikanischer Bürger vorläufig sistiert sein, und wer sich trotzdem mit Steueroptimierungsfragen befasst, wird Lösungen in Dubai, Singapur, Andorra oder Zypern anpeilen, jedoch kaum in der Schweiz. Auch vor diesem Hintergrund muss der Schweizer Finanzplatz eine neue Strategie entwickeln, um in der Zukunft als Wealth-Management-Zentrum bestehen zu können.

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

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Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

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Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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