«Ein fulminanter Start für 800 Franken im Monat»

Guy Sarasin, der von 1958 bis 1991 bei Sarasin als voll haftender Teilhaber tätig war, erinnert sich an die Anfänge seiner Bankkarriere.

Guy_Sarasin_1In der heutigen Zeit der elektronischen Datenverarbeitung, Automatisierung und Globalisierung kann man sich kaum mehr vorstellen, wie es noch vor sechzig Jahren in der Bank zu und her ging.

Damals war der Alltag geprägt von viel Handarbeit, die Belegschaft der Bank übersichtlich und das Börsengeschäft ein täglicher Ausflug mit dem Chef persönlich, wie sich der Bankier erinnert.

Portier als Visitenkarte

«Als ich am 4. Januar 1954 meinen Dienst antrat», so Guy Sarasin (Bild), «hätte ich nicht damit gerechnet, bereits vier Jahre später als voll haftender Teilhaber in die damalige Kommanditgesellschaft aufgenommen zu werden.» Alfred E. Sarasin holte mit Guy Sarasin seinen Cousin, mit dem er den Kontakt durch dessen Auslandaufenthalte verloren hatte, in die Bank.

Langfristiges Ziel war eine Verjüngung der Unternehmensspitze, denn mit Ausnahme von Alfred E. Sarasin waren die damaligen voll haftenden Teilhaber, Benedikt Vischer, Robert Mylius, Karl Wackernagel und Adolf Sarauw, bereits über 60 Jahre alt.

Guy Sarasin, der aus der Nahrungsmittelindustrie kam, durchlief eine vierjährige, intensive Einführung in die verschiedenen Tätigkeitsbereiche der Bank und erinnert sich noch heute an die Namen all der Mitarbeitenden, mit denen er zusammen arbeiten durfte. «Eine wichtige Visitenkarte unserer Bank war Herr Müller, unser damaliger Portier», erinnert er sich.

Handbetriebene Rechenmaschinen

Die Bankleitung war schon damals bestrebt, Kunden und Personal nicht einfach als Nummern zu behandeln, und wurde dafür mit Loyalität, Einsatzfreude und Erfolgen belohnt. In den Jahren 1929 bis 1945, in denen die Bank nicht immer Gewinn erarbeitete, verzichteten die damaligen Teilhaber auf ihren Lohn, um keine Angestellten entlassen zu müssen.

Bereits 1911 war ein Vorläufer der Pensionskasse in Form einer von Arbeitgeberseite geäufneten Vorsorgekasse eingerichtet worden. Guy Sarasin selber erhielt bei seinem Eintritt in die Bank 800 Schweizer Franken Lohn im Monat. Gearbeitet wurde mit Schreibmaschine, Telefon und elektrischen oder von Hand betriebenen Rechenmaschinen, in einzelnen Fällen auch mit Rechenschiebern.

Anlageempfehlungen vor Weihnachten

«Ausserdem stand ein Laufbursche im Einsatz, der unter anderem Geld der Schweizer Nationalbank brachte und bei ihr holte, Wertschriften an andere Banken lieferte, dringende Briefe für die innere Stadt austrug und Kunden, die krankheitshalber nicht aus dem Haus konnten, ihr Geld persönlich vorbeibrachte», erinnert er sich.

Korrespondenz und vor allem auch Depotauszüge wurden von Hand mit der Schreibmaschine aufgesetzt und mussten mühsam kopiert werden – anfänglich per Nasskopierer, später mit Kohlepapier. Ein einziger Tippfehler bedeutete, noch einmal von vorne anzufangen. Auf saubere, korrekte und höfliche Schreibweise wurde höchsten Wert gelegt. Die einzige Werbung der Bank bestand damals noch aus einem Zirkular mit Anlageempfehlungen für Aktien, das jeweils vor der Weihnachtszeit gedruckt und an die Kundschaft verschickt wurde.

Gemeinsame Börsenausflüge

Schauplatz des Schweizer Finanzwesens, war ein besonderes Spektakel: Die Transaktionen zwischen den Verkäufern und den Käufern wurden persönlich – «à la criée» – ausgerufen. Dazu versammelten sich die Börsianer am Börsenring und der Börsenschreiber notierte die Käufe und Verkäufe von Hand. «Manchmal gerieten sich die Vertreter in die Haare», erzählt Guy Sarasin.

«Spätestens bei den gemeinsamen Börsenausflügen versöhnte man sich aber wieder und stiess gemeinsam an.» Auch die hauseigene Wertschriftenverwaltung und Buchhaltung wurde in akribisch genauer Papierarbeit geführt. Die physischen Aktien wurden von gewissen sparsamen Bankkunden sogar in den von ihnen gemieteten Schliessfächern aufbewahrt.

Inbegriff des Privatbanquiers

Alte, nicht mehr handelbare Aktienzertifikate, welche die Bank Sarasin in ihrem Tresor lagerte, sind spannende Zeugen der Zeitgeschichte. Sarasin hat ihre Exponate dem Museum Wertpapierwelt in Olten übergeben, wo sie besichtigt werden können..

Guy Sarasin ist nach wie vor in der Stadt Basel bekannt und geschätzt als Inbegriff des Privatbanquiers. Auch nach seinem Rücktritt als Partner ist er der Bank bis heute stark verbunden und setzt sich hinter den Kulissen aktiv für die Bank und für Kontakte zu Kunden ein.


Vor wenigen Tagen erschien ein Flyer, der die Geschichte der Basler Bank Sarasin zusammenfasst. Aufgezeigt wird die Entwicklung der Bank von ihren Anfängen im Jahr 1841 bis in die Moderne des 21. Jahrhunderts. Unter diesem Link können Sie das Dokument herunterladen.


Offene Stellen bei der Bank Sarasin finden Sie unter diesem Link.

 

 

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