Euro: Lenny Fischer sieht schwarz

Julius Bär-Verwaltungsrat Leonhard Fischer erwartet bittere Jahrzehnte als Resultat der Euro-Krise. Beim Efficiency Club in Zürich malte der RHJ-Chef ein düsteres Bild.

«Länder müssen auch pleite gehen können», sagte Leonhard «Lenny» Fischer im Rahmen einer Podiumsdiskussion des Efficiency Clubs am Mittwoch Abend im vollbesetzten Widder-Saal in Zürich. «Sie brauchen die Chance, sich restrukturieren und umschulden zu können.»

«Hat der Euro eine Chance?»: Über diese Frage diskutierten neben Fischer der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohnanyi und «Bilanz»-Chefredaktor Dirk Schütz unter der Leitung von Alexander Niemetz. Während von Dohnanyi politische Lösungen verteidigte, wie die Finanzhilfen für Griechenland, «um die Gefahr der Ansteckung der andere Länder zu vermeiden», plädierten Fischer und Schütz für Lösungen, die vom ökonomischen Sachverstand geleitet werden.

Absurd: Die Informationen waren seit Jahren bekannt

Der Kurs, den die Regierungen der Euro-Zone eingeschlagen haben, führe aber in ein Tal der Tränen, meinte Leonhard Fischer (Bild). Man könne nur jedem raten, sich in die Schweiz abzusetzen. Leonhard_FischerDie Entscheidung, für die Verbindlichkeiten Griechenlands zu bürgen, sei ein fataler Fehler, denn er verbaue dem Land die Chance, sich aus eigener Kraft aus den Schwierigkeiten zu befreien.

In Zusammenspiel mit dem verordneten Sparprogramm werde der Regierung in Athen auch jeder Handlungsspielraum genommen, um durch fiskal- oder wirtschaftspolitische Entscheidungen das Steuer herumzureissen. Wenn er in der Situation eines jungen Griechen wäre, würde er sagen «macht euern Schrott doch alleine, ich gehe lieber nach Göttingen», meinte Fischer. Absurd an der Situation sei, dass die Informationen, die etwa zum griechischen Fiasko geführt hätten, seit Jahren bekannt waren. Die Daten über die Handelbilanzdefizite Griechenlands seien öffentlich.

«Die kann man jede Woche im 'Economist' nachlesen», sagte Fischer. «Nur die Konsequenzen wollte niemand daraus ziehen, weil immer klar war, dass das Land im Zweifelfall gerettet würde.»

«So what?»

Die stillschweigende politische Bürgschaft war ein Sargnagel für die Wirtschaft in Griechenland. Den Hinweis von «Bilanz»-Mann Dirk Schütz, von einer Pleite Greichenlands wären auch Banken in Deutschland oder Frankreich betroffen, konterte Fischer: «So what?». Zur Freiheit gehöre es auch, die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen zu tragen. Im Falle einer Fehlentscheidung sei das Geld halt weg. Statt Kontrolle der Banken und Regulierungen des Finanzmarkts setzt er auch die freien Kräfte des Marktes.

Klaus von Dohnanyi verteidigte zwar die Entscheidung, den Griechen zu helfen, er setzt seine Hoffnung jedoch auf eine künftige «Insolvenzordnung» für Staaten. Derzeit sind Rechtsexperten im Aufrag der Europäischen Kommission und der Bundesregierung damit beschäftigt, die Möglichkeiten und die Ausgestaltung eines solchen Insolvenzrechts zu erarbeiten. Mit schnellen Lösungen ist allerdings kaum zu rechnen. Mindestens fünf Jahre werde es dauern, bis solch ein Verfahren entwickelt sein. Das dürfte knapp werden, denn so viel Zeit hat man nicht, um Unheil von der Euro-Zone abzuwenden. Die Folgen könnten dramatisch sein und die Uhr tickt.

An Inflationsraten von zehn Prozent gewöhnen

Das Szenario der Entwicklung Europas reicht von einer «Kernschmelze» des Euro, die dann auch noch von einer des Dollars begleitet sei, bis hin zu einer schweren Krise, in der sich Deflation und Inflation abwechseln. Eine Wohlstandsvernichtung grossen Ausmasses sei die Folge, meinte Fischer.

Die Wahrscheinlichkeit für seinen Worst-Case-Entwurf, ein «monetary debasement», schätzte er auf dreissig Prozent. Und selbst in seinen besten Prognosen geht es nicht, ohne dass wir «den Gürtel enger schnallen». Fischer erwartet ein oder zwei wirtschaftlich sehr schwierige Dekaden, die von grossen Problemen gekennzeichnet sein würden. An Inflationsraten von zehn Prozent werde man sich gewöhnen müssen.

Von derartig düsteren Prognosen hielt von Dohnanyi nichts. Er setzt auf die europäischen Tugenden von Fleiss, Kreativität und Leistungswillen, mit denen auch künftige Krisen bewältigt werden könnten. Das Potenzial habe Europa. Es umzusetzen, sei die Aufgabe der Zukunft.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Swiss Life

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Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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