Mai
17
2012
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Will ein Deutscher Steuern hinterziehen, dann eröffnet er dafür kein Konto in seinem Heimatland. Warum also werden die CS-Filialen in Deutschland durchsucht?

Die Razzien in insgesamt 13 Filialen der Credit Suisse haben für einiges Aufsehen gesorgt, zumal sie seit Mittwoch unvermindert weitergehen.

Die Untersuchungen dürften in erster Linie eine mediale Offensive sein, die darauf abzielt, den Finanzplatz Schweiz einmal mehr zu destabilisieren und das Thema Steuerhinterziehung latent am Köcheln zu halten. Denn tatsächlich gibt es einige Fragezeichen in der ganzen Aktion der deutschen Behörden.

Kein Bankgeheimnis in Deutschland

  1. 1. Durchsucht werden die CS-Niederlassungen, die nach deutschem Recht geregelt sind. Sie verfügen über eine Bewilligung von der deutschen Bankenaufsicht und müssen sich folglich nach den entsprechenden Bestimmungen verhalten. Ein Bankgeheimnis wie in der Schweiz gibt es hier also nicht. Warum also sollte ein potenzieller deutscher Steuerhinterzieher sein Geld in einer solchen CS-Filiale deponieren?

Onshore- und Offshore getrennt

  1. 2. Die deutschen Behörden verdächtigen die CS-Mitarbeiter in Deutschland, ihre Kunden aktiv bei der Steuerhinterziehung unterstützt zu haben. Tatsächlich funktioniert die Bank in Deutschland völlig getrennt vom Offshore-Geschäft, wie es aus der Schweiz heraus betrieben wird. Wie also sollen CS-Mitarbeiter in Deutschland aktive Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben?

Unmögliche Rückschlüsse

  1. 3. Die deutschen Behörden behaupten, dass sie dank der gekauften CD mit gestohlenen Kundendaten sehr viele Rückschlüsse auf die CS-Onshore-Kunden in Deutschland ziehen konnten. Bei den seinerzeit entwendeten Daten handelt es sich aber offenbar um Offshore-Kunden, die ein Konto in der Schweiz haben. Darum stellt sich auch hier die Frage: Wie kann es überhaupt einen Zusammenhang geben, zwischen den entwendeten Offshore-Daten und den Onshore-Kunden in Deutschland?

Weniger Selbstanzeigen

  1. 4. Die deutschen Behörden werden nicht müde, zu behaupten, dass sich die Zahl der Selbstanzeigen laufend erhöhe – angeblich weil die deutschen Steuersünder mittlerweile höchst verunsichert seien. In Schweizer Bankkreisen ist indessen etwas anderes zu hören. Natürlich gebe es manche, aber eher kleinere Kunden, die Selbstanzeige erstattet hätten.

    Doch die grösseren Kunden ab mehreren Millionen Franken seien noch weit davon entfernt, sich bei den Behörden anzuzeigen. Dafür seinen ihre finanziellen Spar- und Anlagekonstrukte allzu komplex strukturiert, als dass sich da so einfach Steuerhinterziehung nachweisen liesse.

    Viele deutschen Kunden würden weiter abwarten. Sind also die Erfolgsmeldungen der deutschen Behörden in Sachen Selbstanzeige vielleicht doch nur Teil ihrer Einschüchterungstaktik?

 

Investigativer Journalismus?

  1. 5. Just auf dem Höhepunkt der Razzia in Deutschland meldet sich einmal mehr der «investigative» Journalist Hans Leyendecker in der «Süddeutschen Zeitung» zu Wort. Darin fordert er eine harte Bestrafung jener Banker in Deutschland, die sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig machen.

    Einmal mehr fährt Leyendecker dabei auch grobes Geschütz gegen das Schweizer Bankgeheimnis und die Schweizer Banken auf. So meint er etwa: «Schweizer Bankern Moral beibringen zu wollen, ist, als wenn anonyme Alkoholiker zum Oktoberfest fahren, um dort die Leute zu ändern».

    Tatsache ist aber auch, dass Leyendecker sehr enge Beziehungen zu den deutschen Behörden unterhält und immer dann mit «investigativen» Informationen aufwarten kann, wenn gerade, wie jetzt, eine Aktion am Laufen ist. Ist dieser Journalist vielleicht nicht auch Teil dieser kostspieligen Strategie der deutschen Behörden, die so sehr auf Erfolg angewiesen ist?

 

Altes Geld und neues Geld

  1. 6. Bei dem Schwarzgeld, das auf Konten mancher Schweizer Banken lagert, handelt es sich mehrheitlich um «altes» Geld, also um Vermögen, das vor einigen Jahrzehnten in die Schweiz gelangte. Im Gegensatz dazu ist das Onshore-Business in Deutschland und in anderen angrenzen Ländern ein vergleichsweise «junges» Geschäft, bei dem die Kunden mit ihrem Geld arbeiten wollen und entsprechend flexibel sein müssen. Da geht es nicht um Steuerhinterziehung.

    Kommt noch hinzu, dass gerade die Credit Suisse schon unter der Ägide von Rainer E. Gut seinerzeit Strategien entwickelt hatte, wie die Bank nach einem allfälligen Ende des Schweizer Bankgeheimnisses operieren würde. Vor diesem Hintergrund wurde unter anderem das Onshore-Geschäft in Europa entwickelt.

 

 

Kommentare

 
#7 Gast 2010-07-22 11:32
Ich bin Deutscher, und es ist peinlich, wie sich meine Regierung verhält. Ich bin froh, in der Schweiz zu sein und fühle mich hier viel wohler als in einem Staat, wo Bürger kontrolliert, ausspioniert und diffamiert werden. Armes Deutschland - es geht wahrlich bergab...
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#6 Gast 2010-07-19 15:56
Liebe Schweizer,

ich als Deutscher muß mich mal wieder für mein Land entschuldigen. Natürlich ist das hier in BRD alles ein abgekartetes Spiel und die Deutsche Politik versucht mit allen Mittel von ihrer eigenen Inkompetenz und Machenschaften abzulenken. Die WM ist vorbei und dann werden wieder andere lächerliche "Register" gezogen. Ich habe ein Teil meines Geldes bei Ihnen angelegt, nicht um Steuer zu hinterziehen, sondern um dem Euro-Chaos / Untergang zu entgehen.
Eine Bitte an Sie liebe Eidgenossen: Bleiben Sie wie Sie sind, sprich unabhängig und "Euro-frei" und lassen Sie sich nicht von der EU / USA erpressen. Das "Säbelgerassel" ist eh lediglich die pure Verzweifelung vor dem drohenden Staats-/Währungsuntergang.
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#5 Gast 2010-07-19 12:28
Der Bundesregierung ist die Aktion eines Profilierungssüchtigen Staatsanwaltes eher peinlich, deshalb hat sie auch betont, dass es Sache des Bundeslandes ist. Ich denke dass die Ära Steinbrück vorbei ist, auch wenn der Schreiberling Leyendecker mit der gleichen Dialektik forfährt.
Deutschland braucht den Finanzplatz vielleicht noch, wenn es den Staatsbrankrott und den Untergang des Euros vermeiden will, trotz der unheimlichen und geheimnissumwitterten realen Verschuldung.
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#4 Gast 2010-07-18 18:12
Uebrigens, Sie, dieser Artikel ist nicht gezeichnet - wer ist der Autor ?
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#3 Gast 2010-07-17 07:58
Dieser Artikel ist kindischer Trotz. In Deutschland bestimmt die deutsche Regierung, was geht. Ob das Ihnen oder mir passt oder nicht. Und von wegen "investigativer" Journalist: "Journalist" ist jeder, der etwas publiziert, z.Bsp. auch ein Finanzanalyst, von dem wir erwarten, dass er Zahlen und Fakten "investigatet", bevor er Empfehlungen abgibt, oder ?
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#2 Gast 2010-07-16 13:34
Die jetzige Regierung der BRD braucht wieder mal ein Ablenkungsmanöver, wer eignet sich da wohl am Besten als das kleine Nachbarland Schweiz mit seinen cleveren Banken. Diese lächerlich anmutenden Raubzüge in die Taschen seiner hart arbeitenden Bürger zeigt doch nur auf wie wenig Vertrauen man noch ins eigene Land hat und ihr sauer verdientes Geld sicherer anlegen wollen. Die Benutzung von erkauften Raubkopien wirft ein bedenklich schlechtes Licht auf deutsche Beamte.
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#1 Gast 2010-07-16 09:07
Die Beamten- und Politikerkaste der BRD ist noch immer fest in obrigkeitshoerigen Denkmustern verhaftet. Ob Kaiser, Hitler oder Ulbricht macht da keinen grossen Unterschied. Die Inszenierung der Wahl von Wulff zum Praesidenten hat das nur wieder verdeutlicht. Wir haben immer dafuer plaediert dass ein Land mit dem Anspruch seine Buerger total zu kontrollieren eben an der Grenze dicht machen sollte - die DDR hat es ja vorgefuehrt. Dann kommt kein Geld mehr ins Ausland. Und das waere auch ehrlich, Karl Marx und Co wuerden das begruessen.
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