«Kunstförderung ist Bestandteil der Corporate Identity»

Im Leuenhof der Privatbank Clariden Leu finden mehrmals jährlich Ausstellungen über zeitgenössische Kunst statt. Doch was hat das mit Private Banking zu tun?

Antworten darauf gibt Ettore Gualtiero Robbiani, Kurator und Art Specialist.

Seit Jahrzehnten sind manche Banken in der Kunstszene als Förderer etabliert. Sie besitzen umfangreiche, bedeutende Kunstsammlungen wie die Deutsche Bank oder die UBS. Dabei kaufen sie nicht ausschliesslich Prestigeobjekte, sondern konzentrieren sich vielfach auch auf die Entdeckung neuer Talent

Kunstengagement, oder auch Corporate Art Collection genannt, ist mittlerweile vielerorts ein Teil der Firmenkultur. So auch bei Clariden Leu.

Herr Robbiani, wie wird man Kurator einer Bank?

Ich habe in Bern, Zürich sowie an der UCSB in Santa Barbara in den USA Kunstgeschichte, Mittelalter-Archäologie und Publizistik studiert. Bereits während meines Studiums interessierte ich mich für das Zusammenwirken von Kunst und Finanzwelt.

Als Werkstudent hatte ich die Chance, 50 Prozent bei einer Grossbank im Bankgeschäft zu arbeiten und so die Gepflogenheiten in der Finanzwelt kennen zu lernen. Voraussetzung für mein aktuelles Engagement bei Clariden Leu war neben einem kunsthistorischen Background auch die Erfahrung als Ausstellungs-Kurator, zudem wurden Kenntnisse im Private Banking verlangt.

Was genau ist Ihre Tätigkeit bei Clariden Leu?

Einerseits bin ich verantwortlich für die Betreuung der bankeigenen Kunstsammlung sowie für die Planung, Betreuung und Durchführung der regelmässig stattfindenden Kunstausstellungen in den Räumlichkeiten des Leuenhofs an der Bahnhofstrasse 32 in Zürich.

Andererseits bin ich auch Ansprechperson für die kunstrelevanten Belange seitens der Kunden, wo ich beratend respektive vermittelnd für Fragen im Bereich Schätzungen, Lagerung, Transport, Verkäufe und Restaurierungen zur Verfügung stehe.

Ein weiterer Bereich bilden Planung, Koordination und Durchführung der künstlerischen Gestaltung der diversen Standorte bei Clariden Leu mit Hauptfokus auf die Kundenzone.

Wie entstand die Kunstsammlung der Clariden Leu?

Der Grundstein der heutigen Sammlung wurde Anfang der achtziger Jahre von einem kunstbegeisterten CEO gelegt. Am Anfang standen Werke der «Neuen Wilden» im Vordergrund, wie Martin Disler oder Claudia Schifferle, die mit ihrem raschen, breiten Pinselstrich und farbkräftigen, expressiven Bilder begeisterten.

Solche Werke dienten auch dazu, den dynamischen und fortschrittlichen Aspekt einer traditionsreichen Bank zu visualisieren. Im Laufe der Jahre entstand eine umfangreiche Sammlung, deren Highlights in den bankeigenen Räumlichkeiten ausgestellt und teilweise auch als öffentliche Leihgaben zur Verfügung gestellt werden.

Was sind die Ziele einer Corporate Art Collection?

Kunst hat als identitätsbildender Faktor eine grosse Bedeutung für ein Unternehmen. Es profiliert sich nicht allein über finanzielles, strategisches und wirtschaftliches Handeln, sondern ebenso über die Kommunikation im weitesten Sinn.

So gesehen erfüllt zeitgenössische Kunst verschiedene Funktionen: Bei Clariden Leu signalisiert sie in den historischen und unter Denkmalsschutz stehenden Gebäuden Umbruch und Dynamik. Dies im Gegensatz zu der sie umgebenden Architektur, welche in Stein gemeisselte Bekenntnisse zu Tradition sind und als Garant zeitloser Werte fungieren. Kunst ist somit ein Spiegel der Unternehmensphilosophie.

Andererseits ist Kunst auch Bestandteil der Corporate Identity. Mit ihr können wir elementare Werthaltungen und Überzeugungen visualisieren. Zu den zentralen Botschaften, die mit Kunst kommuniziert werden können, zählen vor allem die Aufgeschlossenheit für das Neue, das Andere, das weniger gut Greifbare.

Spielt dabei nicht auch das Mäzenatentum eine Rolle?

Natürlich nehmen wir über unser Kunstengagement auch eine gesellschaftliche Verantwortung war. Kulturförderung dient der Erhaltung und Pflege der Kunstlandschaft und Clariden Leu fühlt sich verpflichtet, einen Beitrag für den Raum Zürich zu leisten.

Die Künstler haben im Leuenhof die Möglichkeit, in einmaligen Räumlichkeiten und an prominenter Lage ihre Werke auszustellen und sie einem kunstinteressierten Publikum zu präsentieren.

Gibt es einen Unterschied zwischen Firmensammlungen und Museumssammlungen?

Museale Sammlungen sind im Gegensatz zu Firmensammlungen in erster Linie der Öffentlichkeit verpflichtet, und zwar mit dem Anspruch, der Wissenschaft, Forschung und Bildung zu genügen. Firmensammlungen haben andere Zielsetzungen. Sie dienen der Repräsentation und der Corporate Identity eines Unternehmens und tragen zu deren Selbstverständnis bei.

Wo steht das Kunstengagement von Clariden Leu im Vergleich zur staatlichen Kunstförderung?

Unsere Form der Kunstförderung versteht sich keinesfalls als Konkurrenz zur staatlichen wie auch privaten Kunstförderung. Vielmehr ist sie eine eigenständige und unabhängige Plattform. Aus meiner Sicht ist jede Form von Kunst- und Kulturförderung wünschenswert. Nur so können wir eine lebendige Kunst- und Kulturlandschaft bewahren.


 

Kunst und Kapital im Leuenhof

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(Bild: Videoinstallation von Annelies Strba)

Der Leuenhof wurde 1915 erbaut und ist vor allem wegen seiner neugotischen Architektur sehenswert. Die Schalterhalle mit den verschnörkelten Gittertüren und dem hellgrünen Marmor hat nicht von ungefähr einen basilikalen Grundriss.

Mit seiner dreischiffigen Kundenhalle, dem als Krypta angelegten historischen Kundentresor entspricht der Leuenhof der Formensprache eines sakralen Bauwerks. Derzeit findet ein Umbau statt, der aber bis 2011 fertig gestellt werden soll. Die ersten Ausstellungen werden deshalb voraussichtlich im Juni 2011 stattfinden.

Ursprünglich war das Sammlungs- und Ausstellungskonzept von Clariden Leu auf zeitgenössische Schweizer Kunst – mit einem Schwerpunkt auf Stadt und Region Zürich fokussiert. Der Grundstein der Kunstsammlung wurde in den achtziger Jahren gelegt. Ein Kunstkonzept entstand dann Anfang der neunziger Jahre.

Eigenständige Ausstellungsserie

Zu Beginn noch eng an die Sammlung geknüpft, entwickelte sie sich immer mehr zu einer eigenständigen Ausstellungsserie, die heute nicht nur Malerei, sondern auch Fotografie sowie Skulpturen umfasst. Durch die Zusammenarbeit mit Museen und privaten Sammlungen ist ein breiter Fokus gewährleistet.

In den letzten Jahren stiessen einige Ausstellungen auf ein sehr grosses Interesse. So etwa die Exponate aus der privaten Sammlung chinesischer Gegenwartskunst von Roberta Gonella.

Chinesische Kunst, Christo und Strba

Als engagierte Kunstliebhaberin ist sie ständig auf der Suche nach neuen Talenten und verborgenen Trouvaillen. Clariden Leu war eine der ersten Banken, die überhaupt zeitgenössische chinesische Kunst zeigte.

Eine Vorreiterrolle übernahm die Bank auch 2005 mit der Ausstellung «The Gates» zusammen mit Christo und Jeanne-Claude. Zahlreiche Ausstellungen waren auch einheimischen Künstlern gewidmet, wie die vielbeachtete Werkschau mit Foto- und Videoarbeiten von Annelies Strba, deren Kunst heute in führenden Museen weltweit vertreten sind und an der diesjährigen ART Basel gezeigt wurden.


 

Beispiele aus der vergangenen Ausstellungstätigkeit der Clariden Leu

 

 

 

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