«Risiken werden von den Banken heruntergespielt»

Elena Wüthrich arbeitete fast zwanzig Jahre lang bei der UBS. Nun hat sie ein Buch geschrieben. Ihr Fazit: Bankberater und Kunden reden oft aneinander vorbei.

Das Buch «Portfolio versus Benchmark» von Elena Wüthrich befasst sich mit dem komplexen System des Anlagemarktes. Es verhilft nicht nur zu neuer Einsicht, sondern rät gleichsam zur Vorsicht.

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Frau Wüthrich, was hat Sie bewogen, ein Buch zu schreiben?

Reine Theoriebücher gibt es schon genug, darum war es mir ein Anliegen, konkrete Beispiele aufzuzeigen. Mein Buch ist der erste Schritt für all jene, die Interesse an der Zusammensetzung eines Portfolios haben und sich dabei mit Fragen der Benchmark sowie der Performance- und Risikoanalyse befassen wollen. Eine Formelsammlung, wie sie in der Praxis benutzt wird, befindet sich im Anhang.

Welches sind Ihre wichtigsten Botschaften an die Investoren?

Privatanleger sollten bei ihren Banken und Vermögensverwaltern mehr und bessere Analysen einfordern. Denn Professionalität bedeutet nicht nur, Tabellen mit Zahlen und unnötigen grafischen Darstellungen zu erstellen, sondern sie müssen vor allem auch kundengerecht aufbereitet sein. Viele Anlageberater sind von ihren Finanzprodukten zumeist begeistert. Doch primär sollten diese Produkte den Bedürfnissen der Kunden entsprechen.

Inwiefern hat die Finanzkrise den Investmentprozess verändert?

Vor der Krise lag das Geld generell locker, und die Risiken wurden missachtet. Nur die Rendite zählte. Erst mit den dramatischen Turbulenzen an den Finanzmärkten rückte die Bedeutung der Risikoanalyse bei Anlageentscheidungen in den Vordergrund.


«Die Erwartungen an die Beratungsqualität sind gestiegen»

Heute sind die Überwachung des Investmentprozesses, die Liquidität sowie das Eigenkapital der Banken, die Datenqualität und die politischen Risiken wichtiger denn je. Dadurch sind auch die Erwartungen an die Beratungs-, Produkt und Servicequalität enorm gestiegen.

Müssen die Banken neue Anlageprozesse einführen, um den Bedürfnissen der Kundschaft künftig gerecht zu werden?

Viele Kunden kennen oftmals nicht wirklich die Risiken, die mit dem Kauf von Wertpapieren einher gehen, wie beispielsweise das Bonitätsrisiko einer Obligation.


«Es ist nötig, ein Beratungsprotokoll zu führen»

Viele Risiken werden von den Banken auch weitgehend heruntergespielt. Wichtig ist jedoch die Trennung der Beratung von den anderen Interessen des Bankinstituts. Darum ist es notwendig, dass ein Beratungsprotokoll über die Abläufe zwischen dem Anlageberater und dem Kunden geführt wird.

Können kleinere Banken besser und schneller investieren, weil sie unabhängiger sind als grosse Institute?

Viele kleinere Bankinstitute zeichnen sich durch einen oft höheren Individualisierungsgrad bei ihren Leistungen aus, und sie beraten in der Regel auch persönlicher. Allerdings wollen heute viele Kunden einen weltweiten Zugang zu den besten Anlageprodukten.


«Grossbanken können schneller in neue Finanzprodukte investieren»

Darum müssen kleinere Finanzhäuser auf ein weitverzweigtes Netzwerk von Partnern zurückgreifen können. Das ist jedoch nicht immer der Fall, im Gegensatz zu den Grossbanken, die schneller in neue Finanzprodukte investieren können. Das darf man nicht vergessen.

Sind Hedge Funds für die Entwicklung der Finanzindustrie hierzulande wichtig?

Die Schweiz spielt als Standort für Hedge Funds-Manager und als Domizil im internationalen Vergleich eine wichtige Rolle. Unbestritten ist auch die Tatsache, dass Hedge Funds für die Finanzindustrie eine wichtige Innovationskraft darstellen. Gleichzeitig übernehmen die beiden Schweizer Grossbanken eine essenzielle Funktion als Gegenpartien für Hedge Funds.


«Ich erkenne keine klare Trennung»

Sie geben Kredite und erbringen eine ganze Reihe von Dienstleistungen, etwa bei der Wertschriftenverwaltung oder im Handel; Stichwort «Prime Brokerage». Die Handelsabteilungen der Investmentbanken haben in den vergangenen Jahren allerdings auch für ihren Eigenhandel gewisse Strategien wie die Hedge Funds verfolgt. Hier erkenne ich keine klare Trennlinie zwischen Hedge Funds, Private Equity und den Investmentbanken.

Gehören Hedge Funds verboten, weil sie mit ihren Spekulationen angeblich die Märkte nach unten reissen?

Die Hedge Funds verfolgen immer komplexere Handelsstrategien mit immer höher entwickelten Produkten. Deren Risikoeigenschaften sind für die Banken schwierig zu modellieren.


«Man sollte solche Anlageprodukte verbieten»
So ist zum Beispiel noch unerprobt, wie effektiv der Kreditrisikotransfer durch Kreditderivate funktioniert, wenn sich die Kreditspannen plötzlich überdurchschnittlich ausweiten und dadurch wichtige Marktteilnehmer ins Wanken geraten. Solange keine Regulierungsreform für Hedge Funds existiert, sollte man solche Anlageprodukte verbieten.

Portfolio_versus_BenchmarkElena Wüthrich war von 1987 bis 1998 für den Schweizerischen Bankverein (SBV) in Basel tätig: als Informatikspezialistin für Finanzanalyse und Anlageberatungs-Applikationen.

Später übernahm sie von 1998 bis 2000 bei der UBS im Brinson Asset Management Zürich Aufgaben als Performance-Analystin. Von 2001 bis 2006 war sie bei der UBS im Bereich Wealth Management Investment Solutions als quantitative Analystin tätig.

Heute ist Elena Wüthrich freiberuflich als Autorin und Research-Analystin für Hedge-Fund-Strategien tätig.

Portfolio versus Benchmark, Performance- und Risikoanalyse im Portfoliomanagement, LIT Verlag, Reihe: Finanzwirtschaft, Bd. 1, 2010, 264 Seiten. CHF 42.50; EUR 25.90, ISBN 978-3-643-80046-6.

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Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

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Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

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Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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