Mai
17
2012
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Elena Wüthrich arbeitete fast zwanzig Jahre lang bei der UBS. Nun hat sie ein Buch geschrieben. Ihr Fazit: Bankberater und Kunden reden oft aneinander vorbei.

Das Buch «Portfolio versus Benchmark» von Elena Wüthrich befasst sich mit dem komplexen System des Anlagemarktes. Es verhilft nicht nur zu neuer Einsicht, sondern rät gleichsam zur Vorsicht.

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Frau Wüthrich, was hat Sie bewogen, ein Buch zu schreiben?

Reine Theoriebücher gibt es schon genug, darum war es mir ein Anliegen, konkrete Beispiele aufzuzeigen. Mein Buch ist der erste Schritt für all jene, die Interesse an der Zusammensetzung eines Portfolios haben und sich dabei mit Fragen der Benchmark sowie der Performance- und Risikoanalyse befassen wollen. Eine Formelsammlung, wie sie in der Praxis benutzt wird, befindet sich im Anhang.

Welches sind Ihre wichtigsten Botschaften an die Investoren?

Privatanleger sollten bei ihren Banken und Vermögensverwaltern mehr und bessere Analysen einfordern. Denn Professionalität bedeutet nicht nur, Tabellen mit Zahlen und unnötigen grafischen Darstellungen zu erstellen, sondern sie müssen vor allem auch kundengerecht aufbereitet sein. Viele Anlageberater sind von ihren Finanzprodukten zumeist begeistert. Doch primär sollten diese Produkte den Bedürfnissen der Kunden entsprechen.

Inwiefern hat die Finanzkrise den Investmentprozess verändert?

Vor der Krise lag das Geld generell locker, und die Risiken wurden missachtet. Nur die Rendite zählte. Erst mit den dramatischen Turbulenzen an den Finanzmärkten rückte die Bedeutung der Risikoanalyse bei Anlageentscheidungen in den Vordergrund.


«Die Erwartungen an die Beratungsqualität sind gestiegen»

Heute sind die Überwachung des Investmentprozesses, die Liquidität sowie das Eigenkapital der Banken, die Datenqualität und die politischen Risiken wichtiger denn je. Dadurch sind auch die Erwartungen an die Beratungs-, Produkt und Servicequalität enorm gestiegen.

Müssen die Banken neue Anlageprozesse einführen, um den Bedürfnissen der Kundschaft künftig gerecht zu werden?

Viele Kunden kennen oftmals nicht wirklich die Risiken, die mit dem Kauf von Wertpapieren einher gehen, wie beispielsweise das Bonitätsrisiko einer Obligation.


«Es ist nötig, ein Beratungsprotokoll zu führen»

Viele Risiken werden von den Banken auch weitgehend heruntergespielt. Wichtig ist jedoch die Trennung der Beratung von den anderen Interessen des Bankinstituts. Darum ist es notwendig, dass ein Beratungsprotokoll über die Abläufe zwischen dem Anlageberater und dem Kunden geführt wird.

Können kleinere Banken besser und schneller investieren, weil sie unabhängiger sind als grosse Institute?

Viele kleinere Bankinstitute zeichnen sich durch einen oft höheren Individualisierungsgrad bei ihren Leistungen aus, und sie beraten in der Regel auch persönlicher. Allerdings wollen heute viele Kunden einen weltweiten Zugang zu den besten Anlageprodukten.


«Grossbanken können schneller in neue Finanzprodukte investieren»

Darum müssen kleinere Finanzhäuser auf ein weitverzweigtes Netzwerk von Partnern zurückgreifen können. Das ist jedoch nicht immer der Fall, im Gegensatz zu den Grossbanken, die schneller in neue Finanzprodukte investieren können. Das darf man nicht vergessen.

Sind Hedge Funds für die Entwicklung der Finanzindustrie hierzulande wichtig?

Die Schweiz spielt als Standort für Hedge Funds-Manager und als Domizil im internationalen Vergleich eine wichtige Rolle. Unbestritten ist auch die Tatsache, dass Hedge Funds für die Finanzindustrie eine wichtige Innovationskraft darstellen. Gleichzeitig übernehmen die beiden Schweizer Grossbanken eine essenzielle Funktion als Gegenpartien für Hedge Funds.


«Ich erkenne keine klare Trennung»

Sie geben Kredite und erbringen eine ganze Reihe von Dienstleistungen, etwa bei der Wertschriftenverwaltung oder im Handel; Stichwort «Prime Brokerage». Die Handelsabteilungen der Investmentbanken haben in den vergangenen Jahren allerdings auch für ihren Eigenhandel gewisse Strategien wie die Hedge Funds verfolgt. Hier erkenne ich keine klare Trennlinie zwischen Hedge Funds, Private Equity und den Investmentbanken.

Gehören Hedge Funds verboten, weil sie mit ihren Spekulationen angeblich die Märkte nach unten reissen?

Die Hedge Funds verfolgen immer komplexere Handelsstrategien mit immer höher entwickelten Produkten. Deren Risikoeigenschaften sind für die Banken schwierig zu modellieren.


«Man sollte solche Anlageprodukte verbieten»
So ist zum Beispiel noch unerprobt, wie effektiv der Kreditrisikotransfer durch Kreditderivate funktioniert, wenn sich die Kreditspannen plötzlich überdurchschnittlich ausweiten und dadurch wichtige Marktteilnehmer ins Wanken geraten. Solange keine Regulierungsreform für Hedge Funds existiert, sollte man solche Anlageprodukte verbieten.

Portfolio_versus_BenchmarkElena Wüthrich war von 1987 bis 1998 für den Schweizerischen Bankverein (SBV) in Basel tätig: als Informatikspezialistin für Finanzanalyse und Anlageberatungs-Applikationen.

Später übernahm sie von 1998 bis 2000 bei der UBS im Brinson Asset Management Zürich Aufgaben als Performance-Analystin. Von 2001 bis 2006 war sie bei der UBS im Bereich Wealth Management Investment Solutions als quantitative Analystin tätig.

Heute ist Elena Wüthrich freiberuflich als Autorin und Research-Analystin für Hedge-Fund-Strategien tätig.

Portfolio versus Benchmark, Performance- und Risikoanalyse im Portfoliomanagement, LIT Verlag, Reihe: Finanzwirtschaft, Bd. 1, 2010, 264 Seiten. CHF 42.50; EUR 25.90, ISBN 978-3-643-80046-6.

Online bestellen unter diesem Link.

 

 

Kommentare 

 
#1 Gast 2010-07-26 09:58
Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt bei diesem Buch überhaupt nicht (es ist allerdings kein Einzelfall).
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