Bellecapital: Startschuss für SEC-Registrierung

Die Zürcher Vermögensverwaltungsfirma Bellecapital sieht im Geschäft mit US-Kunden ein grosses Potenzial. Darum trifft sie Vorkehrungen.

Während verschiedene Schweizer Banken sich seit einiger Zeit aus dem Geschäft mit US-Kunden verabschieden, unternimmt der Zürcher Vermögensverwalter Bellecapital genau das Gegenteil. «Wir sehen angesichts der jüngsten Entwicklungen ein enormes Potenzial», erklärt Werner Diehl, Mitgründer und Partner des Unternehmens.

Vor dem Hintergrund neuer, verschärfter gesetzlicher Bestimmungen in den USA hat das Schweizer Unternehmen nun eine Lizenzierung bei der amerikanischen Börsenaufsicht (SEC) beantragt. Dies mit dem Ziel, diesen Geschäftsbereich aufzubauen.

Strategie überdacht

«Unser Ziel ist klar», so Diehl weiter, «wir wollen amerikanische Kunden von der Schweiz aus betreuen und dies selbstverständlich im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften.»

«Die Verschärfung der amerikanischen Gesetzgebung für alle Investment Advisors, welche US-Kunden betreuen, hat uns gezwungen, unsere Strategie zu überdenken. Da wir ein grosses Potenzial für unsere Dienstleistungen in den USA sehen, haben wir uns entschieden, eine Lizenz bei den amerikanischen Aufsichtsbehörden zu beantragen», erklärt Werner Diehl.

Lizenz bis Mitte Jahr erwartet

Mit dem Erhalt der SEC-Lizenz rechnet man bei Bellecapital bis Mitte dieses Jahres. Das Marktpotenzial dürfte tatsächlich beträchtlich sein, zumal nach wie vor viele hiesige Private Banker mit amerikanischen Kunden bei manchen Schweizer Banken nicht länger erwünscht sind.

Zudem kommen neue, wohlhabende US-Kunden hinzu, die ihre Vermögensverwerte global diversifizieren wollen und diese Kompetenz bei ihren lokalen Vermögensverwaltern vermissen. «Wir kennen die Welt», sagt Mark Eberle, Co-Gründer und Partner bei Bellecapital, «und haben keine Probleme, unsere Performance mit jener von bekannten US-Vermögensverwaltern zu vergleichen.»

Im Depotgeschäft unschlagbar

Auch wenn eine SEC-Registrierung Bellecapital dazu ermächtigt, Depots bei Banken in den USA zu verwalten, besteht die Absicht, Kundengelder wenn immer möglich bei Banken in der Schweiz zu platzieren. «Schweizer Banken sind im Depotgeschäft unschlagbar», schwärmt Beat Bass, Mitgründer und Partner bei Bellecapital.

«Dank ihrer jahrzehntelangen Erfahrung im Private Banking sind die gebotenen Dienstleistungen auf höchstem Niveau. Wer sonst ist heute in der Lage, an fast jedem Börsenplatz dieser Welt und sei er noch so exotisch Titel zu handeln und sogar in Lokalwährung?»

Strenge Bestimmungen in den USA

Doch die Vorgaben sind streng. So verlangt das neue Gesetz, welches in diesem Sommer in Kraft tritt, dass sich alle Vermögensverwalter mit mehr als 15 US-Kunden respektive über 25 Millionen Dollar an verwalteten Vermögen der SEC unterstellen. Die amerikanischen Vorschriften für das Vermögensverwaltungsgeschäft weichen in verschiedenen Bereichen von den Schweizer Vorgaben ab.

Dazu kommt, dass andere Publizitätsvorschriften gelten. Aus diesem Grunde empfiehlt sich die Gründung einer eigenständigen Gesellschaft, die räumlich getrennt ist von bereits bestehenden Schweizer Rechtseinheiten.

Aufsehen in der Branche

Mit dem Vorstoss ins US-Geschäft hat Bellecapital in der hiesigen Branche bereits für einiges Aufsehen gesorgt. Und dies nur wenige Jahre nach der Gründung des Unternehmens durch Werner Diehl und Beat Bass, beides zwei langjährige Private Banker im Sold der Guyerzeller Bank.

Als diese 2009 vom britischen Finanzkonzern HSBC übernommen wurde, war es für Diehl und Bass der richtige Zeitpunkt, um sich selbständig zu machen gemeinsam mit dem früheren Barclays-Banker Mark Eberle. Dieses Triumvirat steht heute an der Spitze von Bellecapital.

Stark gewachsen

Das Unternehmen mit Sitz am Zürcher Bellevue, darum auch der Firmenname, beschäftigt derzeit knapp ein Dutzend Mitarbeiter, darunter Martin Jetzer, lange Zeit Chefökonom von HSBC Guyerzeller.

Zwei Jahre nach der Unternehmensgründung verwaltet Bellecapital bereits über 2,5 Milliarden Franken an Kundendepots. Von dem neuen US Geschäft verspricht man sich weitere 300 bis 500 Millionen Franken.

Personalsuche mit Egon Zehnder

Bellecapital sucht noch weitere erfahrene Kundenberater. Zu diesem Zweck arbeitet das Unternehmen eng mit der Firma Egon Zehnder zusammen, also mit einem der führenden Headhunters auf dem Platz.

Von der Geschäftsphilosophie her legt das Unternehmen Wert darauf, frei von jeglichen Sachzwängen und Interessenskonflikten zu sein und stattdessen gemäss eigener Einschätzung eine überdurchschnittliche Leistung seinen Kunden abzuliefern. Will heissen: Kein Product-Pushing zu betreiben, keine versteckten Gebühren und Retrozessionen zu verrechnen, sondern klar ausgerichtet zu sein auf einen substanziellen Mehrwert für die Kunden.

Klarer Leitsatz

«Unser Produkt ist die Performance», bringt es Werner Diehl auf den Punkt. «Wir orientieren uns nicht an einem willkürlichen Benchmark», präzisiert Beat Bass, «vielmehr ist es unser Ziel, mit den uns anvertrauten Kundengeldern eine nachhaltige, absolute Rendite zu erwirtschaften.»

Neben Bellecapital gibt es noch einige andere Finanzinstitute auf dem hiesigen Finanzplatz, die sich explizit der US-Kundenschaft annehmen. Dazu gehören etwa der Vermögensverwalter Swisspartners, die Bank Vontobel oder die liechtensteinische Kaiser Ritter Partner Gruppe. Doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Attraktive Wahlheimat Miami

Unter dem Strich könnte sich eine regelkonforme Betreuung von US-Kunden aus der Schweiz heraus als höchst einträgliches Geschäftsmodell für Schweizer Finanzinstitute entwickeln, zumal sie so auch in den USA selber aktiv werden können. «Zum Beispiel in Miami, der Wahlheimat vieler Lateinamerikaner. Das eröffnet ein zusätzliches Ertragspotenzial», betont Mark Eberle.

In einer Zeit, in der sich die Schweizer Finanzbranche mit schrumpfenden Margen, erhöhten regulatorischen Bestimmungen und einem zerbröckelnden Bankgeheimnis in Sachen Steueroptimierung konfrontiert sieht, sind neue Geschäftsmodelle angezeigt ? selbst wenn sie für manche Beobachter im ersten Moment vielleicht noch etwas gewöhnungsbedürftig sind.

 

 

 

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Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

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Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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