BZ Bank verlegt Fonds nach Luxemburg

Der Entscheid von Martin Ebners Fondsgesellschaft ist an sich unbedeutend. Doch er könnte weit reichende Folgen für den Schweizer Finanzplatz haben.

Die vom Schwyzer Financier Martin Ebner kontrollierte BZ Bank verlegt ihre drei erfolgreichen Aktienfonds (BZ Agro, Infra und Senior) nach Luxemburg.

Der Schritt ziele primär darauf ab, der wachsenden Klientel im Ausland ein so genanntes Europa-Produkt mit UCITS III-Standard anbieten zu können, wie ein Sprecher der BZ Bank auf Anfrage von finews.ch erklärte.

Die BZ Bank gründete im vergangenen Dezember in Luxemburg den BZ Equity Fund mit UCITS-III-Standard in Form einer SIVAC mit drei Subfonds. Diese entsprechen bezüglich Anlagepolitik, Kosten und Gebühren den drei bisher von der BZ Fund Management AG verwalteten Aktienfonds (BZ Agro, Infra, Senior).

Schweizer Fonds werden aufgelöst

In einem nächsten Schritt sollen nun die bisherigen Schweizer Fonds in die Luxemburger Fonds überführt werden, so dass künftig von der BZ Bank nur noch die Luxemburger Fonds angeboten werden – auch in der Schweiz.

Damit wird das gesamte Fondsgeschäft der BZ Bank nach Luxemburg transferiert, während die Schweizer Fonds aufgelöst werden. Für den öffentlichen Vertrieb der Luxemburger Fonds in der Schweiz hat die BZ Bank am vergangenen Donnerstag die Bewilligungen von der Finma erhalten.

Fund-Management wechselt in die BZ Bank

Für die Inhaber von Fondsanteilen ändert sich abgesehen vom neuen Rechtskleid und dem neuen Domizil der Fonds praktisch nichts. Sie können ihre Anteile kostenlos in solche der entsprechenden Luxemburger Fonds umtauschen, die wiederum nach den bisherigen Grundsätzen weitergeführt werden.

Das Team der BZ Fund Management unter der Leitung von Eric Bonvin wird in die BZ Bank wechseln und so für das Portfoliomanagement zuständig sein.

Wachsendes Interesse ausländischer Investoren

Der Wechsel nach Luxemburg erfolgt nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass sich die BZ-Fonds in den letzten Jahren performancemässig sehr gut entwickelt haben und sich entsprechend eine wachsende Zahl von ausländischen Investoren dafür interessierten, wie Ralph Stadler, Verwaltungsratspräsident der BZ Fund Management, gegenüber finews.ch weiter ausführte.

Um aufwändige Doppelstrukturen zu vermeiden und gleichzeitig ein europakonformes Produkt anbieten zu können, habe man sich zu diesem Schritt entschlossen.

Branchenkritik an der Finma

Wie aus Branchenkreisen aber zu vernehmen ist, erfolgt die Verlagerung auch vor dem Hintergrund, dass die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma in Sachen Zulassung mittlerweile überaus formalistisch, wenig praxisgerecht und sehr langsam agiere.

Beklagt wird überdies die hohe personelle Fluktuation bei der Behörde und die dadurch immer wieder geschmälerte Sach- und Fachkompetenz. Hinzu kämen hohe Kosten, die gerade für kleinere Anbieter eine grosse Bürde darstellten.

Luxemburg im Vorteil

Dem hiesigen Finanzplatz gehen dadurch beträchtliche Geschäfte verloren, wie das bereits vor Jahrzehnten mit dem Goldhandel, dem Eurobond-Markt und eben auch mit dem Anlagefondsgeschäft der Fall war, der sich nach Luxemburg verflüchtigte. Unter diesen Prämissen ist die Abwanderung der von Martin Ebner kontrollierten Fonds ein herber Verlust, der weitere Nachahmer finden könnte.

Symptomatisch dafür ist bereits die Tatsache, dass von den rund 7‘200 hierzulande zugelassenen Fonds nur etwa 1‘400 echte Schweizer Fonds sind; das Gros ist in Luxemburg domiziliert.

Effizienz und Dienstleistungsbereitschaft

Luxemburg habe sich seit der Harmonisierung des Fondsrechts in der EU zum bedeutendsten Finanzplatz für die Lancierung von Anlagefonds entwickelt. Beim Kontakt mit den Behörden spüre man eine grosse Effizienz und Dienstleistungsbereitschaft, so Stadler. Sämtliche Abwicklungsschritte seien innert kürzester Frist erfolgt.

Ein praxisorientiertes Regulierungsumfeld, eine flexible Aufsichtsbehörde und die Präsenz von zahlreichen internationalen Finanzinstituten hätten ideale Voraussetzungen geschaffen. Als Depotbank für die Luxemburger BZ Fonds agiert die DZ Privatbank S.A. in Luxemburg. Sie ist eine Tochter der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Klare Expansionspläne…

Angesichts der neuen Ausgangslage hat die BZ Bank dieser Tage Stefan Lindemann neu angestellt, wie finews.ch berichtete. Er soll europaweit den Vertrieb und das Marketing der BZ-Produkte verstärken und ausbauen.

Als Kunden suche man vor allem Family Offices, sehr vermögende Privatkunden (UHNWI) sowie unabhängige Vermögensverwalter. Ziel sei es überdies, auf verschiedene, grosse Fondsvertriebs-Plattformen zu gelangen, sagt Lindemann weiter.

…bis nach Asien

Das Fondsgeschäft bei der BZ Bank steht seit Anfang Jahr wieder unter der Leitung von Eric Bonvin. Mittelfristig wollen die Verantwortlichen weitere Finanzprodukte lancieren, wiederum Themenfonds, wie das mit dem BZ Agro und dem BZ Infra der Fall ist.

Zudem sollen mittelfristig auch asiatische Kunden angepeilt werden, zumal der UCITS-III-Standard in Fernost offenbar eine grosse Akzeptanz geniesst und als Qualitätsstandard gilt.

 

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Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

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Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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