Patrick J. Aregger: «Der Begriff Family Office ist inflationär»

Family Office ist nicht Family Office. Der CEO von Landert Family Office zu den Trends in der Branche und seinem Ansatz.

Herr Aregger, Family Office im Firmennamen macht noch kein Family Office. Was dann?

Der Begriff Family Office ist inflationär. Es gibt ein grosses Spektrum an Dienstleistungen, welche ein Family Office erfüllen kann, angefangen von Concierge Services – Lifestyle Themen –, das Verwalten von Immobilien und Fuhrpark, über Personalwesen bis hin zu rechtlichen und steuerlichen Fragen und der gesamtheitlichen Vermögensberatung und -verwaltung. In unserem Fall kommt dazu, dass die Unternehmung auch als Family Office für die Familie Landert tätig ist.
 
Was kann das FO, was ein unabhängiger Vermögensverwalter nicht kann?

Ein FO hat die Aufgabe, die Vermögens- aber auch die Verbindlichkeitslage des Kunden langfristig zu betrachten und eine entsprechende individuelle Anlagestrategie zu formulieren, die zusätzlich auch rechtlich-steuerlichen und auch psychologischen Gegebenheiten des Kunden inklusive dem Thema Nachfolgeplanung Rechnung tragen. Eine Bank, sowie ein unabhängiger Vermögensverwalter beschränkt sich in der Regel auf das Verwalten von liquiden Mitteln, vonWertschriften innerhalb eines Mandates.


Struktur ist wichtiger als Grösse


Wo liegt die Vermögensgrenze für ein Single Family Office?

Die Frage ist nicht nur welche Größe, eher welche Struktur ist ideal für ein Single Family Office. Allein die Fragestellungen auf rechtlich-steuerlicher und vermögensstrategischer Seite sind komplex und können nicht optimal von einem einzelnen Spezialisten abgedeckt werden. Insofern ist die Struktur idealerweise so, dass es ein Steuerungsorgan gibt, ein Strategic Board, welches die Richtung vorgibt und die Ausführung und Überwachung beauftragt und verantwortet. Diese Art der Struktur erlaubt sozusagen ein virtuelles Family Office, das heisst, es kommt mit nur wenigen Vollzeitbeschäftigten aus und liefert trotzdem hochstehende Qualität. Andererseits erlaubt es, erfahrene Spezialisten punktuell einzubeziehen, die für eine Anstellung im Family Office nicht zur Verfügung stünden. Ausnahme hier sind natürlich die ganz grossen Family Offices, die für Milliardenvermögen verantwortlich sind.

Kann ein Single FO unabhängig genug sein von der Family?

Die Strategie wird von der Familie geprägt, insofern ist da Abhängigkeit nicht gefragt. In der Ausführung sieht es anders aus. Der Patriarch will verständlicherweise seine Handschrift mit einbringen.

Es soll gegen 500 FO in der Schweiz geben. Nimmt die Zahl weiter zu oder werden einige einfach grösser werden?

Einerseits gilt zu beachten, dass viele der selbsterkorenen Family Offices eigentlich normale Vermögensverwalter sind. Andererseits wird der Standortvorteil der Schweiz – nicht zuletzt durch seine Stabilität und relative Rechtssicherheit und die hier vorhandene Kultur des Family Officers weiterhin als Magnet grosse Vermögen anziehen. Dass die Schweiz auch als Ferien- oder Wohndomizil wie auch für Ausbildungsplatz für Kinder attraktiv ist, unterstützt diese Entwicklung.


Für erfahrene Berater offen


Wo steht Ihr Unternehmen in der Landschaft heute – und morgen?

Nach dem Rückkauf der Firmenanteile aus dem Joint-Venture mit der Oppenheim Familie sind wir vollkommen unabhängig. In einer ersten Phase war es Priorität, unserer Kundenbasis das Vertrauen zu vermitteln, dass unsere Integrität, das heisst die vollständige Unabhängigkeit in Research, Anlagepolitik und Umsetzung gewahrt bleibt. In der Phase 2 haben wir unsere EU-Expansion umgesetzt und eine BaFin-lizenzierte und stark kapitalisierte Niederlassung in Deutschland, in Ludwigsburg bei Stuttgart, gegründet, die seit einigen Monaten erfolgreich operativ tätig ist. Es ist unser Bestreben, auch weiterhin unseren Kunden erstklassige Dienstleistungen zu erbringen. Dies wird geschätzt, was wir an unserem Wachstum erkennen können. Während wir in unserer Marktanalyse sehr profund sind, verfolgen wir in der Umsetzung das Prinzip der Einfachheit und Konsequenz. Wachstum ist für uns eine Funktion, mit den richtigen Partnern in die Zukunft zu gehen und nicht auf Teufel komm raus Assets zu sammeln. Für Partner auf Augenhöhe, seien es Kunden, die unsere Philosophie teilen, oder aber auch erfahrene Betreuer grosser Vermögen, die eine unabhängige Plattform für ihre Tätigkeit suchen, sind wir aber offen.

Wie geht die Konsolidierung im bankenunabhängigen Vermögensverwaltungsgeschäft in der Schweiz voran?



Ich glaube nicht an die grosse Konsolidierungswelle. Klar ist, dass die Eintrittsschranken hoch sind und stetig steigen. Realistischer ist wohl, einen kontinuierlichen Rückgang der unabhängigen Vermögensverwalter zu erwarten. Die Berater werden zusammen mit ihren Kunden älter. Für Startups muss aufgrund der regulatorischen und professionellen Anforderungen  das verwaltete Vermögen beträchtlich sein, um im heutigen Umfeld bestehen zu können. Gleichzeitig steigt aber die Nachfrage der Kunden nach qualitativ hochstehender Betreuung.

Wie stehen Sie zur Forderung von Mindeststandards für die unabhängigen Verwalter – Kapitalisierung, Grösse, Ausbildung, Aufsicht, Revision etcetera?

Höhere Anforderungen sind Schutz der Kunden. Es kann nur sinnvoll sein, die Anforderungen klar zu umschreiben, damit sich der Kunde auf das Gütesiegel eines Regulators verlassen kann.


Selbstregulierung stösst an Grenzen


Wer soll den FO auf die Finger schauen?

Selbstregulierung ist ein guter Anfang, stösst aber an Grenzen. Die Zunahme der Regulation ist heute ein Megatrend, dem sich keiner entziehen kann. Schwierig wird es, sobald die regulierenden Organe unsinnige Vorgaben machen oder an ihre eigenen Grenzen stossen; dann wird Regulation geschäftshindernd und sichert nicht mehr Kundeninteressen.

Kann ein FO oder ein unabhängiger Vermögensverwalter die wachsende Last des Legal &  Compliance überhaupt tragen?

Es wird zunehmend aufwendiger, die Anforderungen zu überblicken und zu erfüllen. Sobald dies mehr Energie einnimmt, als die eigentliche Tätigkeit für den Kunden an den Märkten, stellt sich für das Family Office eine existentielle Frage.


Fragmentierung als Handicap in der Finanzplatzdiskussion


Weshalb sind die FO und die unabhängigen Vermögensverwalter in der Diskussion um den Finanzplatz nicht aufgetreten? Hat es Ihnen ob den akuten Problemen die Stimme verschlagen?

Sicher sind die aktuellen Probleme erdrückend. Hauptgrund für das Fehlen der Stimme der unabhängigen Vermögensverwalter scheint mir jedoch die grosse Fragmentierung des Marktes. Jeder Vermögensverwalter hat eine andere DNA, der kleinste gemeinsame Nenner ist möglicherweise so klein, dass er kein gemeinsames starkes Auftreten ermöglicht.

Für einige Schweizer Akteure im Vermögensverwaltungsgeschäft ist der Gang nach Asien offenbar nur ein kleiner Schritt. Sie haben mit einem FO in Stuttgart einen grossen gemacht. Was sind die Beweggründe?

Wir betreuen Kunden aus dem EU Raum und sehen dort auch bedeutende und zunehmende Nachfrage. Der Schritt hat also sowohl regulatorische, wie auch wachstumsorientierte Gründe. Der positive Start unserer Stuttgarter Niederlassung scheint uns Recht zu geben. Der asiatische Markt hat eine eigene Dynamik: er ist saturiert, dazu gibt es kaum eine Kultur der Vermögensverwaltung, denn die Vermögen sind grösstenteils sehr jung. Statt als unbekannter Anbieter ein Brand aufzubauen, arbeiten wir mit Partnern und mittels meiner persönlichen Beziehungen, die dank meiner 10-jährigen Tätigkeit im Rohstoffhandel in der Region, vor allem in  Indien, China und Hongkong aufbauen konnte.

Wie beurteilen Sie die Lage an den Finanzmärkten?

Die Welt und der Finanzsektor sind mit bisher undenkbaren Entwicklungen konfrontiert: Die USA verlieren das AAA-Rating,die Rolle des US-Dollar als Leitwährung wird hinterfragt, der Schweizerfranken klettert von Rekordhoch zu Rekordhoch, Euro-Land ist dabei, umzuschulden und droht, auseinanderzubrechen und Revolutionen in den arabischen Ländern destabilisieren die Region weiterhin und zusätzlich. Die Politiker in der EU, wie auch in den USA agieren inkompetent, unkoordiniert und verantwortungslos, ohne ein wirksames Konzept zu haben, wie dem Schuldendebakel zu begegnen sei. Die Ansteckungsgefahr für Spanien und Italien steigt. Barack Obama verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit, er zeigt Führungsschwäche und verpasste es, seine Wahlversprechen in die Tat umzusetzen.


Keine Finanztitel


Und wie spiegelt sich Ihre Analyse in den Portefeuilles?

Die massiven Kurzeinbrüche der vergangenen Wochen beruhen auf der Erkenntnis der Märkte, dass es keinen schmerzfreien Ausweg gibt. Die Wirtschaftserholung verliert in einem besonders kritischen Moment an Schwung. Das positive Micro-Umfeld hat die Aktienmärkte bis im Juni gestützt. Trotz fairen Bewertungen hat das Risiko in den Aktienmärkten zugenommen: Druck auf Profitmargen, negatives Investor Sentiment, schwache technische Markttrends. Allgemein halten wir eine sehr niedrige Aktienquote – keine Finanztitel – und haben den Schweizer Franken übergewichtet, ebenso wie die Position an physischem Gold. Die Risiken, Ungewissheiten und demzufolge die Volatilitäten bleiben hoch, ebenso wie die Komplexität der wirtschaftlichen Herausforderungen.



 Patrick.Aregger.klPatrick J. Aregger, Jahrgang 1963, ist seit 1. Dezember 2009 als Geschäftsführer bei Landert Family Office AG tätig.

Seine Karriere begann er 1990 als physischer Rohstoffhändler für verschiedene Gesellschaften, für die er in Zug, Kalkutta, London, Peking und Hongkong tätig war. Zuletzt war ihm in der Noble Group Limited die globale Verantwortung für die Bereiche Aluminium und Energie (Kohle) übertragen.

1999 wechselte er in die Investmentbranche, wo er für die Man Group als Global Business Development Manager sowie als Regional Head Schweiz/Liechtenstein in Pfäffikon/SZ tätig war.
2001 gründete er, zusammen mit Noble Group Limited als Partner, die Noble Investments Gruppe, die sich auf die Beratung, das Strukturieren und den Vertrieb von Finanzprodukten, vor allem in den Bereichen Commodities und Hedge Funds spezialisierte. Ende 2006 wurde Noble Investments an die Horizon21-Gruppe von Rainer-Marc Frey verkauft. Patrick J. Aregger wurde Partner in Horizon21 und übernahm die Funktion als Head Distribution, verantwortlich für die gesamte Produktepalette und globale Kundenbasis.



 

Das Landert Family Office besteht seit über 30 Jahren. Gegründet von Gerhard Landert, fokussierte es sich ursprünglich auf die makro-ökonomische und strategische Vermögensberatung großer privater wie auch institutioneller Adressen. Heute betreut das Landert Family Office einige Milliarden Schweizer Franken für in- und ausländische Kunden. Die Landert Family Office AG ist als Beraterin bei circa 20 Kunden tätig, vornehmlich Institutionelle. Zusätzlich zur Beratungstätigkeit entwickelte sich die Vermögensverwaltung. Seit über 25 Jahren betreut Landert Family Office AG das Geldvermögen von circa 70 grossen privaten und institutionellen Adressen im In- und Ausland.

Im Jahre 2007 beschloss Dr. Landert, im Zuge seiner Nachfolgeregelung, mit der Familie Oppenheim ein Joint-Venture einzugehen. Baron Christopher Oppenheim wurde Verwaltungsratspräsident. Mit dem Verkauf der Bank Sal. Oppenheim an die Deutsche Bank wurde klar, dass das auf totaler Unabhängigkeit basierte Geschäftsmodell mit der Deutschen Bank als ‚Senior Partner‘ gefährdet war. Dr. Landert entschloss sich, alle Anteile zurückzukaufen und die Nachfolgelösung aus eigenen Kräften anzugehen. Er machte den bisherigen Geschäftsführer Patrick J. Aregger zum CEO und Partner und es wurde beschlossen, eine Erweiterung in Deutschland umzusetzen, mittels einer stark kapitalisierten und BaFin lizenzierten Niederlassung in Baden Württemberg (Ludwigsburg). Die Firma ‚Landert Family Office Deutschland AG‘ wurde im Januar 2011 gegründet.

Landert Family Office AG beschäftigt in der Schweiz 12 Mitarbeiter, Landert Family Office Deutschland AG beschäftigt 6 Mitarbeiter in Ludwigsburg.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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