Herr Weber, Bernburger gibt's nicht im McDonald's

Wie finews.ch vernommen hat, ist der designierte UBS-Präsident Axel Weber bereit für weitere Einblicke in die Schweizer Mundart.

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Sehr geehrter Herr Weber

Es freut uns, dass Sie unsere «Einführung ins Züritüütsch» mit Interesse zur Kenntnis genommen haben. Dies motiviert uns, gemeinsam mit Ihnen den Blick über die Kantonsgrenzen hinweg zu wagen, denn Sie haben ja angekündigt, dass Sie sich in der Schweiz niederlassen werden, was uns natürlich freut. Dies nota bene nicht nur – aber auch – mit Blick auf das Steuersubstrat.

Auf dem Grill

Wie Sie der «Bilanz» Nr. 14 vom 29. Juli entnehmen konnten, haben die Zürcher, und damit meinen wir auch die Journalisten, bisweilen etwas rauhe Umgangsformen.

Da sind Sie noch nicht einmal in Amt und Würden und schon folgt von Zürich West (dort sind die Redaktionen von Axel Springer Schweiz) der erste Schuss vor Ihren Bug. Sie sollten dies nicht tragisch nehmen: Hauptsache man redet von Ihnen. Es ist im Übrigen wie beim «Manager Magazin»: Wer dort noch nie grilliert (helvetisch für «gegrillt») wurde, hat etwas falsch gemacht.

Nicht immer einfach zu verstehen

Im Westen von Zürich inklusive den Vorortsgemeinden im Limmattal sollten Sie im Übrigen eine gewisse Vorsicht walten lassen. Angenommen Sie werden von einem jungen Mann gefragt: «He Mann, häsch Problem?», dann meint er in Wirklichkeit, ob Sie Probleme mit ihm wollen.

Die Jugend in den westlichen und nördlichen Vororten von Zürich ist übrigens auf Grund ihres ungezwungenen Umgangs mit der Schweizerdeutschen Grammatik und einem starken Akzent aus den Heimatstaaten ihrer Eltern nicht immer einfach zu verstehen.

«Sek Schliere» anschauen

Schauen Sie sich für eine Einführung am besten den Film «Sek Schliere» mit René Rindlisbacher in der Hauptrolle an. Sollten Sie je im Tram oder auf dem Weg zu einem Fussballspiel des FC Zürich blöd angequatscht werden, so wäre ein probates Mittel zur Deeskalation der Ausdruck: «He easy, Mann, tue mal chille!» (Frei übersetzt: Immer mit der Ruhe, Mann!).

Doch die Zürcher (wir wiederholen aus Kurs 1: NICHT «Züricher») sollten Sie inzwischen im Griff haben. Das Schweizerdeutsche kennt aber noch wesentlich höhere Hürden.

Weder Mandarin noch Kantonesisch

Beginnen wir im wirklichen Züri West – so heisst eine Berner Band: In der Bundesstadt. Der Vorteil für Sie ist die sprichwörtliche Langsamkeit der Bevölkerung.

Doch Vorsicht: Erstens sollten Sie nie darüber lachen, dass ein Berner Zuhörer ihren Witz erst in einer halben Stunde verstanden hat. Und zweitens ist die Berner Mundart derart speziell, dass Sie zu Beginn nur Bruchstücke verstehen.

Machen wir einen Test: «D'Ching wei Hung«: Das ist weder Mandarin noch Kantonesisch, sondern Berndeutsch für «die Kinder wollen Honig».

Dasch e Löu!

Das Berndeutsche ist übrigens wunderbar lautmalerisch, etwa wenn man von einem Abwesenden sagt: «Dasch e Löu!» (Zürichdeutsch: «Dasch en Löli», Hochdeutsch: «Das ist ein Döskopp»). Passen Sie bei den Bernern übrigens auf: Die sind nicht unhöflich, wenn sie Sie mit «Ihr» ansprechen. Das ist im Kanton Bern und im Kanton Solothurn (und nur dort) die Höflichkeitsform.

Und noch etwas: Wenn Sie von einem Bernburger hören, dann sollten Sie nicht an Junk Food denken sondern an altes Geld: Die Burgergemeinde vereinigt allerlei High Networth Individuals (wie man in Ihren Kreisen sagen würde) – daneben aber auch ein paar Normalsterbliche.

Und last but not least: Die ganz feinen Berner erkennt man nicht etwa an Ihren Brioni-Anzügen. Daran vielleicht auch.

Zäpfchen-R als Demarkationsmerkmal

Nein, die reden im Gegensatz zum «gemeinen Volk», welches das «R» kräftig rollt, mit dem so genannten Zäpfchen-R: Wenn Sie in Bern also mit dem Zäpfchen-R angesprochen werden, sollten Sie dem entsprechenden Individuum sofort einen kulturell geschulten Kundenberater auf den Pelz hetzen.

Aber bitte keine vorschnellen Erfolgsvorstellungen. Den Bernern sitzt der Geldbeutel so tief in der Tasche wie bei Ihnen den Schwaben.

Berner Börse als Trutzburg

Bemerkenswert ist übrigens die Berner Beharrlichkeit. Da fusionieren Börsen seit einigen Jahren sogar transkontinental: Das ist den Bernern einerlei. Die hegen und pflegen weiterhin ihre lokale Börse, welche sich der eidgenössischen Konsolidierung vor bald 20 Jahren entzogen hat.

An der Berne eXchange wird jährlich so viel Umsatz gemacht wie an der Schweizer Börse alias SIX Swiss Exchange in einem Tag. Trotzdem brauchen die Berner Börsianer im Durchschnitt fünf Tage länger als die Konkurrenz in Zürich, um die monatlichen Umsatzzahlen zu veröffentlichen.

Falls Sie hiezu je eine Punchline brauchen, so kommentieren Sie kurz: «Nume gäng nid z'gleitig!» (frei übersetzt: «Immer mit der Ruhe».)

Bier zur Konsolidierung

Wir wünschen Ihnen für das Berndeutsch-Studium viel Spass. Gönnen Sie sich im Café Fédéral zur Konsolidierung des Gelernten ein Gurten Bier. Wenn Sie mit einem Berner anstossen, sagen Sie «Gsundheit!» (Berndeutsch für «Prost!»). Wenn Sie das Berndeutsch dereinst problemlos verstehen, haben wir übrigens weitere Herausforderungen auf Lager.

So etwa die Mundart der deutschsprachigen Freiburger. Dazu kurz eine Kostprobe, bzw. Vorschau: «Güschtu, chusche ummi uhi?» («Gustav, kommst Du bald wieder herauf?»)

U jetze säge mir härzlechi Grüess nach Frankfurt, Herr Wäber, nämet's nid gsprängt! («Und jetzt sagen wir: herzliche Grüsse nach Frankfurt, Herr Weber, nehmen Sie's gelassen.

Ihre finews.ch-Redaktion

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