«Vontobel ist an Akquisitionen interessiert»

Die Konsolidierung bringe Bewegung in die Branche. Für Vontobel seien das einmalige Chancen, sagt Private-Banking-Chef Peter Fanconi gegenüber finews.ch.

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Für Peter Fanconi (Bild) kommt die Konsolidierung im Schweizer Bankensektor nur bedingt überraschend. Vieles habe sich in den letzten Jahren bereits abgezeichnet. Darum habe die Bank Vontobel auch schon früh ihre Strategie an die neue Situation angepasst.

Einzig die Kadenz der jüngsten Deals rund um Sarasin und Clariden Leu sei gestiegen und dürfte sich auch im nächsten Jahr fortsetzen, erklärt der Private-Banking-Chef von Vontobel im Gespräch mit finews.ch.

Unabhängigkeit als Vorgabe

Vor diesem Hintergrund fühlt sich die Zürcher Traditionsbank in einer guten und finanziell soliden Position. «Wir wollen als Übernehmer auftreten», erklärt Fanconi, der seit März 2009 das Private Banking bei Vontobel leitet. «Wir sind an Akquisitionen interessiert, weil wir nicht nur organisch weiter wachsen wollen», sagt er.

Allerdings setzen die Hauptaktionäre der Familie Vontobel klare Bedingungen dafür: Die Bank muss unabhängig bleiben. Unter diesen Prämissen kommen nur Institute mit Vermögen zwischen 5 und 20 Milliarden Franken in Frage.

«Das ist die Grössenordnung, in der wir in der Führungsrolle bleiben und die Kompetenz haben, eine Bank erfolgreich zu integrieren», präzisiert Fanconi. «Ich bin ohnehin kein Freund von Mega-Mergers. Die Geschichte hat gezeigt, dass die wenigsten Elefantenhochzeiten erfolgreich sind.»

Keine substanziellen Abflüsse

Übernahme-Erfahrungen sammelte Vontobel vor gut zwei Jahren mit dem Kauf des Schweizer Ablegers der deutschen Commerzbank. Während in der Branche gemunkelt wurde, die Schweizer hätten dabei erhebliche Schwarzgeld-Depots übernommen, stellt dies Fanconi klar in Abrede: «Wir hatten keine substanziellen Abflüsse.»

Die übliche Schwundrate von 15 bis 20 Prozent in den ersten zwei Jahren habe sich überhaupt nicht materialisiert.«Der Commerzbank-Deal war eine erfolgreiche Übernahme. Die Integration klappte bestens», sagt Fanconi. Mittlerweile verwaltet Vontobel allein im Private Banking rund 30 Milliarden Franken und beschäftigt an weltweit 15 Standorten etwa 400 Personen.

Starker Anstieg der Bewerbungen

Als bisher letztes Standbein kam Anfang November der Private-Banking-Standort Dubai hinzu, wo aktuell acht Mitarbeiter unter der Führung des ehemaligen HSBC-Bankers Ramzi Charaf arbeiten, wie auch finews.ch berichtete.

Zusammen mit seinem Team soll der schweizerisch-libanesische Doppelbürger die Marke Vontobel vor Ort verankern.

Interesse an neuen Mitarbeitern

Um weiteres Wachstum zu generieren, ist Vontobel auch an neuen Mitarbeitern interessiert. «Derzeit sind extrem viel gute Leute auf dem Markt», stellt Fanconi fest. Die Zahl der Bewerbungen habe in den letzten Monaten deutlich zugenommen.

«Vontobel ist bekannt dafür, keine Hire-and-fire-Politik zu betreiben. Das ist ein starkes Signal im heutigen Umfeld», sagt der Vontobel-Banker. Die Marke Vontobel stehe heute für Unabhängigkeit, Stabilität und strategische Weitsicht.

Expansion nach Asien verpasst?

Tatsächlich musste sich Vontobel bis vor einigen Jahren noch den Vorwurf gefallen lassen, eher undynamisch zu agieren und dabei auch die Expansion nach Asien verpasst zu haben. Bemängelt wurde zudem der Umstand, dass sich die Bank nicht konsequent auf die Vermögensverwaltung konzentriere, sondern auch im Investmentbanking tätig sei.

Unter den veränderten Rahmenbedingungen kommt der Bank Vontobel dieses integrierte Geschäftsmodell durchaus zugute. «Vontobel gilt als Fels in der Brandung, nicht nur aus Kundensicht, sondern auch für leistungsorientierte und engagierte Mitarbeitende, die in der Blüte ihrer Karriere stehen und sich beweisen wollen», erklärt Fanconi.

Affinität zu Veränderungen

Statt Einstellungsstopp stehen die Türen bei Vontobel grundsätzlich offen. «Dabei interessiert uns nicht bloss die Aussicht auf mehr Assets, sondern der effektive Business Case jedes einzelnen Bewerbers. Da zeigt sich, ob er Verständnis für das gewandelte Umfeld hat und regulatorisch sattelfest ist», betont Fanconi.

Gesucht sind Leute mit Fronterfahrung in den Kernmärkten Schweiz, Deutschland und Osteuropa, und die eine grosse Affinität haben zu den Veränderungen im Crossborder-Geschäft. «Man muss fit sein, und die neuen Rahmenbedingungen aus dem Effeff kennen», sagt Fanconi.

Das klassische Profil des Relationship Managers habe sich markant verändert, sagt der Banker. «Heute müssen die Mitarbeitenden genau verstehen, welche Dienstleistungen und Finanzprodukte sie in den unterschiedlichen Märkten anbieten können.»

Eigeninitiative zwingend

Fanconi ist überzeugt, dass sich im Schweizer Private Banking nun die Spreu vom Weizen trennt. «Es dürfte immer noch Finanzinstitute und vereinzelt auch Bankangestellte geben, die in der alten Welt stehengeblieben sind, und die verzweifelt an früheren Strukturen festhalten. Vontobel hingegen ist in der neuen Welt angekommen», sagt Fanconi. Kundenberater müssten deshalb bezüglich Weiterbildung zwingend eine grosse Eigeninitiative entwickeln.

Weil die Planungssicherheit in den letzten Jahren massiv gesunken ist, braucht es heute in der Branche tatsächlich ein Denken in Optionen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des markant gestiegenen politischen Einflusses in der Finanzwelt. Das Hin und Her bei der Abgeltungssteuer sei ein treffendes Beispiel dafür, unterstreicht Fanconi.

Kommissionen rechtfertigen

Heute zählen ganz offensichtlich nicht mehr nur marktspezifische Faktoren im Umgang mit der Klientel. Die Performance baut heute auf einer Vielzahl unterschiedlichster Aspekte auf, zu denen auch die volkswirtschaftlichen und eben auch politischen Entwicklungen gehören.

«Nur wer mit der entsprechenden Investmentkompetenz ausgerüstet ist, kann auf Dauer seine Beratungsgebühren und Kommissionen rechtfertigen», sagt Fanconi.


Peter_Fanconi_kPeter A. Fanconi leitet seit März 2009 das Private Banking der Vontobel-Gruppe und ist Mitglied der Gruppenleitung. Der 44-jährige Zürcher studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich, bevor er 1995 als Consultant bei der SCG St. Gallen Consulting Group anheuerte.

Fanconi war mehrmals auch als Unternehmer erfolgreich; 1997 machte er sich mit der Gründung der MAP Group selbständig. 2001 erfolgte die Übernahme durch PricewaterhouseCoopers (PwC).

Als jüngster Partner von PwC war Fanconi zuständig für den Aufbau des Business Developments innerhalb Corporate Finance. 2003 wechselte er als Managing Partner zur Harcourt Gruppe und übte ab 2007 die Funktion des CEOs aus.

Mit der Übernahme von Harcourt durch die Vontobel-Gruppe ist Peter Fanconi zu Beginn 2009 als Leiter Private Banking und Mitglied der Gruppenleitung zur Bank Vontobel gestossen.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

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Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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