Fall Wegelin: «Manche Mitarbeiterinnen haben bloss noch geweint»

Die Bestürzung bei den Beschäftigten der Ostschweizer Privatbank Wegelin ist enorm. Sie erfuhren die Hiobsbotschaft auch erst am Freitagmorgen.

Wegelin_Logo

Für die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war es ein Schock, als sie heute Morgen am Hauptsitz der Bank Wegelin in St. Gallen von der Nachricht erfuhren.

Niemand hatte damit gerechnet, obschon der Druck und die Verunsicherung in den letzten paar Wochen fast unerträglich geworden waren, wie einzelne Beschäftigte gegenüber finews.ch erklärten.

In Tränen ausgebrochen

Die meisten Kunden seien ebenfalls verunsichert gewesen und hätten pausenlos die Bank angerufen, manche von ihnen hätten auch ihre Konten saldiert, weil sie nicht mehr wussten, wem sie vertrauen sollten.

Als dann der geschäftsführende Teilhaber Konrad Hummler die Hiobsbotschaft über Mikrophon in mehrere Räume der Bank sowie in die verschiedenen Schweizer Standorten aussandte, seien manche Mitarbeiterinnen in Tränen ausgebrochen, heisst es weiter.

Allzu rasantes Wachstum

Vielen Beschäftigten sei das unrühmliche Ende der Ära Wegelin bis in die Knochen gefahren, zumal im Hause stets eine ganz besondere, höchst persönliche Stimmung geherrscht habe. Man habe sich wie eine grosse Familie gefühlt, sagen manche, vor allem jene Beschäftigten, die schon vor Jahren dabei waren, als die Bank gerade einmal 40 Mitarbeiter zählte. Heute sind es 700.

Das rasante Wachstum in den letzten paar Jahren dürfte mit ein Grund sein, welcher der Bank Wegelin schliesslich das Genick gebrochen hat – und nicht nur das USA-Problem.

Kosten gingen in die Höhe

Tatsächlich legte das Institut in der jüngsten Vergangenheit ein Expansionstempo an den Tag, das erstaunte und auch gewisse Bedenken weckte. Es entstanden laufend neue Standorte in der Schweiz, immer mehr Finanzprodukte wurden kreiert, eine Online-Bank fürs Private Banking wurde ins Leben gerufen und immer mehr Leute und auch Partner schlossen sich Wegelin an.

Damit gingen auch die Kosten in die Höhe, und Folge dessen mussten Erträge her, die immer weniger mit der umsichtigen und vertrauensvollen Art generiert wurden, die Konrad Hummler als Vorzeige-Privatbankier nach aussen hin verkörperte. Die wachsende Zahl an Teilhabern veränderte zusätzlich die Atmosphäre im Hause.

Ostschweizer Lösung

Was bleibt, ist die Zusicherung seitens der Raiffeisen-Gruppe, welche die 700 Beschäftigten von Wegelin übernimmt. Hätte eine klassische Privatbank die Firma Wegelin übernommen, wäre es garantiert zu Doppelspurigkeiten und damit auch zu einem Stellenabbau gekommen.

Insofern ist die jetzige Lösung vorteilhaft und erst noch «ostschweizerisch», wie dies Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz an der Medienkonferenz am Nachmittag in Zürich unterstrich.

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