«UBS und CS sind nach wie vor zu gross»

Maurice_Pedergnana«Die beiden Schweizer Grossbanken müssen sich definitiv auf eine neue Welt einstellen», sagt der Finanzprofessor Maurice Pedergnana.

Maurice Pedergnana ist Professor für Banking & Finance an der Hochschule Luzern – Wirtschaft- und Studienleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug, IFZ.

Die goldenen Jahre mit Aktienkursen von über 70 Franken (UBS) und 90 Franken (Credit Suisse) sind zwar noch nicht allzu lange her, doch das Bankenumfeld hat sich derart fundamental verändert, dass man sich am besten gar nicht mehr daran erinnert.

Der Übergangs-CEO Oswald Grübel hat der UBS mit 15 Milliarden ein Gewinnziel vorgegeben, das an den Realitätsverlust einer ganzen Manager-Generation erinnert. Selbst in der Credit Suisse herrschte noch vor einem Jahr Zuversicht, sich besser als die Vergleichsgruppe zu entwickeln.

Im Vergleich geradezu klein

Nach dem enttäuschenden Ergebnis mit einer Eigenmittelrendite von 4,4 Prozent bei deutlich verringerten Boni-Ausschüttungen ans Kader kehrt Ernüchterung ein. Die besten Investmentbanken wie Goldman Sachs werden inskünftig gar nicht erst in den Vergleich einbezogen.

Für die Schweiz bleiben die beiden Banken nach wie vor «zu gross», und dennoch sind sie geradezu klein im Vergleich mit einer HSBC (310'000 Mitarbeitende), Bank of America Merill Lynch (290'000), Citigroup (267'000) und Deutsche Bank (103'000).

Gas geben

Und während die Konkurrenz grösser wird und auf den globalen Finanzplätzen immer dichter vernetzt ist, setzen die Schweizer Banken auf einen Stellenabbau von 5 bis 7 Prozent. Kundenberater sollen vom Stellenabbau zwar nicht betroffen sein. Dort soll Gas gegeben werden, aber mit weniger Support, dort wird umso stärker gebremst.

Mit einer Ausnahme, die sich in der IT sowie in Risikoüberwachungs- und Stabs-Abteilungen auswirkt: Steigende Compliance-Anforderungen müssen mehr denn je beachtet werden, und das erfordert immer mehr die Kosten für die Umsetzung der vielfältigen Regulierungsvorschriften.

Verlust an Flexibilität

In verschiedenen Bereichen, von denen die Kundschaft nicht direkt betroffen ist, sind die Kostentrends immer noch deutlich am Steigen. Ohne Zweifel verlieren dadurch die Banken – übrigens auch grössere Kantonalbanken – Flexibilität in ihrer Kostenstruktur.

Unabhängig davon, ob das Marktumfeld günstig ist und Erträge generiert oder nicht, nehmen die Fixkosten zu. Darauf kann entweder mit der Senkung des Vergütungsniveaus oder mit dem Abbau des Personalbestandes – oder einer Kombination davon – reagiert werden.

Ohne erkennbare Extra-Nutzen

Vor diesem Hintergrund verkündet der neue UBS-CEO Sergio Ermotti tiefere, gleichzeitig aber auch realistische Ziele bis 2016, wobei 2012 als Übergangsjahr der Strategieanpassung zu betrachten ist.

Das Schweizer Geschäft ist effizient und rentabel. Doch die Investmentbank verwässert die Wirtschaftlichkeit und Profitabilität im gesamten Konzern, ohne einen erkennbaren Extra-Nutzen für das stabilere und zukunftsträchtigere Vermögensverwaltungsgeschäft zu erbringen.

Weniger als der buchalterische Wert

Der Verwaltungsrat setzt mit der Wiederaufnahme einer minimalen Dividende auch kein Zeichen der Zuversicht. Vielmehr handelt es sich um eine weitere Massnahme, in widrigen Kapitalmarktverhältnissen mehr langfristige Aktionäre zu finden. Zahlreichen grossen Pensionskassen ist es nämlich verboten, in Unternehmen zu investieren, die nicht Dividenden auszahlen.

Allerdings schwanken die Erträge und Gewinne derzeit immer noch so stark, dass eine UBS-Aktie gegenwärtig sogar weniger kostet als ihr buchhalterischer Wert.

Tiefe Eigenkapitalquote

Bei der Credit Suisse irritiert seit mehreren Quartalen, dass die nach Basel III berechnete Eigenkapitalquote bei bescheidenen 7,4 Prozent liegt. Das ist ein Wert, der auch im internationalen Vergleich nicht mehr allzu solide ist.

Durch tiefere risikogewichtete Aktiven soll diese rasch verbessert sowie die Erträge und Gewinne der Investmentbank stabilisiert werden. Dies wurde schon von verschiedenen Grossbanken oft versprochen, aber kaum je gehalten. Warten wir ab.

Etwas für langfristig denkende Aktionäre?

Die Credit Suisse ist ein Bankhaus mit vielen Kompetenzen insbesondere im Private Banking; vielleicht gelingt diesmal der Tatbeweis. Für langfristig denkende Aktionäre könnte sich das lohnen; die Skeptiker haben sich alle schon längst verabschiedet.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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