Mai
17
2012
Today
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Für Robert Vogler, früherer Chef-Historiker der UBS, ist es ein Affront, dass an der 150-Jahr-Feier der Bank auch Manager geladen waren, welche die Bank fast ruiniert hätten.

Robert_Vogler_3Wie man verschiedenen Sonntagsblättern entnehmen konnte, feierte die UBS im Hallenstadion Zürich ihr Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen. Das Unternehmen hat verschiedenste Urväter, und deshalb wurde das Gründungsjahr der Bank in Winterthur von 1862 als Fixpunkt ausgewählt. So weit, so gut.

Allerdings muss die Tatsache, dass auch die Garde der für die Katastrophe der Bank Verantwortlichen geladen wurde, zu denken geben. Die Anwesenheit von Ospel & Co. wird als eine absolute und zynische Geschmacklosigkeit beurteilt: Haben denn die heutigen Verwaltungsrats- und Konzernleitungsmitglieder nicht mehr genug Chuzpe, um eine solche Feier durchzuführen ohne jene, welche die grösste Bank der Schweiz nur einen Wimpernschlag entfernt an den Rand des Abgrunds geführt hatten?

Dass die betreffenden Personen die Einladung der Bank angenommen und sich im Kreis der Feiernden gezeigt haben, ist ebenso bezeichnend.

Für die gebeutelten Aktionäre und den seit Jahren gefrusteten Angestellten handelt es sich dabei um einen absoluten Affront, ebenfalls gegenüber vielen enttäuschten Kunden und einer breiten Öffentlichkeit, die für die UBS gradstehen musste.

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – auch viele ehemalige – halten mit ihrer Verärgerung nicht zurück und finden das mehr als eine Zumutung, nämlich einen Skandal.

Offenbar hat man an der Bahnhofstrassee 45 noch immer nichts gelernt. Wenn schon Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger nicht eingeschritten ist, so hätte man zumindest dem neuen UBS-CEO zutrauen können, dass er die Veranstaltung bereits nach seinem Amtsantritt sofort gestrichen oder zumindest die Gästeliste einer Säuberung unterzogen hätte. Deutlich mehr Fingerspitzengefühl wäre angebracht gewesen.

So erhält man den Eindruck, die einzige Lehre aus der Geschichte sei, dass es aus ihr nichts zu lernen gibt.


Robert U. Vogler war von 1988 bis 1998 Pressesprecher der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), danach Leiter von Historical Research und bis Anfang 2009 Senior Political Analyst bei Public Policy von UBS. Bekannt wurde er durch seine grundlegende Schrift «Das Schweizer Bankgeheimnis: Entstehung, Bedeutung, Mythos» (2005). Seit 2009 wirkt er als unabhängiger Historiker.

Kommentare 

 
#8 Schumenko 2012-03-24 11:48
Wenn die UBS diejenigen, die sie während der letzten Jahre fast in den Abgrund geführt haben, nicht eingeladen hätte, wer hätte da überhaupt noch kommen dürfen?
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#7 Brigitta Moser-Harde 2012-02-26 18:52
Robert Vogler bringt es auf den Punkt. Die Durchführung dieser 150-Jahrfeier ist ein Skandal und war zudem total überflüssig. Die Grossbank UBS wurde erst 1998 durch den Zusammenschluss SBG und SBV gegründet und hat gar nichts mehr mit der 1862 in Winterthur gegründeten Bank zu tun. Hätte der Staat die UBS nicht vor der drohenden Insolvenz gerettet, die Ospel & Co. durch massive Spekulationen mit US-Immobilienpapieren verursacht hatten, wäre die Grossbank gerade mal 10 Jahre alt geworden. Die Verantwortlichen dieses Flops und des US-Steuerskandals zu dieser Jubiläumsfeier noch einzuladen, ist ein unentschuldbarer Affront. Besonders da die Erkenntnisse aus den Tausenden von UBS-Kundendaten sowie die Dummheit weiterer Banker den USA genug Material lieferten, um von der Schweiz noch weitere Bankkundendaten zu erpressen. Eine nicht enden wollende Bedrohung unseres Finanzplatzes, die die offizielle Schweiz zudem pausenlos auf Trab hält.
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#6 Franz Peter 2012-02-24 23:50
zitiere haechamatus:
Der Mensch folgt, ob er will oder nicht, biologischen Gesetzen:"Eine Sozietät kann eine einmal eingeschlagene Entwicklung nicht korrigieren ausser durch Tod." Und weiter: "Die Dekadenz einer Sozietät beginnt immer oben, bei den Führern." Wenn ich die zunehmende Verachtung unserer Gesellschaft dem Menschen gegenüber(also gegen sich selbst)täglich erlebe, muss ich sagen, die Dekadenz ist schon beim Pyramidenfuss angelangt - wir akzeptieren es doch! Seid Ihr so eingebildet und glaubt ein paar Zeitungsartikel könnten etwas verändern?


...Seid Ihr so eingebildet und glaubt ein paar Zeitungsartikel könnten etwas verändern?
Nein aber wir sollten es immer wieder versuchen!
Franz Peter
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#5 haechamatus 2012-02-24 01:54
Der Mensch folgt, ob er will oder nicht, biologischen Gesetzen:"Eine Sozietät kann eine einmal eingeschlagene Entwicklung nicht korrigieren ausser durch Tod." Und weiter: "Die Dekadenz einer Sozietät beginnt immer oben, bei den Führern." Wenn ich die zunehmende Verachtung unserer Gesellschaft dem Menschen gegenüber(also gegen sich selbst)täglich erlebe, muss ich sagen, die Dekadenz ist schon beim Pyramidenfuss angelangt - wir akzeptieren es doch! Seid Ihr so eingebildet und glaubt ein paar Zeitungsartikel könnten etwas verändern?
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#4 Franz Peter, ex UBS 2012-02-24 00:23
Es passt ja alles zusammen! Die alten Raffsucht-Manager werden von den neuen rehabilitiert. Die grosse Entäuschung Villiger bietet dazu natürlich auch noch Hand. Ospel & Co. die ihre Raub-Gehälter mit ihrer grossen Verantwortung rechtfertigten, das Unternehmen ruiniert und sich mit Millionen verabschiedet haben prosten sich nun wieder mit Champagnier zu. Vermutlich lachen sie dabei über die unzählige Mitarbeiter und Aktionäre die die Zeche zahlen. Prost - wohl bekomms!
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#3 Hanspeter Bürgin 2012-02-23 23:21
Glückwunsch zu diesem Kommentar, der eigentlich in den Sonntagsmedien hätte stehen müssen. Aber die Chefredaktoren waren ja selber unter den geladenen Gästen... Die UBS lässt jedes Fingerspitzengefühl vermissen. Aber noch schlimmer, dass Ospel & Co. (inkl. Blocher) der Einladung überhaupt Folge leisteten. Hätten sie noch ein Funkte von Ehrgefühl, wären sie zu Hause (oder in den Skiferien) geblieben.
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#2 Jack Geber 2012-02-23 12:36
Noch ein Beweis, dass es keine neue UBS gibt, sondern nur die alte, die sich ein bisschen verkleidet hat. Schöne Fasnacht!
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#1 Renate Boetschi 2012-02-23 08:14
Recht hat er. Es kommt einem so vor, als ob der Club der angestellten Manager-Darsteller und dreisten Abzocker gar nicht merkt, wie wenig ihre komfortable finanzielle Situation und ihr Status mit echter erbrachter eigener Leistung zu tun hat. Das sind alles total Ueberflüssige Herren, die durch hunderte andere ersetzt werden könnten. - Von den tatsächlichen, treuen Leistungsträgern war wohl niemand eingeladen. Man muss ja im BS-Club unter sich bleiben.
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