Steuerbetrug: Anwalt im Visier der US-Justiz

In einem Steuerbetrug ermittelt die US-Justiz gegen die Familie eines Fonds-Pioniers. Hausbank war die UBS, und im Visier der USA soll sich ein Schweizer Anwalt befinden.

Im Zentrum des Falls stehe die Familie des ehemaligen Vizepräsidenten der Fidelity-Anlagefondsgruppe, Harry Seggerman, wie der «Tages Anzeiger» am Montag berichtete. Als Seggerman mit 73 Jahren im August 2001 verstarb, vermachte er seinen Nachkommen ein Vermögen von über 20 Millionen Dollar; die Hälfte davon offenbar auf unversteurten Konti in der Schweiz.

Kurz nach seinem Tod sollen seine Frau und vier Kinder zusammen mit dem britischen Anwalt Michael Little einen Plan entwickelt haben. Zunächst wurde das Geld der Klageschrift zufolge auf Konti übertragen, die auf Little sowie einen namentlich nicht genannten Schweizer Anwalt lauteten. Von dort wurden die Gelder nach London übertragen; und von dort weiter – unter anderem in Form von Reisechecks – in kleinen Tranchen von 10'000 Dollar in die Vereinigten Staaten befördert.

Codenamem «Leaky» und «Moxly»

Eine grössere Summe von 600'000 Dollar soll ausserdem 2003 in Form einer fiktiven Hypothek abgehoben worden sein. Neben der Frau des Verstorbenen mit dem Decknamen «Leaky», die den Betrug über zehn Jahre hinweg mit dem Anwalt vereinbarte, spielte der älteste Sohn eine aktive Rolle. Er entwarf eine Liste mit Codewörtern, die im E-Mail-Verkehr zwischen der Familie und den Anwälten verwendet wurden. So war Geld «Beef», ein Konto ein «Kühlschrank», eine Stiftung ein «rostiger Nagel» – und der Schweizer Anwalt hiess «Moxly».

Die UBS soll dabei als Hausbank der Familie Seggerman gedient haben, wie aus der Anklage weiter hervorgeht.

Tochter hofft auf Strafmilderung

Die US-Steuerbehörde verdanke ihre Erkenntnisse zu einem grossen Teil der Tochter Suzanne, schreibt der «Tages Anzeiger» weiter. Sie bekannte sich bereits 2010 des Steuerbetrugs für schuldig und stand seither als «sehr kooperative Zeugin» zur Verfügung.

Die Tochter bedauere es, so ihr Anwalt, dass sie die Existenz des Schwarzgeldes nicht von Beginn an aufgedeckt habe. Obwohl die UBS bereits vor vier Jahren einen Vergleich mit den USA abgeschlossen und eine Busse von 780 Millionen Dollar bezahlt hatte, dauerten die Geldtransfers in diesem Fall offenbar bis ins Jahr 2011 an. Für ihre Dienste erhielten die Anwälte jährliche Kommissionen von mehreren 10'000 Dollar.

Warnender Präzedenzfall

Die Klage soll den US-Ermittlern als abschreckendes Beispiel dienen. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die Justiz gehe nicht nur gegen die Betrüger vor, sondern auch gegen ihre Helfer. «Michael Little hat nicht nur das Gesetz gebrochen, indem er seinen Kunden zeigte, wie sie es brechen konnten. Er hat auch fundamentale ethische und moralische Anforderungen seines Berufs verletzt», wird Bharara im «Tages Anzeiger» zitiert. Wird Little verurteilt, droht ihm eine Haft von bis zu fünf Jahren.

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NEWS GANZ KURZ

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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