Josef Ackermann tritt wieder ins Fettnäpfchen

Ehrgeizige Äusserungen des Chefs der Deutschen Bank vor dem Quartalsergebnis erzürnen die deutschen Grossparteien von links bis rechts.

«Man kann es im Geschäftsleben nicht mit Absicht gemächlicher angehen lassen, nur damit alle mitkommen», sagte der Schweizer Josef Ackermann am Rande einer Veranstaltung in Deutschland gegenüber der Wirtschaftszeitung «Handelsblatt». Er meinte dies im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Deutsche Bank im ersten Quartal ihr langfristiges Ziel einer Eigenkapitalrendite von rund 25 Prozent vor Steuer voraussichtlich wieder erreichen wird.

Der Konzern wird morgen Dienstag seine Zahlen präsentieren. Auf diese Äusserung hin reagierten die beiden deutschen Grossparteien CDU und SPD einmal mehr mit harscher Kritik und gaben zu Protokoll, zusammen mit den Fehlanreizen bei den Gehältern hätten solche überrissenen Renditeziele zur Finanzkrise beigetragen.

Ackermann sieht keinen Grund von seinen Vorstellungen abzuweichen

Die Deutsche Bank selbst hatte zuletzt im Jahr 2007 eine Eigenkapitalrendite von 24,1 Prozent vor Steuern erreicht, nach Steuern lag der Wert bei 17,9 Prozent. Nach einem Rekordverlust im vergangenen Jahr erwarten die Finanzanalysten für das erste Quartal wieder einen Gewinn nach Steuern von rund 800 Millionen Euro.

Die Bank, die als eine der wenigen Banken in Deutschland bisher keine direkten Hilfen vom Staat erhalten hat, verteidigt ihr anspruchsvolles Ziel: «25 Prozent Eigenkapitalquote, wohlgemerkt vor Steuern, ist lange Zeit das gewesen, was die Besten der Welt erreicht haben», sagte Ackermann. «Und zwar, anders als oft behauptet wird, ohne übermäßige Risiken einzugehen.» In der Krise sei das natürlich schwerer geworden, fügte er hinzu, wobei er deutlich machte, dass das für ihn kein Grund sei, von seinen Vorstellungen abzurücken. Mit Blick auf die Zahlen am Dienstag fügte er hinzu: «Man kann es im Geschäftsleben nicht mit Absicht gemächlicher angehen lassen, nur damit alle mitkommen.»

Erinnerungen werden wach

Bei Politikern und Bankexperten stiessen diese Äusserungen auf Widerspruch. Sie sehen darin genau jene überzogene Renditeansprüche, die als ein Auslöser für die Finanzkrise und derzeitige Rezession gelten. Erinnerungen an Ackermanns Aussage nach Bekanntgabe des ersten Bankenrettungspakets wurden ebenfalls wach. Der Deutsche-Bank-Chef hatte damals in einer internen Veranstaltung eine Annahme von Staatsgeld für sein Institut mit den Worten ausgeschlossen, er würde sich schämen, so etwas zu tun.

 


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