UBS: Jerker Johanssons Waterloo

Der abgesetzte Investmentbanking-Chef hatte von Anfang an einen schweren Stand, und war überfordert. Manchmal brauste er auf, manchmal nickte er ein.

Der gebürtige Schwede Jerker Johansson, 52, stiess im März 2008 eher überraschend an die Spitze der gebeutelten Investmentbank (IB) der UBS. Sein Vorgänger, Huw Jenkins, hatte das lecke Schiff abrupt verlassen müssen, weil er zu einem grossen Teil die waghalsigen Subprime-Spekulationen verantworten musste. In dieser Situation war es für die an allen Fronten mit enormen Problemen ringende UBS ganz allgemein nicht einfach, einen neuen Chef zu finden.

Entsprechend war sie auch bereit, auf Johanssons Lohnforderungen einzugehen, respektive die Bedingungen seines alten Vertrags zu akzeptieren. Damit war der neue IB-Chef rasch der best bezahlte Manager innerhalb der UBS – und das noch bevor er nur einen Strich gemacht hatte.

Schonendes Vorgehen

So kam Jerker Johansson an die Spitze, zuvor während 22 Jahren bei Morgan Stanley tätig, nie aber in den obersten Sphären an der Wall Street vertreten, weil es dort ohnehin kaum Platz hat für Nicht-Amerikaner. Johansson verstand sich auf Anhieb gut mit dem damaligen UBS-CEO Marcel Rohner, und das lange Zeit relativ schonende Vorgehen beim Umbau der UBS war beiden Bankern genehm.

Im Nachhinein sollte sich jedoch herausstellen, dass unter der Ägide Rohners viel Zeit verloren ging, die Schweizer Grossbank tief greifend und wirkungsvoll zu restrukturieren. Das versucht nun Oswald J. Grübel, und wie sich zeigt, hat er da auch eine weniger gemählichere Gangart eingeschlagen.

Manchmal explodierte er

Nach aussen wirkte Jerker Johansson oftmals stoisch, verschlossen und wortkarg, wie sich manche Schweizer Top-Banker erinnern, denen er seine Aufwartung machte. Johansson hatte aber auch eine andere Seite. In manchen Fällen konnte er regelrecht explodieren und sich in lautstarke Wortgefechte stürzen.

Das begann mit der Seite manche seiner Untergebenen zu verunsichern, ja, alsbald war davon die Rede, dass er den Kontakt zu seinen «Truppen» zusehends verlor, wie die «New York Post» auch berichtet. Die internen Friktionen waren Gift für eine Bank nahe am Abgrund, und die sich möglichst rasch erneuern sollte.

Manchmal nickte er ein

Unter diesen Prämissen war der Umbau ein enormes Unterfangen, das massiv Kräfte absorbierte, zumal Johansson auch eine Menge unpopulärer Entscheide durchzupauken hatte: Bonus- und Lohn-Kürzungen, Stellenabbau, Entlassungen, Reorganisationen und gleichzeitig kaum Erfolgszahlen vorzuweisen hatte. Gleichzeitig wandten sich während Johanssons Zeit zahlreiche Top-Leute von der UBS ab, weil sie vermuteten, die nächste Spar- und Reorganisationsrunde nicht zu überstehen.

Der Abfluss an Kompetenz war ein weiterer Umstand, dass der IB-Chef selber nicht vom Fleck kam. Die Überforderung führte denn auch dazu, dass Jerker Johansson, wie einige Top-Banker von anderen Finanzhäusern auch schon, an manchen Sitzungen einfach einnickte. Das war kein gutes Zeichen. Als dann Marcel Rohner immer stärker unter Druck kam und schliesslich Anfang 2009 seinen Vorgesetzten signalisierte, von seinem Posten als CEO zurücktreten zu wollen, waren auch für Jerker Johansson die Tage gezählt.

Kräftemessen unter Alpha-Tieren

Selbst wenn Oswald J. Grübel zuletzt und wie es in der Branche üblich ist, schöne Worte («Ich danke Jerker Johansson für seinen grossen Einsatz und seinen wertvollen Beitrag zur Neuausrichtung unserer Investment Bank.») für den Abgang Johanssons fand, ist es ein offenes Geheimnis, dass es zwischen diesen beiden Alpha-Tieren zu einem regelrechten «clash» kam. Unnachgiebig, knallhart und schonungslos - und klar ist auch, dass sich dabei der Obere - am vergangenen Wochenende - letztlich durchsetzte.

Es würde nicht überraschen, wenn Jerker Johansson dereinst bei seinem früheren, langjährigen Arbeitgeber Morgan Stanley wieder auftauchen würde. Manche CS-Leute fanden schon den Weg dorthin (zurück), prominentestes Beispiel ist John J. Mack - eine Zeit lang Co-Chef der Credit Suisse, zusammen mit Oswald J. Grübel. Eine Zeit lang ging das gut, dann kam es auch da zum «clash» der Titaten, auch damals entschied Grübel das Kräftemessen eindeutig für sich und wurde alleiniger CEO der CS.

Die Führung der UBS-Investmentbank haben nun Alexander Wilmot-Sitwell und Carsten Kengeter als Co-CEOs übernommen.


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