Reputations-Katastrophe für Standard Chartered?

Wir zitieren ein Konzernleitungs-Mitglied: «You f---ing Americans. Who are you to tell us, the rest of the world, that we're not going to deal with Iranians». 

So steht es jedenalls in den Ermittlungsunterlagen der US-Behörden. Oder auf Deutsch: «Wer seid ihr, ihr verdammten Amerikaner, dem Rest der Welt zu befehlen, dass wir nicht mit den Iranern handeln können?» Dies soll der Group Executive Director von Standard Chartered geantwortet haben, als die New Yorker Filiale 2006 davor warnte, weiter mit dem Iran Geschäfte zu betreiben.

Worum geht es? Der Regulator des Bundesstaates New York wirft der britischen Bank vor, zwischen 2001 und 2010 rund 60'000 Transaktionen mit iranischen Finanzhäusern versteckt und massenhaft entsprechende Unterlagen gefälscht zu haben. Insgesamt habe Standard Chartered bei diesen Iran-Geschäften rund 250 Milliarden Dollar (sic) umgesetzt und hunderte Millionen an Honoraren erzielt.

«A rogue institution»

Dies geht aus einer Verfügung hervor, welche das New York State Department of Financial Services an diesem Montag erlassen hat. Darin teilt die Behörde mit, dass sie Ermittlungen aufgenommen hat gegen die Standard Chartered Bank – die sie unter anderem «a rogue institution», eine «skrupellose» respektive «bösartige» Institution, nennt. Konkret steht vor allem der Vorwurf im Raum, dass die britische Bank gegen Geldwäschereigesetze verstossen hat.

Laut dem zuständigen Superintendenten Benjamin M. Lawsky habe man es mit «willentlichen und unerhörten Gesetzesbrüchen» zu tun. Bis in höchste Instanzen sei sich Standard Chartered bewusst gewesen, dass massenhaft Dokumente gefälscht wurden, um Iran-Geschäfte vor den Behörden zu verheimlichen. 

«Verletzlich gegenüber Terroristen»

In einer Fussnote weisst Lawsky darauf hin, dass seine Ermittlungen auf ähnliche Schemen bei Standard Chartered im Umgang mit anderen Ländern hinweisen, welche er aber nicht weiter verfolgt habe. Konkret genannt werden dabei Myanmar, Libyen und Sudan. Im weiteren tönt die Schrift der New Yorker Behörden an, die Revisionsgesellschaft Deloitte habe Standard Chartered wissentlich bei den Versteckspielen unterstützt.

«Die Handlungen von SCB (Standard Chartered Bank) machten das amerikanischen Finanzsystem verletztlich gegenüber Terroristen, Waffenhändlern, Drogenhändlern und korrupten Regimes», so der Standpunkt des Department of Financial Services (DFS). «Und sie schnitten staatliche Ermittler von wichtigen Informationen ab, die benötigt werden, um allerlei Arten von kriminellen Aktivitäten zu verfolgen.»

Vergleichsgrösse Credit Suisse

Die Vorwürfe könnten im Extremfall dazu führen, dass Standard Chartered die Lizenz für jegliche Art Geschäfte in New York entzogen wird.

Der Fall erinnert an frühere, ähnliche Verdächtigungen gegen die Credit Suisse: Die Schweizer Bank geriet wegen US-Dollar-Zahlungen in Länder, gegen die Washington Sanktionen verhängt hatte, ins Visier der Überwacher. Die Vorwürfe, welche damals ebenfalls von den Behörden des Staates New York erhoben wurden, führten am Ende zu einer Vergleichzahlung: Sie kostete die Credit Suisse 536 Millionen Dollar.

Standard Chartered und Deloitte wehren sich

In einem Statement hält Deloitte fest, dass man die Rolle als unabhängiger Berater einwandfrei ausgeführt habe und kein Wissen hatte von einem möglichen Fehlverhalten der Bankangestellten. «Alle anderen Verdächtigungen werden durch die Fakten nicht gestützt.»

Auch Standard Chartered äussert sich kämpferisch: «Die Gruppe weist die Position oder die Darstellungen der Fakten in der Verfügung des DFS entschieden zurück», sagte eine Sprecherin in Asien. «Die Gruppe glaubt nicht, dass diese Verfügung ein volles und akkurates Bild der Fakten zeigt.»

In einem Communiqué, welches die Bank dann am Dienstag nachschob, betont sie, dass allenfalls 14 Millionen Dollar nicht im Rahmen der US-Vorschriften mit dem Iranhandel gehandelt worden sein könnten – das wären also 0,05 Prozent der von Lawsky behaupteten Summe.

Zum Thema:

«Reuters», «Washington Post», «New York Times», «Wall Street Journal», «Bloomberg».

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