Lombard Odier stiess Fall von Geldwäscherei an

Gulnora_Karimowa-kleinHinter den bei verschiedenen Schweizer Banken blockierten 600 Millionen Franken aus Usbekistan steckt Gulnora Karimowa, Tochter des Autokraten Islam Karimov.

Die Geldwäscherei-Affäre von internationaler Tragweite kam mit der Verhaftung von zwei Usbeken in Genf, im Juli diesen Jahres, ins Rollen.

Nur einen knappen Monat zuvor hatte man bei Lombard, Odier Verdacht geschöpft, dass mit dem Konto eines usbekischen Kunden etwas nicht stimmen konnte: Am 25. Juni 2012 verlangte eine junge Usbekin Zugriff auf das Konto, das ihr Landsmann Bekzod Akhmedow Anfang 2009 bei der Genfer Privatbank auf den Namen der Firma Takiland mit Sitz auf Gibraltar eröffnet hatte.

Spuren führen zur Tochter des Usbekischen Herrschers Islam Karimov

Die junge Dame gehört zum Machtzirkel von Gulnora Karimowa, wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellte. Auch bei den beiden verhafteten Usbeken, die nur drei Tage später erneut Zugriff auf das Konto verlangten und sich als Coca-Cola-Manager ausgaben, handelt es sich um Personen aus dem engen Kreis um die Diktatorentochter, wie «Le Matin Dimanche» berichtete (Artikel nicht frei zugänglich).

Als Lombard Odier, argwöhnisch geworden, feststellte, dass Usbekistan via Interpol nach Akhmedow fahnden liess und dass dieser als flüchtig galt, wendete sie sich an die Meldestelle für Geldwäscherei in Bern (MROS). Damit brachten die Genfer Bankiers einen international verästelten Fall von Geldwäscherei mit politischen Weitungen ans Licht. So spielt auch ein Konflikt zwischen Russland und Usbekistan hinein.

Bundesanwaltschaft eröffnete vier Strafverfahren

Anfang August verfügte die Bundesanwaltschaft wegen Verdachts auf «schwere Geldwäscherei» und «Vortaten, die vor allem im Ausland und insbesondere in Usbekistan» begangen wurden die Sperrung von «mehreren Hundert Millionen Franken auf verschiedenen Banken».

Mittlerweile laufen Strafuntersuchungen gegen vier usbekische Staatsangehörige, wie «Radio Télévision Suisse» (TSR) berichtet. Beim vierten handelt es sich um einen ebenfalls via Interpol gesuchten, ehemaligen Manager von Uzdunrobita, die usbekische Filiale des russichen Telekomfirma MTS. Zu deren Kader gehörte offenbar auch Akhmedow.

Gemäss «Le Matin Dimanche» hatte derselbe Akhmedow bei verschiedenen Firmentransaktionen im usbekischen Telekommarkt als Strohmann für die Diktatorentochter Karimowa gedient. Offenbar hatte seine Karriere eine Wendung erfahren.

Gefälschte Dokumente

Bezod Akhmedow hatte als CEO einer usbekischen Mobilfunkanbieterin glaubhaft machen können, dass er durch den Verkauf verschiedener Firmen zu dem vielen Geld gekommen ist. Als Telekom-Manager war er auch dem zuständigen Kundenberater bei Lombard Odier aus dessen früherer Tätigkeit als M&A-Banker bereits bekannt. Trotzdem wurde Akhmedow bei der Bank von Anfang an als sogenannter «PEP» (Political Exposed Person) streng überprüft und überwacht.  

Ein Sprecher von Lombard Odier unterstreicht: «Die Bank hat ihre rechtlichen Pflichten von Anfang an voll und ganz wahrgenommen hat, vorallem im Bereich Due Diligence.» Er gilt bei der Bank – es gilt die Unschuldsvermutung – nach wie vor als einzige wirtschaftlich berechtigte Person an den von ihm eröffneten Konten.

 Die Käuferin ist schwedisch

Der neue Besitzer von Akhmedows Firma ist ein türkisch-schwedisches Joint Venture mit Teliasonera an Bord, überwies dafür laut schwedischen Medien «rund 300 Millionen Euro an Takiland», die Firma, die ihr Geld später bei Lombard Odier parkierte. Keine Transaktionen war fiktiv, alle wurden tatsächlich vollzogen.

Gegenüber dem Schwedischen Staatsfernsehen SVT erklärte sich Teliasonera wie folgt: «Vor fünf Jahren haben wir in Usbekistan eine Investition getätigt. Damals haben wir uns vorgängig versichert, dass unser lokaler Geschäftspartner der Inhaber der Lizenzen und Frequenzen war, die wir in der Folge erworben haben. Wir hatten nie die Chance aufzudecken, wer wirklich hinter diesem Partner stand.»

Wikileaks als Verdachtsquelle

Eine Depesche des US-Diplomaten Jon Purnell, die im September 2011 via «Wikileaks» an die Öffentlichkeit gelangte, wirft ein Schlaglicht auf die möglichen Machenschaften, die hinter dem riesigen Vermögens standen.

Purnell berichtete am 13. April 2007 nach Washington, dass eine US-Firma 2006 ihre usbekische Telecomfirma zwangsweise an eine Karimov-genehme Firma verkaufen musste. Ihr war von der usbekischen Aufsicht mit Lizenzentzug gedroht worden.

Gulnora Karimova geniesst Immunität

Der US-Diplomat rapportierte, dass die älteste Tochte des usbekischen Herrschers in die Machenschaften verwickelt sei: Wer die Firma kaufen wollte, musste «dem Vernehmen nach indirekt mit der Tochter des Präsidenten verhandeln» und die «guten Dienste von Bekzod Akhmedow» in Anspruch nehmen – just der Eigentümer der Genfer Bankkonten.

Gulnora Karimova hat Wohnsitz in Cologny GE. Sie ist aktuell Usbekistans UNO-Botschafterin in Genf sowie Gesandte in Spanien. Sie erfreut sich hierzulande diplomatischer Immunität und ist von allen Strafverfahren der Bundesanwaltschaft ausgenommen.

Schrittweise bis 600 Millionen nach Genf transferiert

Bisher ergibt sich folgendes Bild: Schrittweise wurden Gelder in zweistelliger Millionenhöhe aus Asien nach Genf tansferiert und auf Konten bei verschiedenen Banken unter anderem bei Lombard, Odier überwiesen – insgesamt rund 600 Millionen Franken.

Die Untersuchungen der Bundesanwaltschaft legten ein verästeltes Netz an Offshore-Firmen frei. Doch «hier, das ist erstaunlich, kam der Geldstrom direkt aus Usbekistan auf den Schweizer Bankkonten an», zitiert «TSR» eine mit den Verfahren vertraute Quelle. Gemäss Bundesanwaltschaft hätten sich allerdings bei den Ermittlungen viele Dokumente, inbesondere aus Usbekistan, als gefälscht erwiesen.

Usbekistan ist fast das korrupteste Land der Welt

Gemäss dem Klassement von Transparency International findet sich Usbekistan auf der Liste der Länder die am wenigsten Korruption haben, auf dem 177. Rang von total 182, berichtet «TSR».

Um die Einhaltung der Menschenrechte ist es unter dem repressiven Regime von Islam Karimov ebenfalls schlecht bestellt, berichtet Amnesty International. 

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