Maurice Pedergnana: «UBS mit acht verlorenen Jahren»

Soll man das Geld einer Bank anvertrauen, die selbst nicht in der Lage ist, ihr Kapital richtig einzusetzen, fragt sich Banken-professor Maurice Pedergnana.

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Die Antwort auf diese Frage hat die UBS heute gegeben: Sie will ihr Kapital besser einsetzen und vor allem Kundenlösungen wieder in den Vordergrund rücken. Damit macht sie nach mehr als einem Jahrzehnt eine Kehrtwende, die nun auch die Credit Suisse Group unter Zugzwang bringt.

Beide Grossbanken verfügen noch immer über ein überdimensioniertes Investmentbanking, insbesondere in London und New York, und haben dort noch einen schmerzhaften Abbauprozess vor sich.

In einer komplizierten Welt

Die UBS besinnt sich nach vielen Jahren wieder auf ihre Kernstärken. Das Wealth Management Geschäft wird ausgebaut. Das Investmentbanking, welches die Kapitalkosten nicht erwirtschaften konnte und sich über einen Zyklus hinweg als strategisch nachhaltiges Kapitalvernichtungs-Geschäftsfeld erwiesen hat, wird zurückgefahren. Die Kapitalintensität wird deutlich reduziert. Es macht Sinn, das Investmentbanking auf die beiden lösungsorientierten Hauptkundensegmente Corporate Client Solutions und Investor Client Solutions zu fokussieren.

In einer komplizierten Welt kann ein weltumspannendes Netzwerk von Kunden von der UBS mit umfassenden Lösungen im Wealth Management und im Investmentbanking gleichermassen bedient werden, wie das kaum eine andere Bank zu tun vermag. Insbesondere die amerikanischen Grossbanken sind zwar im Investmentbanking im angelsächsischen Raum gut aufgestellt, aber in den wachsenden Märkten fürchtet man sich, sein Geld einem amerikanischen Institut anzuvertrauen.

Alte und neue Welt

Im Wesentlichen sind die nordamerikanischen Wettbewerber der UBS auf nordamerikanische Kundschaft («the old world») ausgerichtet. Die UBS betrachte ich dagegen im Wealth Management als erste Adresse – global aufgestellt, multikulturell und kundenorientiert: Dazu kommt, dass sie hervorragend positioniert ist, um in der «new world» (asiatisch-pazifischer Raum, Mittlerer Osten und Afrika, Osteuropa, Lateinamerika) ihre Marktleaderposition auszubauen.

Der Verwaltungsrat hat unter der Leitung des sachkundigen Bankers Axel Weber endlich entschieden, was seit Jahren hätte getan werden müssen. Das Beste unter dem Schönwetterkapitän Kaspar Villiger, der sich gegen den CEO Oswald Grübel mangels Sachkunde nicht hatte durchsetzen können, war wohl definitiv sein frühzeitiger Rücktritt.

Historische Fehler

Zu lange hatte man im Verwaltungsrat geglaubt, eine Unternehmung zu stärken, indem man die freigesetzten Mittel aus dem starken Geschäftsfeldern in jene gesetzt hat, wo man Schwächen aufwies.

Aus der nachfolgenden Folie aus der UBS-Strategie aus dem Jahr 2004 zeigte sich, dass die «Cash Cows» aus den grünen Geschäftsbereichen mit hohen Margen dazu verwendet worden sind, um den Aufbau der Investment Bank und des weniger margenträchtigeren Fixed Income Bereichs zu fördern.

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Um dennoch mehr Gewinn zu erzielen, wurden die spekulativen Dimensionen im Fixed Income Bereich immer grösser. Innerhalb des Fixed Income Bereichs wurde das Kapital nachweislich in Bereiche wie Structured Credit, High Yield, MBS und CDO investiert, in denen man über eine schwache Positionierung (deshalb rot und orange Geschäftsgebiete) und entsprechende Mitarbeiter und Netzwerke verfügt hat.

Was uns gutes Management lehrt

Jeder mit gesundem Menschenverstand weiss, dass man vor allem dort vorwärts kommt, wo man sich auf seine Stärken abstützen kann. Wer an den grössten Schwächen fokussiert arbeitet, ist am Ende vielleicht weniger schwach, hat aber mittlerweile den Ausbau der Stärken vernachlässigt.

Nun kehrt die Bank zu dem zurück, was uns gutes Management lehrt. Es war vor allem ein teurer Lernprozess, nicht in erster Linie wegen der gut dotierten Investment Banker, sondern weil dies auf dem Buckel der Aktionäre sowie Kundinnen und Kunden erfolgt ist. Mitverursacht von einem schlechten Verwaltungsrat.

Finanzplatz profitiert

PS. Auch der Finanzplatz Schweiz profitiert von dieser Strategiewende. Die UBS ist zu gross, um die Risiken aus dem Investmentbanking in London und New York dem Kleinstaat Schweiz aufzubürden. Nach der Umsetzung der angekündigten Strategie ist die Gefahr des «too connected to fail» deutlich verringert. Und nicht vergessen: in einigen Jahren dürfte die UBS wieder zu einem guten Steuerzahler werden.


Maurice_Pedergnana_qDer 47-jährige Maurice Pedergnana ist Professor an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, Chefökonom der Zugerberg Finanz AG sowie Geschäftsführer der SECA Swiss Private Equity and Corporate Finance Association.

 

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Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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