Eskaliert der Streit um Notenstein?

Seit Monaten liefern sich die Bank Vontobel und die Raiffeisen-Gruppe einen erbitterten Streit um die Notenstein Privatbank. Worum geht es eigentlich?

Notenstein_3

Anfang 2012 übernahm die Schweizer Raiffeisen-Gruppe das nicht-amerikanische Kundengeschäft der St. Galler Privatbank Wegelin und gründete dafür die Notenstein Privatbank.

In der Folge stellte sich die Bank Vontobel, die seit 2004 einen Kooperationsvertrag mit mit Raiffeisen unterhält, auf den Standpunkt, dass dieses Abkommen auch für alle Gruppengesellschaften (wie Notenstein) gelte.

Wer muss sich daran halten?

Im Gegensatz dazu ist man bei Raiffeisen der Meinung, dass Notenstein nicht Bestandteil des Vertrages sei, und deshalb Leistungen zu Gunsten der Raiffeisen-Gruppe erbringen dürfe – gemäss Kooperationsverträgen wären diese allerdings Vontobel vorbehalten.

Bei dieser Kooperation geht es im Wesentlichen um den Vertrieb von Vontobel-Finanzprodukten sowie um den Bezug von weiteren Vontobel-Dienstleistungen, wie Research und andere Analysen. Die Bank Vontobel erzielt damit einen substanziellen Beitrag an ihre Erträge.

Auf der Basis dieses Vertrags hält Raiffeisen zudem eine Beteiligung von 12,5 Prozent an Vontobel und ist damit nach der Familie Vontobel der grösste Aktionär.

Weitreichende Zugeständnisse angeboten

Die Vontobel-Gruppe hat bis dato keine schiedsrichterliche Beurteilung der Notenstein-Frage angestrebt, sondern gemäss eigenen Angaben immer Hand geboten für eine «konstruktive und partnerschaftliche Lösung», die den veränderten Verhältnissen auf der Raiffeisen-Seite Rechnung trägt, wie ein Sprecher auf Anfrage von finews.ch erklärte.

Mehr noch: Vontobel habe «weitreichende Zugeständnisse angeboten», die es Raiffeisen erlaubt hätten, Notenstein im Rahmen des bis 2017 gültigen Kooperationsvertrages zu entwickeln, heisst es weiter, was die wachsende Verärgerung bei der Bank in Zürich unterstreicht.

Versuchte Aufweichung?

Die Position von Raiffeisen hingegen zielte offenbar auf eine Aufweichung des noch im Jahr 2009 von Raiffeisen und Vontobel verlängerten Kooperationsvertrages hinaus. «Dies zwingt Vontobel alleine schon aus Gründen der Wahrung der Interessen ihrer Aktionäre und Mitarbeitenden zum Gang vor ein Schiedsgericht», erklärte ein Vontobel-Sprecher weiter.

Bei der Raiffeisen-Gruppe in St. Gallen herrscht Verwunderung. «Wir sind überrascht, dass Vontobel das Schiedsgericht anruft, weil die Gespräche noch am Laufen waren», lässt ein Sprecher verlauten. Demgegenüber heisst es bei Vontobel, die beiden Parteien hätten sich bis dato nicht auf ein gemeinsames Verständnis der Vertragsauslegung einigen können – darum der Gang vor das Schiedsgericht.

Zunehmende Belastung

Der Entscheid dieser Instanz ist gemäss Vertrag offenbar endgültig und muss entsprechend von beiden Seiten akzeptiert werden. In der Branche fragt man sich indessen, ob die unter ihrem CEO Pierin Vincenz seit einigen Jahren höchst selbstbewusst auftretende Raiffeisen-Gruppe sich daran halten würde.

Und obwohl der eigentliche Kooperationsvertrag zwischen Vontobel und Raiffeisen von dieser Querele nicht tangiert ist, stellt sich durchaus die Frage, ob die Zusammenarbeit nicht zunehmend belastet wird. Sollten sich die Fronten weiter verhärten, dürfte der noch bis 2017 geltende Vertrag wohl früher oder sogar abrupt auslaufen.

Weitere Konsolidierungsschritte in der hiesigen Bankbranche wären wohl die logische Folge.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Die zehn gröbsten Fehler im Lebenslauf

Diese Fehler sollten Bewerber im Curriculum Vitae tunlichst vermeiden.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News