Hat sich Bill Gross vielleicht geirrt?

Der amerikanische Anleihen-Spezialist und Grossinvestor Bill Gross verkündete kürzlich das Ende des Aktienkults. Dem widerspricht Graham Wainer, Finanzexperte bei GAM.

Graham_WainerVon Graham Wainer, Global Head of Investments – Managed Portfolios – beim Vermögensverwalter GAM

Unlängst stellte Bill Gross die These auf, dass die Aktienentwicklung im Zeitverlauf implizit durch die realen Wachstumsraten des Bruttoinlandprodukts (BIP) begrenzt werde.

Wörtlich fragte er: «Wenn eine Volkswirtschaft nur 3,5 Prozent mehr an Gütern und Dienstleistungen pro Jahr produzieren konnte, wie kann es dann sein, dass eine Investorengruppe, nämlich die Aktionäre, so beständig auf Kosten anderer, nämlich der Kreditgeber, Arbeitnehmer und Regierungen profitieren konnte?»

Gewinne «zurückzahlen»

Die inflationsbereinigte, reale Rendite von Aktien lag in den vergangenen 100 Jahren beständig bei 6,6 Prozent, auch wenn sie seit einiger Zeit etwas niedriger ausfällt. Gross behauptet allerdings, dass diese Renditen nicht auf die Zukunft übertragen werden können, da das BIP-Wachstum im gleichen Zeitraum lediglich 3,5 Prozent pro Jahr betrug.

Mit anderen Worten: Aktien müssen die bisher erzielten Gewinne in den kommenden Jahren «zurückzahlen»; andernfalls würden Aktienanleger letztlich das gesamte weltweite Vermögen auf sich vereinen und alle anderen Marktteilnehmer mittellos zurücklassen.

Solide Renditen

Gross' Artikel ist überzeugend verfasst und gut begründet. Allerdings berücksichtigt er offenbar nicht, dass Aktienanleger in erster Linie Eigentümer eines Unternehmens sind, und dass die Kompetenz der Führungsspitze dieses Unternehmens langfristig wichtiger für die Kursentwicklung ist als das allgemeine Wirtschaftswachstum oder das Verhalten der übrigen Marktteilnehmer.

Aktien könnten durchaus solide Renditen unabhängig vom BIP-Wachstum erzielen – sogar Renditen, die über der genannten maximalen Wachstumsrate des BIP von 3,5 Prozent liegen.

Unvorhergesehene Trends

Am besten lässt sich dies anhand eines Beispiels veranschaulichen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im S&P lag Ende August 2012 bei knapp über 14, was einem Gewinn von fast 99 Dollar respektive einer Gewinnrendite von etwas mehr als 7 Prozent entspricht. Selbst bei einem realen Nullwachstum des BIP würde dieser Gewinn letztlich seinen Weg zu den Anlegern finden; dafür sorgen die üblichen Mechanismen, darunter natürlich auch die Dividende.

Gross weist ferner die Möglichkeit zurück, dass neue, unvorhergesehene Trends und Entwicklungen den US-Aktien in Zukunft neuen Auftrieb geben könnten: «Wie können Aktien [weiter] mit real 6,6 Prozent wachsen? Das ist unmöglich, sofern wir nicht ein wahres Produktivitätswunder erleben.»

Neue Kurstreiber

Doch genau diese Produktivitätsgewinne könnten unmittelbar bevorstehen. Laut der Strategieberatungsgesellschaft McKinsey entsteht beispielsweise durch die Digitalisierung eine enorme und unsichtbare zweite Wirtschaft, und dies könnte die grössten Umwälzungen seit der industriellen Revolution bedeuten.

Dank Cloud Computing, Videostreaming und Social Networking können Wissen und Fähigkeiten künftig schneller vermittelt werden als je zuvor. Aktien werden von einer solchen Entwicklung zweifellos profitieren.

Enorme Auswirkungen

Man denke zum Beispiel an das iPad von Apple: Obwohl es unmittelbar nach einer Finanzkrise auf den Markt kam, hatte es bereits zwei Jahre später einen völlig neuen Sektor geschaffen.

Weitere Innovationen und Erfolge dieser Art könnten enorme Auswirkungen auf die Märkte haben, und diese Innovationen müssen sich nicht nur auf den IT-Sektor beschränken.

Aktives Management erfolgreich

Entwicklungsschübe in so unterschiedlichen Bereichen wie Energieeffizienz und 3D-Druck etwa sind noch nicht in den Aktienkursen berücksichtigt, werden jedoch in Zukunft einen nachhaltigen und positiven Einfluss auf unseren Alltag haben.

Ein Grossteil der Investmentbranche wird sich nun fragen, warum Gross nicht erwähnt, dass Wachstumsraten oberhalb des BIP-Wachstums durchaus möglich sind – und zwar mit einem erfolgreichen aktiven Management.

Überzeugender denn je

Sorgfältig ausgewählten Vermögensverwaltern ist es bisher stets gelungen, Unternehmen zu ermitteln, die Wegbereiter eines neuen Produktivitätsschubs sind oder überproportional stark von einem neuen globalen Trend profitieren. Ganz gleich, ob passiver oder aktiver Anleger – die Zukunftsvisionen von Gross sind einfach zu düster.

Es ist keineswegs sicher, dass den Märkten nach dem offensichtlichen Höhenflug der letzten Jahrzehnte nun unweigerlich eine Rückkehr zum Mittelwert droht. Vielmehr sind die grundlegenden Argumente für Aktienanlagen so überzeugend wie eh und je.

Das Potenzial des menschlichen Erfindungsgeists

Als Beteiligung an einer gewinnorientierten Unternehmung ist die Aktie immer noch eine der besten Möglichkeiten, um aus dem enormen Potenzial des menschlichen Erfindungsgeists und Ehrgeiz Kapital zu schlagen.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut dem Bericht ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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