Macht der Kauf von Aktien 2013 noch Sinn?

GLG Partners, Teil des britischen Finanzkonzerns Man, lässt einen «Bullen» gegen einen «Bären» antreten, um zu wissen, wie es heuer an der Börse weitergeht. 

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Ben Funnell (im Bild links), Chief Equity Strategist, sowie Jamil Baz (im Bild rechts), Chief Investment Strategist, bei der amerikanischen Firma GLG Partners, kreuzen ihre Klingen.

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Ben Funnell vertritt dabei traditionell die Rolle des Bullen – übrigens ohne dabei die tief verwurzelten und strukturellen Probleme der Weltwirtschaft zu übersehen. Auch geht er davon aus, dass sich diese auf mittlere und langfristige Sicht durchaus an den Aktienmärkten niederschlagen werden.

Belastbares Sicherheitsnetz entstanden

Kurzfristig hingegen müsse dies aber keineswegs der Fall sein. Hierfür spricht aus Sicht des Investmentexperten auch der Umstand, dass innerhalb der Eurozone mittlerweile ein «langsamer aber stetiger Heilungsprozess» eingesetzt habe. So näherten sich seit ein bis zwei Jahren die Lohnstückkosten kontinuierlich an und fielen insbesondere in den weniger wettbewerbsfähigen Ländern wie Spanien, Irland und Griechenland.

Für Deutschland lasse sich hingegen ein moderater Anstieg beobachten. Zugleich hätten die Europäische Zentralbank und ihr Präsident Mario Draghi in mehrfacher Hinsicht zur Beruhigung der Märkte beigetragen. Durch die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte sei ein belastbares «Sicherheitsnetz» unter Dividendentitel gespannt – insbesondere für Bankenwerte. Zugleich seien die Bewertungsmultiplikatoren angefeuert worden, erklärt Funnell.

Unternehmensgewinne auf hohem Niveau

«Aus struktureller Perspektive spricht einiges dafür, dass Unternehmen in den nächsten ein bis zwei Jahren weiter mit einem positiven Umfeld rechnen können» sagt Funnell weiter. Da seien zum einen die in vielen Teilen der entwickelten Welt weiter sinkenden Lohnkosten. Hinzu kämen die niedrigen Zinsen sowie der Umstand, dass auf Grund der hohen Liquidität des Unternehmenssektors auch die Verschuldung weiter falle.

Zugleich dürfte die Politik kaum bereit sein, die Steuern zu erhöhen. In Summe sprächen diese Faktoren dafür, dass sich die Unternehmensgewinne weiter auf hohem Niveau halten, folgert Funnell.

Abschliessend wagt Funnell noch einen taktischnr Blick auf Aktien. Denn gerade europäische Aktien würden angesichts der Schuldenkrise weiter mit einer gewissen Skepsis betrachtet.

Banken mit Abschlag gehandelt

Vergleicht man ihre Bewertungen mit anderen Vermögensklassen, so kommt Ben Funnell zu dem Schluss, dass Rohstoffe nach wie vor teuer und Anleihen – gemessen an ihrer geringen Rendite – sogar sehr teuer seien.

Bei Aktien rechnet Ben Funnell hingegen 2013 mit einer Verzinsung von 4,5 Prozent. Noch deutlicher zeigen sich die Chancen im Finanzsektor, wo Banken im Mittel mit einem Abschlag von 20 Prozent auf ihren Buchwert gehandelt werden.

Für Ben Funnell ist das Fazit somit klar: «Hier liegt eine Menge Wert.»

Verschuldung, Demographie und Überkapazitäten

Jamil Baz hingegen sieht weiter keinen Anlass, seinen skeptischen Blick auf die Aktienmärkte zu ändern. Drei wesentliche Faktoren bestimmen seine Sicht: Die nach wie vor hohe Verschuldung der westlichen Welt, die zunehmende Überalterung in vielen Regionen sowie Überkapazitäten.

Aus Sicht des Experten stehe der Abbau der immensen Verschuldung der Industrienationen nach wie vor erst am Anfang. Fünf Jahre nach Ausbruch der Krise liege das Verhältnis der gesamten privaten und öffentlichen Verschuldung zum Bruttosozialprodukt sogar über dem Stand von 2007.

Massive Rückkoppelungen

Folglich lässt sich aus Jamil Baz' Sicht argumentieren, dass eine Entschuldung bislang noch gar nicht stattgefunden habe. Wenn diese aber komme, sei mit massiven Auswirkungen auf Wirtschaft und Unternehmen zu rechnen.

«Die Geschichte lehrt, dass es zu massiven Rückkoppelungen auf die Realwirtschaft und zu sozialen Effekten kommen kann, sobald ein Schuldenabbau die Schwelle von 10 Prozent pro Jahr überschreitet», warnt Baz.

Hinzu komme die demographische Entwicklung, die in vielen grossen Volkswirtschaften dazu führen werde, dass der Anteil der Bevölkerung im Alter von 35 bis 59 Jahren signifikant abnehmen werde.

Weltweite Überkapazitäten

Dies dürfte oftmals auch die Nachfrage beeinträchtigen – insbesondere in vermeintlich wachstumsstarken Schwellenländern wie China. Gerade dort dürfte die strikte Ein-Kind-Politik spürbare Folgen haben.

Schliesslich verweist Jamil Baz auch auf die weltweit bestehenden Überkapazitäten. «Wenn man davon ausgeht, dass – vereinfacht – Gewinne der Summe aus Investitionen und Veränderung des Verschuldungsgrads entsprechen, können die Unternehmensgewinne nur sinken», sagt der «pessimistische» Fachmann. Denn angesichts bestehender Überkapazitäten sei der Anreiz für Investitionen mangels attraktiver Renditen eher gering.

Long-Short-Strategien als Lösung?

Beide Standpunkte machen deutlich, dass es derzeit gute Argumente gibt, um sowohl in Aktien einzusteigen als auch diese zu verkaufen. Gerade in solchen Phasen können Long- Short-Strategien eine sinnvolle Lösung darstellen.

Selbst für den Fall, dass die Aktienmärkte ihren Höhepunkt überschritten haben, dürfte es kurzfristig immer wieder zu kurzzeitigen Rallys kommen, die Investoren nutzen möchten.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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