M&G: So sicher sind Schwellenländer nicht

Südafrika könnte vom Rating her locker auf Ramschniveau gesenkt werden. Das Beispiel zeigt, wie riskant auch Schwellenländer sind, schreibt Mike Riddell von M&G Investments.

Mike_Riddell_1Von Mike Riddell, Fondsmanager Anleihen bei M&G Investments

Südafrika hat in den letzten Monaten die Aufmerksamkeit der Ratingagenturen und der Märkte auf sich gezogen und ist momentan eines von nur sehr wenigen Schwellenländern, deren Kreditrating sich momentan verschlechtert.

Offiziell wird das Land zwar immer noch mit guter Bonität, also «Investment Grade», eingestuft, doch meiner Meinung nach hätte das Rating bereits auf Ramschniveau gesenkt werden sollen. Dies spiegelt sich in den Kursen am Markt bisher aber noch nicht wider.

Viele Probleme

Da Südafrika zudem mit 10 Prozent in einer gängigen Benchmark für in lokalen Währungen denominierte Schwellenländeranleihen vertreten ist, ist dieser Umstand für das Anlagesegment Schwellenländeranleihen entscheidend.

Südafrika hat derzeit mit einer Vielzahl finanzieller, politischer und wirtschaftlicher Probleme zu kämpfen, die sich augenscheinlich weder schnell noch einfach lösen lassen.

Ausgiebig diskutiert

Einige dieser Schwierigkeiten sind seit langem bekannt und wurden bereits ausgiebig diskutiert – darunter die Abhängigkeit von Gold- und Rohstoffexporten, Kriminalität und soziale Unruhen, eine hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit und Lohnungleichheit, Korruption und eine schwache Regierungsführung sowie ein starres Gewerkschafts- und Arbeitsmarktsystem.

Aus meiner Sicht werden jedoch die folgenden Probleme sowohl vom Markt als auch von den Ratingagenturen immer noch unterschätzt.

  • 1. Schuldenpolitik

Die staatliche Schuldenquote relativ zum Bruttoinlandprodukt (BIP) von derzeit rund 43 Prozent erscheint zwar kontrollierbar, doch die zunehmende Schuldenlast der Regionalbehörden und Kommunen wird dabei nicht berücksichtigt. Die Finanzlage diverser Kommunen scheint mittlerweile untragbar geworden zu sein.

Verschlimmert wird diese Situation noch durch massive IT-Pannen, durch die tausende von Rechnungen nicht verbucht wurden. Ebenso wie in Griechenland und Italien können die resultierenden Zahlungsrückstände einen beträchtlichen Teil der staatlichen «Kreditaufnahme» ausmachen, die in den offiziellen Statistiken aber üblicherweise vernachlässigt wird.

  • 2. Fiskalischer Handlungsspielraum

Laut einer Analyse von Fitch entfallen 90 Prozent der Staatsausgaben Südafrikas auf laufende Kosten wie Gehälter, Subventionen und Zinszahlungen, so dass nur noch sehr wenig für längerfristige Investitionen übrig bleibt, um damit ein nachhaltiges Wachstum anzutreiben. Ein deutlicher Anstieg der Zinskosten oder andere externe Schocks könnten daher nur in begrenztem Masse absorbiert werden.

Man könnte nun annehmen, dass Südafrika Wechselkursrisiken weniger ausgesetzt ist, da etwa 90 Prozent der Staatsanleihen in lokaler Währung denominiert sind. Allerdings wird ein Grossteil dieser Anleihen inzwischen von ausländischen Investoren gehalten, so dass Wechselkursschwankungen auf die Refinanzierungsfähigkeit Südafrikas durchaus beträchtliche Auswirkungen haben könnten.

  • 3. Indirekte Unterstützung des Bankensektors

Zurzeit ist es für die südafrikanische Bevölkerung (und auch für die meisten Anleger) selbstverständlich, dass die fünf grössten Banken – die 90 Prozent aller Spareinlagen verwalten – vom Staat unterstützt werden. Deshalb wurden bei der Einlagensicherung bisher zu wenige Fortschritte gemacht, von einer Umsetzung globaler Bankenreformen ganz zu schweigen. Für den Staat bleibt der Bankensektor also letztlich eine Eventualverbindlichkeit.

Doch falls Südafrika zusätzlich bis zu 100 Prozent des BIP aufnehmen müsste, um seine Banken zu unterstützen, würde dies zweifellos zu einer untragbaren Schuldenlast führen. Immerhin wächst allmählich das Bewusstsein, dass man nicht an der impliziten Unterstützung der Banken festhalten kann, ohne das Investment Grade-Rating zu riskieren – denn diese beiden Punkte sind inkompatibel, wie man mittlerweile auch in vielen Teilen Europas feststellen musste.

Eine entsprechende Insolvenzregelung setzt jedoch grundlegende strukturelle Reformen voraus, die auf kurze Sicht wohl kaum auf Begeisterung stossen dürften.

  • 4. Leistungsbilanzdefizit

Trotz des Rohstoff-Booms des letzten Jahrzehnts weist die Leistungsbilanz Südafrikas seit 2003 ein Defizit auf. Darüber hinaus hat der Mangel an Investitionen in Schlüsselindustrien wie den Bergbausektor zuletzt nicht nur Arbeiterunruhen ausgelöst, sondern auch dazu beigetragen, dass die Produktivität jener Branchen, von denen Südafrika stark abhängig ist, inzwischen ebenso gesunken ist wie deren Wettbewerbsfähigkeit.

Die zunehmende Abhängigkeit Südafrikas von Goldexporten sowie von China, wohin etwa 15 Prozent aller Exporte gehen, macht dieses Land für externe Schocks immer anfälliger. Besonders beunruhigend ist dabei die starke Abhängigkeit von China, weil wir der Meinung sind, dass sich die chinesische Wirtschaft zurzeit eher in einem strukturell bedingten als in einem lediglich zyklischen Konjunkturabschwung befindet.

Falls wir mit dieser Einschätzung richtig liegen, würde dies beträchtliche Auswirkungen auf die globale Nachfrage nach physischen Rohstoffen haben und Länder, die vom Export dieser Rohstoffe abhängig sind, unter Druck setzen.

Ziemlich peinlich

Angesichts dieser Probleme halte ich Südafrika nicht mehr für ein Land, das Investment Grade-Bonität verdient hat. Falls die Ratingagenturen dieser Einschätzung folgen – und ihre jüngsten Entscheidungen zeigen eine klare Tendenz in diese Richtung – könnte dies schwerwiegende Folgen für die lokalen Anleihen- und Devisenmärkte haben.

Erst kürzlich wurde Südafrika in den häufig verwendeten «Citi World Government Bond-Index» aufgenommen (worauf hohe Mittelzuflüsse seitens ausländischer Investoren verzeichnet wurden), und es wäre ziemlich peinlich, wenn es bei einer möglichen Herabstufung auf Ramschniveau wieder herausfallen würde.

Negativer Performance-Effekt

Ausserdem würden die Zinskosten nicht nur für den Staat, sondern auch für Banken und Unternehmen möglicherweise deutlich ansteigen. Gleichzeitig könnte der südafrikanische Rand einbrechen (Südafrika verfügt nämlich nur über geringe Devisenreserven, mit denen es an den Währungsmärkten intervenieren könnte).

Doch welche Auswirkungen hätte es auf das Segment Schwellenländeranleihen insgesamt, falls Südafrika tatsächlich auf Ramschniveau herabgestuft würde? Was die unmittelbaren Folgen betrifft, so würden Verluste von beispielsweise 10 Prozent beim Rand und 5 Prozent bei den Anleihenkursen bei einer Gewichtung von 10 Prozent im Index für in lokalen Währungen denominierten Schwellenländeranleihen einem negativen Performance-Effekt von -1,5 Prozent entsprechen.

Andere Länder betroffen

In den Indizes für externe Staatsanleihen und Unternehmensanleihen ist Südafrika nicht so stark vertreten (je nach Index üblicherweise zwischen 2 Prozent und 4 Prozent), so dass die Auswirkungen in diesen Segmenten weniger ausgeprägt wären.

Die indirekten Folgen lassen sich zwar nicht beziffern, doch wahrscheinlich würden zumindest andere afrikanische Länder – von denen viele sogar noch höhere Leistungsbilanzdefizite aufweisen – in Mitleidenschaft gezogen werden.

Klare Botschaft

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass die Anleger dadurch wieder auf die idiosynkratischen Schwellenländerrisiken aufmerksam werden, was dann auch Folgen für andere Regionen hätte.

Man darf die systemischen Risiken zwar nicht überbewerten und muss sich vor Augen halten, dass die Ereignisse in der Eurozone, in den USA sowie in China grössere Auswirkungen auf die Renditen am Markt für Schwellenländeranleihen haben werden als die aktuellen Entwicklungen in Südafrika.

Nichtsdestotrotz lautet die Botschaft weiterhin: So sicher sind Schwellenländeranleihen nicht.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Ideen aus fünf Kontinenten für die Bank der Zukunft.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News