10 Mythen rund ums Private-Equity-Geschäft

Michael Petersen, geschäftsführender Partner der Zürcher Firma Cross, widerlegt für finews.ch einige Fehlannahmen im Private-Equity-Geschäft.

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Vor gut einem halben Jahr übernahm die in Zürich ansässige Beteiligungsgesellschaft Cross die Mehrheit an der Tessiner Firma Micro-Macinazione, einem europaweit führenden Zulieferer für die Pharma- und Feinchemie-Industrie, wie seinerzeit auch finews.ch berichtete.

Der Deal sorgte kaum für grosse Schlagzeilen in der Presse. Er unterstreicht deswegen nicht weniger, wie seriös und nachhaltig, in der Private-Equity-Szene gearbeitet wird – wenn man einmal von einigen grossen Transaktionen im Ausland absieht, die der Branche seit Jahren das Image von bösen «Heuschrecken» bereiten.

Auf Grund seiner langen und täglichen Praxis in dieser Szene widerlegt Michael Petersen (Bild) für finews.ch einige viel zitierte Private-Equity-Mythen.

1. Bei den Deals geht es immer um Milliarden, die sich die Private-Equity-Firmen in die eigene Tasche stecken.

Falsch. Das Gros der Transaktionen spielt sich im Mittelstandsbereich ab, also bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU), wo es kaum um Milliarden geht, sondern um nachhaltige Lösungen, etwa bei Nachfolgeregelungen.

2. Auf Private-Equity sind nur marode Firmen angewiesen, die aus dem letzten Loch pfeifen.

Falsch. Erfahrene Private-Equity-Firmen sind vor allem an führenden und profitablen Unternehmen interessiert, die in wachstumsstarken Branchen wie Engineering, Maschinenbau, industrielle Produktion oder im Dienstleistungssektor aktiv sind. Denn im Zentrum einer Transaktion steht nicht der schnelle Gewinn, sondern das nachhaltige Wachstum auf längere Sicht.

3. Private-Equity-Investoren sind Erbsenzähler, die wenig am Betrieb eines Unternehmens interessiert sind, sondern nur an Kosteneinsparungen.

Falsch. Gute Private-Equity-Leute verfügen über die entsprechenden Kenntnisse in jenen Branchen, in denen sie agieren. Zum bestehenden Portfolio von Cross gehören beispielweise noch Spirella, Europas führender Anbieter von Lifestyle-Produkten für das Bad, sowie Schwab Verkehrstechnik, ein europaweit führender Systemlieferant von Zug- und Stosslösungen im Markt der Schienenfahrzeugbranche. In allen diesen Fällen sind unternehmerische Entscheidungen gefragt, die nichts mit Kosteneinsparungen zu tun haben.

4. Bei einem Private-Equity-Deal muss der Firmen-CEO immer den Hut nehmen.

Falsch. Der CEO verfügt in der Regel über beste Geschäftsbeziehungen und Firmenkenntnisse. Gerade mit Unterstützung der Private-Equity-Investoren läuft er als frischer Mitunternehmer nicht selten zu neuen Höchstleistungen auf, die unter dem bisherigen Eigentümer weniger denkbar sind.

5. Private-Equity-Investoren wollen sich von Anfang an nur den Exit vergolden.

Falsch. Wer nachhaltiges, profitables Wachstum anstrebt, braucht Zeit, um dieses Ziel zu erreichen. Die Weiterentwicklung eines Unternehmens in Sachen Produktepalette und Kundenbasis beansprucht zumeist mehrere Jahre. Ein allzu rascher Ausstieg ist auch nicht sinnvoll, insbesondere wenn es sich um ein bereits erfolgreiches Unternehmen handelt, das noch mehr erreichen kann. Ausserdem sind seriöse Private-Equity-Investoren langfristig orientierte Anleger.

6. Private Equity ist ein Geschäft mit sehr viel Fremdkapital. Das macht das Ganze umso riskanter.

Falsch. Gerade kleinere und mittelgrosse Beteiligungsgesellschaften arbeiten mit einem konservativen Verschuldungsgrad (Leverage) und gehen nur gut kalkulierte Risiken ein.

7. Eigentlich braucht es gar keine Private-Equity-Investoren, weil sie nur ein «Durchlauf-Erhitzer» sind, der kostet.

Falsch. Private Equity ist in vielen Situationen eine optimale Lösung für die Verkäuferschaft, das betroffene Unternehmen und auch das Management. Geht es den Verkäufern zum Beispiel darum, die Unabhängigkeit des Unternehmens langfristig zu erhalten, ist Private Equity oft die einzige valable Option. Gleiches gilt auch für die Regelung der Nachfolge bei Familienunternehmen und auch, wenn dem Management eine bedeutende Mitbeteiligung am Aktienkapital eingeräumt werden soll. Zudem bietet Private Equity die Möglichkeit, weiteres Kapital aus einer Hand bereitzustellen, wenn etwa Wachstumsinitiativen zu finanzieren sind.

8. Private-Equity-Firmen handeln zumeist rein opportunistisch.

Falsch. Es geht immer darum ein Unternehmen profitabel weiterzuentwickeln und seine Marktposition zu verbessern. Dadurch profitieren sowohl das Unternehmen, die Mitarbeiter als auch die Gesamtwirtschaft, zum Beispiel durch die Schaffung von Arbeitsplätzen. Dies wurde in verschiedenen Studien bereits untersucht und bestätigt.

9. Private-Equity-Investoren können sich gar nicht gewissenhaft um alle ihre Beteiligungen kümmern.

Falsch. Wer in dieser Branche seriös arbeitet, muss sich, allein schon aus Gründen der eigenen Kapazitäten und der kontinuierlichen Qualitätskontrolle auf einige wenige Beteiligungen beschränken. Umso mehr wird man sich um diese dann kümmern, vor allem im Rahmen eines aktiven «Arbeits-Verwaltungsrats».

10. Private Equity ist eine angelsächsisch geprägte Disziplin, die in der Schweiz keine längerfristigen Erfolgschancen hat.

MIchael_Petersen_qFalsch. Die Beteiligung an nicht-kotierten Firmen hat auch hierzulande eine lange Tradition, die sowohl von den Banken, als auch von Family Offices und Industriebeteiligungsgesellschaften begründet wurde. Private-Equity-Aktivitäten kommen somit keineswegs nur aus dem Ausland, sondern auch von einer guten Anzahl einheimischer Firmen, wie es ein Blick in die Praxis zeigt. Organisiert ist die Branche in der SECA Swiss Private Equity & Corporate Finance Association.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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