Fall Cahuzac: Vorwürfe gegen die Bank Reyl

Frankreichs Budgetminister tritt wegen Steuer-Vorwürfen zurück. Eine Spur führt nach Genf. Sie zeigt einen weiteren Trick, wie vielleicht Gelder versteckt wurden.

Der Fall Cahuzac könnte die französische Politik noch erheblich erschüttern: Dies ein Tenor in den Pariser Medien nach dem Rücktritt von Budgetminister Jérôme Cahuzac (Bild). «Alle müssen zittern, denn ein schöner Teil der politischen Klasse in Frankreich, rechts wie links, kennt die Ufer des Genfersees sehr gut»: Mit diesem Satz zitiert «Le Monde» heute einen Bankier dazu.

Der Mann bleibt anonym. Es ist, so das Weltblatt, ein Vermögensverwalter aus Genf, und er erzählt brisante Details über den Fall.

Jérôme Cahuzac wurde bekanntlich vorgeworfen, ein Konto bei der UBS geführt zu haben – um die Gelder daraus später, im Jahr 2010, nach Singapur zu verschieben. Seit die Nachrichten-Plattform «Mediapart» die Anwürfe im Dezember erhob, dementierte Cahuzac sie heftig und wiederholt. Gestern erklärte er dennoch seinen Rücktritt.

«Der Kofferträger von Reyl»

Die These, die nun von «Le Monde» verbreitet wird, könnte ihm recht geben. Sie besagt nämlich: Cahuzac hatte tatsächlich kein Konto bei UBS – aber eines beim Genfer Vermögensverwalter Reyl. Und dieser wiederum führte bei der UBS ein «Master-Konto», worin die Gelder mehrerer französischer Kunden gemeinsam und anonym zusammenfanden.

Der Genfer Zeuge von «Le Monde» diente offenbar auch den französischen Steuerfahndungs-Behörden als Auskunftsperson. Ihnen gegenüber breitete er am 13. Februar 2013 bei einem mehrstündigen Verhör in Annecy aus, wie das System funktioniert, welches Cahuzacs Vermögensverwalter Hervé Dreyfus anwandte.

Dreyfus sei quasi der «Kofferträger von Reyl in Paris» gewesen, zitiert «Le Monde». Der Pariser Berater habe die Gelder angenommen und nach Genf transferiert.

Reyl wiederum – das erst seit 201o über eine Banklizenz der Finma verfügt – habe nun bei mehreren Banken Master Accounts eingerichtet, so «Le Monde» heute. Ober-Konti also, die quasi die Subkonti mehrerer Personen enthielten, welche auf diese Weise getarnt waren.

Die Reyl-Gruppe wollte zu dieser Darstellung gegenüber finews.ch nicht Stellung nehmen.

Die Vorwürfe erhärteten sich

Dass eine Spur in der Cahuzac-Affäre zum Haus Reyl führt, ist keineswegs neu: «Le Temps» hatte bereits im Dezember aufgezeichnet, dass Hervé Dreyfus ein Halbbruder von Dominique Reyl ist, dem Gründer der 1973 lancierten Wealth-Management-Gruppe; Reyl habe sich auch am Gründungskapital von Dreyfus' Vermögensverwaltungs-Gesellschaft beteiligt.

Ferner zitierte «Médiapart» Anfang Februar einen anonymen Bankier mit einer ähnlichen Darstellung wie «Le Monde» heute (es könnte auch derselbe Zeuge sein): «Reyl hatte bei verschiedenen Schweizer Bankinstituten Konten auf ihren Namen, und jeder der Privatkunden von Reyl war faktisch eine Abteilung dieser Master-Konti. Die Depotbank, beispielsweise die UBS, hatte in ihren Büchern nur Reyl als offiziellen Kunden.» 

Dieses Detail wurde in der Öffentlichkeit bislang kaum diskutiert. Die Tatsache aber, dass die von «Médiapart» recherchierten Anwürfe jetzt auf dramatische Weise erhärtet wurden und einen Minister zu Fall brachten, bringt sie – und den Finanzplatz Schweiz – in ein grelleres Licht.

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NEWS GANZ KURZ

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

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