Offshore-Leaks: 11 Befunde für die Banken

Die Enthüllungen aus dem Offshore-Leaks-Projekt lösen viele Fragen in der Finanzwelt aus. Was sind die Konsequenzen für die Schweizer Finanzhäuser? Elf Befunde.

1. Mit Offshore-Leaks steht endlich nicht mehr nur die Schweiz im Kreuzfeuer der Steuerhinterziehungsthematik. Mehr noch: Die Schweiz erntet Lob aus dem Ausland, während sich die Aufmerksamkeit nun vor allem auf britische und asiatische Steueroasen richtet, die bislang unter dem Radar durchgingen.

2. Mit den vielen Tausend vertraulichen Kundendaten, die an die Öffentlichkeit gelang sind, ist Offshore-Leaks wie ein Dammbruch in der Finanzwelt. Als Konsequenz müssen die Banken künftig die Zuverlässigkeit ihrer Mitarbeiter noch genauer prüfen. Das führt zu mehr Kontrollen – gleichzeitig schwindet die Loyalität der Beschäftigten.

3. Die Enthüllungen von Offshore-Leaks sind jetzt wie ein Freipass für viele Behörden auf dieser Welt, energisch gegen Steuerhinterziehung und -betrug vorzugehen. Für die Banken, die weiterhin eine gewisse finanzielle Privatsphäre wahren wollen, wird es umgekehrt immer schwieriger werden, Geschäftsmodelle zu bewahren, die der Diskretion nach wie vor Folge leisten. Gleichzeitig werden sich die Banken noch genauer überlegen müssen, in welchen Ländern und Märkten sie geschäftlich präsent sein wollen.

4. Angesichts der Dreistigkeit, mit der manche Menschen auf dieser Welt Steuerbetrügereien begehen, ist die Frage legitim, ob die von den Schweizer Behörden angestrebte Weissgeldstrategie überhaupt realisierbar ist.

5. Für die Banken wird eine Kundengruppe künftig noch schwieriger zu betreuen sein: politisch exponierte Personen (PEP). Sie haben durchaus ein Recht, bei einem Finanzinstitut ein Konto zu eröffnen. Doch sie stellen ein Reputationsrisiko dar, das eine Bank mittlerweile um ihre Existenz bringen kann.

6. Nach Offshore-Leaks ist definitiv klar, dass der Schweizer Finanzplatz und seine Akteure noch andere Ertragsquellen und Geschäftsfelder erschliessen müssen, um auch künftig erfolgreich zu sein. Dazu gehören das Asset Management für institutionelle Kunden, Private Equity sowie eine umfassende Expertise in allen Belangen der Finanz- und Vermögensplanung und -strukturierung.

7. Die technologischen Fortschritte, welche in den letzten Jahren im Online-Banking erreicht wurden, stellen gleichzeitig auch ein zunehmendes Risiko für die Banken dar. Denn der Missbrauch und die Betrügereien in der Zukunft vollziehen sich heute mehrheitlich elektronisch.

8. Auf Grund der Offshore-Leaks-Daten werden einige Steueroasen tatsächlich verschwinden, was den Wettbewerb zwischen den verbleibenden Finanzplätzen umso mehr stimulieren wird. Die Schweiz hat gute Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, um sich in diesem Umfeld zu profilieren. Mehr noch: Die Schweiz könnte als grosse Siegerin aus diesen Turbulenzen hervorgehen.

9. Differenzierung ist vonnöten: Steuerhinterziehung und Steuerbetrug werden mittlerweile weltweit geahndet. Steueroptimierung ist hingegen völlig legal. Auch der Abschluss einer 3. Säule im Vorsorgebereich ist zum Beispiel eine Form von Steueroptimierung und absolut legitim. Hier haben die Bankangestellten eine riesige Aufklärungsarbeit vor sich.

10. Für Finanzzentren mit attraktiven Steuersätzen gibt es durchaus gute Gründe. Sie garantieren letztlich den internationalen Steuerwettbewerb, der wiederum viele Regierungen und Behörden auf dieser Welt davon abhält, die Steuern immer weiter zu erhöhen. Denn Kapital ist und bleibt mobil.

Offshorebanking_111. Offshore-Leaks ist erst der Anfang. Der Austausch, Handel sowie die Publikation von vertraulichen Daten dürfte vorläufig weitergehen. Kleinere Banken, die ihre Strukturen und ihr Personal wahrscheinlich besser kontrollieren können als grosse Institute, dürften da im Vorteil sein. Von der Problematik dürften in Zukunft nicht nur Finanzhäuser, sondern auch Industriefirmen betroffen werden.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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