Erst der Rahmen, dann das Bild

Ein Merkmal guter Rahmenbedingungen ist deren Stabilität. Die Regulierungshektik ist daher gefährlich. Es braucht dringend mehr Gelassenheit, schreibt Markus Staub.

Markus_Staub_SBVMarkus Staub ist Leiter Bankenpolitik/Bankenregulierung bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Vor wenigen Tagen verbrachte ich Kurzferien in Venedig. Wir bestaunten Markusplatz, Rialtobrücke und den Canale Grande, machten einen Ausflug zu den Glasbläsereien auf Murano und genossen nicht zuletzt Cappuccino und Amarone della Valpolicella. Besonders beindruckt hat mich jedoch ein Besuch im einstigen Zentrum von Recht und Macht, im Dogenpalast.

In der «Sala del Senato» flüsterte uns der Audioguide die Entstehungsgeschichte der imposanten Deckenarchitektur ein. Zuerst wurden die stabilisierenden Rahmenwerke errichtet, welche die Raumdecke unterteilen und in goldenem Glanz als Bilderrahmen der Deckenmalerei dienen. Erst danach schufen die noch heute berühmten Kunstmaler ihre prächtigen Gemälde – in ganz unterschiedlichen Grössen und Formen, jeweils innerhalb des vorher gesteckten Rahmens. Also zuerst Rahmen, dann Bild – und nicht umgekehrt.

Gegen ein hektisches Durcheinander

Worauf ich hinaus will? Nun, die Deckenkonstrukte im venezianischen Dogenpalast illustrieren die Bedeutung von Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich freies (und in diesem Fall künstlerisches) Schaffen entwickeln kann.

Es handelt sich um «Rahmenbedingungen» im wörtlichen Sinn. Die Allegorie taugt aber auch, um Lehren für die geeignete Ausgestaltung von Rahmenbedingungen im übertragenen Sinn zu ziehen, beispielsweise für die Wirtschafts- und Regulierungspolitik.

Eine wesentliche Qualität guter Rahmenbedingungen ist deren Stabilität – und damit ihre Berechenbar- und Verlässlichkeit. Die aktuelle Hyperaktivität an rasanten Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen weicht aber von dieser wünschbaren Stabilität zunehmend ab.

Hält man sich etwa die gegenwärtige Dynamik der zahlreichen, komplexen und vernetzten Projekte der (internationalen und nationalen) Bankenregulierung vor Augen, oder lässt man die verschiedenen regulatorischen Entwicklungen seit der Finanzkrise gar im Schnelldurchlauf vor dem geistigen Auge passieren, so wird einem unmittelbar klar, dass das Tempo hoch, vermutlich an vielen Fronten zu hoch ist.

Moving Targets sind okay und manchmal unvermeidbar, aber allzu hektisches Herumfrisieren an den regulatorischen Leitplanken ist teuer und gefährlich.

Bitte Ruhe bewahren

Auch wenn zur Verbesserung der Systemstabilität im Finanzbereich anerkanntermassen Handlungsbedarf bestand, so ist doch sehr zu hoffen, dass die nächsten Monate Konsolidierung und Entschleunigung bringen. Daran sollten wir denken, wenn wir die vielen Vorhaben aus der Regulierungs-Pipeline beurteilen und mitgestalten. Auch für Politik und Regulierung sind Aktivismus und Hektik normalerweise schlechte Ratgeber.

Die Planer des Dogenpalasts haben den malenden Akteuren klare Rahmenbedingungen vorgegeben, diese dann aber über die Zeit stabil belassen. Welche Art von Bildern wäre entstanden, wenn sich die Vorgaben an Bildgrössen und -formate während des Malens ständig geändert hätten? Man malt sich das lieber nicht aus!

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