Der Mordfall Stern: Geld spielt eine Rolle

Heute begann der Prozess im Fall Edouard Stern: 2005 wurde der Bankier in Genf erschossen. Wer die Täterin ist, ist klar – was wirklich geschah, muss sich nun weisen.

Zum meistdiskutierten Bankier dieser Woche wird wohl Edouard Stern: Im Februar 2005 starb er in seinem Penthouse an der Rue Adrien-Lachenal in Genf, mit vier Schüssen hingerichtet von seiner Geliebten – heute beginnt in Genf der Prozess, bei dem abschliessend geklärt werden soll, weshalb der prominente Bankier wirklich sterben musste.

Rund drei Dutzend Medienteams haben sich akkreditiert, Frankreichs grosse Fernsehstationen haben bereits aufwändige Reporatagen gebracht (zumal Opfer und Angeklagte französische Staatsbürger sind), aber auch der welsche Sender TSR hat einen eigenen Videoblog zum Fall Stern. Die Mordtat weckt grösstes Interesse im französischen Sprachraum – wie in der globalen Bankbranche.

Wer war der Mann?

Kein Wunder auch: Edouard Stern gehörte zu dem, was man gemeinhin mit Hochfinanz assoziiert. Er war Milliardär, einer der reichsten Menschen Frankreichs, ein Vertrauter des damaligen Innenministers Nicolas Sarkozy, und er verkehrte mit den wichtigsten Wirtschaftsführern seiner Heimat. Zugleich führte er ein diskretes – oder eher: verschlossenes? – Leben, so dass umgehend wildeste Gerüchte kursierten, als sein Tod bekannt wurde: Waren da nicht Drähte zur russischen Mafia? Hatte ihn etwa dies das Leben gekostet?

Allerdings: Dass Edouard Stern, als er am Morgen des 1. März 2005 tot aufgefunden wurde, einen Ganzkörper-Latexanzug im Sadomaso-Stil trug, deutete in ganz andere Richtungen.

Eine Million bei der Credit Suisse

Rein detektivisch erwies sich der Fall denn auch bald als nicht weiter schwierig: Kameras hatten die Geliebte von Stern in der Todesnacht aus dem Haus gehen sehen, und die junge Frau war umgehend über Mailand und Wien nach Australien verschwunden – der Verdacht konkretisierte sich rasch. Cécile Brossard, so der Name der Frau, hat inzwischen gestanden, Stern erschossen zu haben.

Im Detail kennt man also bislang erst ihre Version: Stern und sie, so Brossard, seien ein Liebespaar gewesen, seit 2001 miteinander bekannt, und der Milliardär hätte mit der Überweisung von einer Million Dollar auf ein Konto der Credit Suisse in Montreux eben auch die Beziehung festgeschrieben; das geschah am 12. Januar. Wenige Wochen später, am 21. Februar, lässt Stern das Geld wieder blockieren.

«Teuer für eine Hure» – die letzten Worte des Edouard Stern

Am 28. Februar trafen sich Brossard, damals 36, und Stern, damals 50, nochmals in der Genfer Wohnung. Sie stritten um das Geld, aber sie kamen sich auch nah genug, um die S/M-Utensilien auszupacken. Dann, als Stern gefesselt dalag, soll er Brossard provoziert haben: «Une million, c'est cher pour une pute», sagte er, was bei Brossard fatalerweise die Sicherungen durchbrennen liessen – es wurden seine letzten Worte.

Die Frau nahm seine 9-Millimeter-Pistole, die er in der Garderobe aufbewahrte, und drückte ab. Schon der erste Schuss war tödlich, aber noch drei weitere Schüsse fallen.

Der Sachverhalt scheint denn inzwischen recht klar, auch die intensiv berichtenden und recherchierenden Medien in Frankreich boten in den letzten Wochen keine neuen Spekulationen. Entscheidend wird also, wie das Gericht die Tat würdigt. Cécile Brossard soll schwer depressiv sein, meldet ihr Anwalt, Ende April unternahm sie einen Selbstmord-Versuch. Gut möglich, dass ihre Schüsse als Affekt-Tat beurteilt werden. Nicht einmal der Nebenkläger will auf Mord plädieren – er beurteilt den Fall als fahrlässige Tötung.

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