Marc Faber: «Der Goldpreis-Kollaps erstaunt nicht»

Der Einbruch am Goldmarkt erschüttert die Gold-Bugs. Keine Panik aber zeigt der Anlage-Guru Marc Faber im Gespräch mit finews.ch.

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Herr Faber, sind Sie vom Goldpreiszerfall geschockt?

Ich habe schon seit längerer Zeit – als Gold um 1‘600 bis 1‘700 Dollar notierte – gewarnt, dass die Goldpreiskorrektur nicht ganz passé ist und der Preis tiefer fallen könnte.

Eigentlich hatte ich mir gewünscht, dass es zu einer Abwärtsbewegung kommt, in der die Investoren in eine Panik geraten und die ETF‘s massiv verkaufen. Der Goldpreis hatte sein Höchst am 9. September 2011 mit 1‘921 Dollar markiert. Dann fiel er auf 1‘522 Dollar am 29. Dezember 2011, dann bewegte er sich zwischen 1‘550 und 1‘700. Aber in dieser Zeit sind die Bestände der ETFs noch weiterhin gestiegen.

Um eine richtige Talsohle zu finden, hätten die ETFs einer Liquidation unterworfen werden sollen. Das hat jetzt stattgefunden.

Auf der physischen Ebene ist aber doch wenig passiert?

Das ist das Eigenartige an dieser Korrektur, dass der Preis sehr stark gefallen ist, fast auf 1‘300 Dollar, die Nachfrage nach physischem Gold in Asien, in der Schweiz und auch in Amerika aber gestiegen ist. Ist das nun ein positives oder ein negatives Zeichen, dass der Retailsektor kauft?


«Ich schenke den Verschwörungstheorien wenig Glauben»


Was halten Sie von den Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit dem Preiseinbruch?

Es kursieren ja einige Theorien, dass dem Goldpreisrückgang eine Manipulation zugrunde liegt. Aber ich frage mich, wer von dieser Manipulation profitieren könnte.

Ich schenke diesen Theorien nicht sehr viel Glauben. Ich sage aber, ich schliesse eine Manipulation nicht aus. Merkwürdig war ja schon, dass an einem Tag so viel verkauft worden ist. Im Futures-Markt kamen Kontrakte im Gegenwert von rund 500 Tonnen auf den Markt.

Es gibt ja Leute, darunter auch sehr intelligente, die felsenfest davon überzeugt sind, dass Gold  – und Silber – seit Jahren manipuliert sind. Ich kenne aber vertrauenswürdige Leute aus der Minenszene, die von Verschwörungstheorien gar nichts halten.

Ich überschaue also beide Lager. Bis jetzt hat mir aber noch niemand eindeutig belegen können, dass eine Manipulation stattfindet. Und noch etwas muss man sehen: Gold verlor vom Höchst von 1921 Dollar bis rund 1320 verlor also in gut anderthalb Jahren knapp 30 Prozent. Und hat sich jetzt wieder etwas erholt.

Die Apple-Aktie hat in rund acht Monaten 40 Prozent an Wert eingebüsst – davon spricht niemand. Silber ist von seinem Höchst im Jahr 2011 gar um 57 Prozent gefallen.


«Diese Leute spekulieren weiter»


Also ist der Goldpreiseinbruch für Marc Faber kein spektakuläres Ereignis?

Es gibt ja die Theorie von einem Überschuss an Kapital,  der Capital-super-abundance-Ansatz. Ich halte viel davon. Dieses Kapital fliesst kaum in die reale Wirtschaft, sondern wird in dem Umfeld eingesetzt, das nahe den geldschaffenden Notenbanken naheliegt. Also an der Wall Street und an den Finanzmärkten.

Wer aber dank der Gelddruckerei viel Geld an der Börse oder am Kunstmarkt oder mit Obligationen verdient, wird das nicht für eine Investition in eine Fabrikanlage oder in Arbeitsplätze nutzen – und wenn er auch Milliardär ist.

Diese Leute spekulieren weiter. Das Problem des Gelddruckens liegt darin, dass das Geld, das so geschaffen wird, nicht gleichmässig in alle Wirtschaftsbereiche und Anlageklassen fliesst. 1997 bis März 2000 floss es in den Nasdaq, dann in den US-Häusermarkt. Danach waren die Finanzwerte an der Reihe, Rohstoffe.

Das Geld kreiert quasi eine Serie an Anlagemanien. Und es ist möglich, dass, wenn eine zusammenbricht, wir der überschüssigen Liquidität wegen nicht weniger Ausschläge an den Anlagemärkten und in der Wirtschaft erleben, sondern mehr Bewegungen nach unten und oben sehen.

Deswegen erstaunt mich eine Preisentwicklung, wie wir sie nun im Gold und im Silber beobachten, keineswegs.


«Gold aus dem Boden zu holen, wird teurer»


Gehört Gold trotz der volatilen Entwicklung ins Portefeuille? Gold ist unproduktiv, die Bewertung wenig rational und Gold halten kostet zudem noch Geld.

Das stimmt schon. Aber sagen Sie einem Bildersammler, sein Warhol sei unproduktiv. Und der innere Wert eines Werks von Warhol ist gering. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Bilder alter Meister weniger an Wert zulegt haben als ein Richter oder ein Jeff Koons.

Ich weiss einfach: Es hat wenig Gold auf der Welt. Und da ich im Verwaltungsrat von Gesellschaften sitze, die Bodenschätze suchen und ausbeuten, weiss ich noch eines: Es ist wahnsinnig teuer geworden, Kupfer aus dem Boden zu holen. Das gilt für Gold, Silber, Platin, Palladium auch.

Und es wird noch teurer werden. In den Ländern mit gut etablierten Gesetzen machen die Umweltschützer und NGOs den Minen das Leben zusehends schwer und die Produktion teurer.  Eine neue Goldmine zu finden und in Produktion zu bringen kostet heute vermutlich mehr als 1‘000 Dollar pro Unze.

Ich habe keine Ahnung, wie die Welt in fünf oder zehn Jahren aussieht.  Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie sehr gut aussehen wird. Der Mittelstand hat real an Einkommen verloren und wird weiter verlieren. Profitiert von der Assetinflation haben die Reichen und die Superreichen. Die Immobilienpreise in den Hamptons, in Mayfair oder St. Moritz sprechen Bände.

Das Volk ist – zum Teil zurecht – unzufrieden und wird versuchen Geld von denen einzuziehen,  die es haben. Die Volksstimmung wird sich in vielen Ländern derart verändern, dass die Wohlhabenden zur Kasse gebeten werden. Die Hauptschuld an dieser Entwicklung tragen die Notenbanken, die wie wild Geld drucken. In Zeiten hoher monetärer Inflation verlieren viele, wenige profitieren. Die neuen Medien und das Internet tragen auch dazu bei.  


«Brechen die Märkte ein, verliere ich Abonnenten»


Trotz der unschönen Perspektiven legen Sie Ihr Geld aber auch in Aktien an?

Weil ich ja, wie gesagt, nicht weiss, wie die Welt morgen aussieht, empfehle ich, 25 Prozent des Vermögens in Aktien, 25 Prozent in Immobilien, 25 Prozent Cash und Obligationen sowie 25 Prozent in Gold anzulegen.

Meine Formel gilt aber nicht für alle. Wer sein Vermögen grösstenteils in Immobilien investiert, hat wohl einen geringeren Bedarf in Gold anzulegen. Ich bin ein Spezialfall. Warum halte ich nur 25 Prozent in Aktien? Das liegt daran, dass meine Immobilienanlagen und auch die Corporate Bonds einen Aktienbezug haben.

Zudem profitiere ich in guten Börsenzeiten von Performance-Fees von Fonds, für die ich tätig bin. Wenn‘s kracht, leidet der Finanzsektor am meisten – und ich bin im Finanzsektor aktiv. Die Anzahl der Abonnenten meines Gloom-Boom-Doom-Reports und meinem Website-Report nimmt ab, wenn die Märkte einbrechen.

Und das Gold hält man mit Vorteil in welcher Form?

Physisch, nur physisch!


Mehr dazu auf Guruwatch – die Seite der Anlage-Auguren




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